Als der Brandanschlag im Januar 2017 auf das Bordell im Laubanger verübt wird, steht die Nachbarin irgendwann nach Mitternacht nebenan in ihrem Badezimmer. "Ich habe einen großen Schlag gehört. Dann dachte ich: Oh Gott, nicht schon wieder", beschreibt sie ihre ersten Gedanken. Bei der 58-Jährigen kommen schnell die Erinnerungen an zwei Buttersäureanschläge wenige Wochen vorher auf das benachbarte Etablissement hoch.

Sie läuft nach draußen, sieht, dass zwei spärlich bekleidete Frauen aus dem Fenster des Bordells nebenan klettern, und nun in der Kälte stehen. Die Frauen verdeutlichten ihr, dass es brennt. "Es war sehr viel Feuer für die kurze Zeit und es hat gequalmt", erzählt die Zeugin. Dann habe sie die Feuerwehr gerufen. Eine Nachbarin aus dem oberen Geschoss habe sogar noch von der Polizei aus dem verrauchten Treppenhaus gerettet werden müssen.


Buttersäure verschüttet

So schilderte es die 58-Jährige am vierten Verhandlungstag im Rotlicht-Prozess vor dem Landgericht unter Vorsitz von Richter Manfred Schmidt. Vor dem Gericht müssen sich insgesamt sieben Männer aus der Stadt und dem Landkreis Bamberg sowie aus dem Landkreis Haßberge wegen schwerer Brandstiftung und mehrerer anderer Delikte verantworten.

Aus dem Kreis der 24 bis 27 Jahre alten Angeklagten sollen neben dem Brandanschlag auch zwei Buttersäureanschläge verübt worden sein, um den konkurrierenden Bordellbetrieb im Laubanger auszuschalten. Im Hintergrund soll der siebte Angeklagte, der 55-jährige Winfried E. (alle Namen geändert), die Fäden gezogen haben.

Von den beiden Buttersäureanschlägen hatte die 58 Jahre alte Zeugin im September und November 2016 schon leidvoll etwas mitbekommen. "Wie riecht denn Buttersäure?", fragte Richter Schmidt die 58 Jahre alte Zeugin am Dienstag. "Zum Kotzen und nach etwas, das man nicht durch Putzen wegbekommt", antwortete sie. Der Geruch sei immer noch nicht ganz aus dem Gebäude verschwunden.


Wer hatte Fäden in der Hand?

Wenige Meter hinter der Zeugenbank sitzt Rüdiger D. Er habe die Buttersäure in dem Bordell, neben dem die Zeugin wohnt, verschüttet. Das hatte er zuvor zugegeben. Der Angeklagte D. saß auch am Steuer des Autos, mit dem der Großteil der Beschuldigten im Januar 2017 dann erneut in den Hafen nach Bamberg gefahren war. Die Männer waren maskiert und gut vorbereitet. Der sechste Mann im Auto, der Mitangeklagte Sebastion O., lag quer über allen anderen auf der Rückbank. Er soll womöglich einen Molotowcocktail dabei gehabt haben. Doch Rüdiger D. gab an, dass er davon nichts gewusst habe. Ebenso lautete die Einlassung von Sven T., der seine Beteiligung an dem Brandanschlag grundsätzlich einräumte. Doch habe auch er gedacht, dass sie nur alles kleinschlagen und in dem Bordellbetrieb randalieren sollten. Vom Anzünden habe er nichts gewusst.

Denn die Tatplanung soll laut den Aussagen von Sven T. und Rüdiger D. allein in den Händen von Peter U. gelegen haben. Der 26-Jährige hatte zum Prozessauftakt eine umfangreiche Aussage gemacht, wonach er die Nachfolge des Bordellbesitzers Winfried E. antreten sollte. Da das eigene Etablissement aber nicht mehr so gut lief, sollte der Konkurrenzbetrieb im Laubanger ausgeschaltet werden. Laut U. habe Winfried E. ihn zu den Taten gedrängt und "psychischen Druck" ausgeübt. Der 55-jährige E. schweigt zu den Vorwürfen.

Die Aussagen der anderen Angeklagten belasten dagegen Peter U. schwer. So sagte am Dienstag auch Rüdiger D., dass U. sich "radikalisiert" habe und Druck ausübte. Auch die Rolle von Winfried E. scheint weiter unklar. Dieser soll sich, nachdem die Polizei bereits aktiv geworden war, mit Rüdiger D. konspirativ ohne Handys in einer Bamberger Brauerei getroffen haben, um sich nach einem Komplizen zu erkundigen, der bereits bei der Polizei ausgesagt hatte. Wollte E. diesen Komplizen "mundtot" machen?

Der 27-Jährige, der, wie andere Beteiligte, wohl mal in der Hooliganszene aktiv war, bezeichnete vor Gericht die Anschläge als größten Fehler seines Lebens. Er bereue sie zutiefst. Das hatte auch Sven T. gesagt.

Doch der Staatsanwalt äußerte Zweifel. So auch an den Aussagen von Rüdiger D.: Daran, dass dieser kein Geld für die Taten bekommen habe oder, dass er nicht mehr bei den Anschlägen mitmachen wollte - hatte Rüdiger D. doch Sven T. erst zur Mithilfe am Anschlag im Januar 2017 überredet. Rüdiger D. will, wie andere Mittäter, aus Freundschaft, später aus Angst, mitgemacht haben.


Bordell im Laubanger geschlossen

Das Rotlicht-Etablissement im Laubanger ist inzwischen nicht mehr in Betrieb. Die 58 Jahre alte Zeugin, die nebenan wohnt, hatte laut ihren Aussagen zum vorherigen Betreiber kein gutes Verhältnis, so soll er sie auch mal bedroht haben. Sie zeigte sich vor Gericht deshalb auch etwas erleichtert: "Jeder ist froh, dass die Sache vorbei ist."

Der Prozess wird an diesem Mittwoch fortgesetzt.