Sofort auf den ersten Blick ist klar: Diese Pflanze ist nicht von hier - doch dem "Tränenbaum" ist das egal. Er ist gewachsen und gewachsen, fernab seiner asiatischen Heimat. Sieben Jahre hat er sich Zeit gelassen, nun blüht er zum ersten Mal.

Wobei der auffällige rote Blütenkelch mittlerweile wieder verwelkt. "Eine Woche hat die Pflanze geblüht", sagt Dagmar Stein (61). Als sie die Knolle von ihrer Freundin Gudrun geschenkt bekommen hat, hat die Hochstallerin erst einmal im Internet recherchiert - ein dreiviertel Jahr. So lange hat sie sich kundig gemacht, was sie da eigentlich geschenkt bekommen hat. Ihr Ergebnis: "Tränenbaum, Amorphophallus konjac, gehört zu den Aronstabgewächsen. Dieser ist ein Titanwurz."

Keine fleischfressende Pflanze

Was das heißt, hat sich aber erst im Frühjahr 2014 heraus gestellt. Denn vorher war vom "Tränenbaum" nicht mehr zu sehen als Stamm und Blätter. Der Name rührt daher, dass am Blätterdach der Pflanze nach dem Gießen an den Blattspitzen ein Tropfen, also eine "Träne", hängen bleibt. Das hat Dagmar Stein in ihren Nachforschungen heraus gefunden.

Ebenso wie die Tatsache, dass die Blüte zwar beeindruckend aussieht, aber wahnsinnig stinkt - nach Aas. "Durch den Geruch und die dunkelrote Farbe imitiert die Pflanze einen verwesenden Tierkadaver. Dadurch zieht sie Fliegen an, die dann hinein rutschen", erklärt die Pflanzenbesitzerin.

An den Kragen geht es den Insekten aber nicht. Dem "Titanwurz" geht es nur um die Fortpflanzung: Beim Herauskrabbeln bestäuben die Insekten die Blüten. "Das ist das gleiche Prinzip wie bei unserem einheimischen Aronstab, der im Wald wächst. Der ist allerdings viel kleiner", erklärt Dagmar Stein.

Der "Tränenbaum" ist ihre außergewöhnlichste Pflanze. Doch im ganzen Haus und Garten wächst und blüht es. Die Hochstallerin bietet Kräuterwanderungen an, widmet sich zudem der Lebensberatung und hat eine Kindercoach-Ausbildung. Gerade die Kleinen waren von dem riesigen "Titanenwurz" fasziniert, als sie ihn für ein Foto aus dem Haus geholt und im Dorf gezeigt hat.

Den Winter hat das Gewächs in den vergangenen sieben Jahren stets drinnen verbracht, im Sommer ist es in den Garten umgezogen. Seine Besitzerin wäre froh gewesen, wenn der "Tränenbaum" ein wenig später geblüht hätte - damit sie ihn raus stellen kann. "Solange er geblüht hat, hat er ein eigenes Zimmer bekommen, die Rumpelkammer. Der Aas-Geruch war schon übel."