Major Michael Nishimura, der protestantische Militärpfarrer am Bamberger U.S.-Standort, hat sein kleines Büro direkt neben der Garnisonskapelle. Dort stehen die ersten Umzugskartons bereit und sind zum Teil schon vollgepackt. Auch sein Schreibtisch ist bis auf einen Computer und diverse Büro-Utensilien leergeräumt. Sein schwarzer Talar hängt feinsäuberlich an der Garderobe auf einem Bügel. In der Ecke gegenüber liegt seine schusssichere Weste mit Tarnmuster nebst Marsch-Gepäck und Helm. Nish imura selbst trägt als Militärpfarrer zwar keine Waffe, die übliche Soldatenuniform hingegen schon.

Die hat den Pfarrer nicht von Anfang an begleitet. Denn bevor der 55-Jährige als Geistlicher in der U.S. Armee seinen Dienst antrat, war er nach seinem Theologiestudium Pfarrer in einer Zivilgemeinde in Kansas. Anschließend verschlug es den gebürtigen Japaner zusammen mit seiner Frau rund zehn Jahre als Seelsorger nach Hawaii. "Hier habe ich dann auf einem Kirchenkongress in Texas einen Mitbruder getroffen, der damals in der Armee als Pfarrer angestellt war. Er machte mich darauf aufmerksam, dass dringend Pfarrer für den Militärdienst gebraucht werden", erinnert sich Nishimura.

Obwohl er und seine Familie in Hawaii sehr zufrieden waren, ging ihm das Gespräch mit dem Mitbruder nicht aus dem Kopf. "Nach vielen Gebeten und nach Rücksprache mit meiner Frau, habe ich mich dann als Militärpfarrer beworben. Zudem war ich mir sicher, dass mir Gott damit eine neue Tür geöffnet hat", berichtet er.

Nishimura wurde mehrere Monate lang auf das Militärleben vorbereitet, da er bisher keinerlei Erfahrungen als Soldat hatte. Er musste unter anderem in einem Bootcamp lernen wie man korrekt salutiert, seine Stiefel auf Hochglanz poliert oder wie man sich körperlich fit hält. "Das körperliche Training war für mich am schwersten. Denn die Armee hat je nach Geschlecht gewisse physische Standards, die auch für Militärpfarrer gelten", erläutert Nishimura. Daher musste er letztendlich die gleiche Grundausbildung wie ein normaler Soldat durchlaufen. Nur der Dienst an der Waffe blieb ihm erspart.

Nach seiner Grundausbildung war er einige Zeit als Bataillons-Geistlicher tätig, danach entschloss er sich innerhalb der Armee in Washington D.C. ein weiteres Mal zu studieren, um Krankenhauspfarrer zu werden.
Im Anschluss an dieses Studium kehrte er zurück nach Texas und arbeitete hier als Krankenhausseelsorger. Von dort aus ging er mit einer Sanitätseinheit in den Einsatz in den Irak. Weitere Stationen waren South Carolina, Südkorea, Missouri und Kentucky. Im Juli 2012 landete er schließlich in Bamberg.

Granateneinschläge gespürt
Auch heute noch erinnert sich der Geistliche sehr genau an seine Zeit zurück, als er im Irak stationiert war. Wenngleich er nicht an allererster Front stand, die Granateneinschläge hat er dennoch gespürt. "Wir Militärpfarrer sind dafür da, um unseren Soldaten in schwierigen oder gefährlichen Situationen beizustehen", betont er. Gerade in gefährlichen Lagen habe er immer wieder versucht, eine Gottespräsenz unter den Soldaten spürbar zu machen.

So hätten ihm viele Soldaten berichtet, dass sie in Todesängsten oft zu Gott gebetet oder sich erinnert hätten, wie sie gemeinsam mit ihm in der Bibel gelesen hätten.

In Bamberg hatte der Pfarrer ebenfalls besondere Aufgaben: die Soldaten bei der endgültigen Schließung der Kaserne zu begleiten. "Ich habe mich hier viel um Menschen gekümmert, die in eine unsichere Zukunft blickten oder Sorge vor einer Verlegung hatten", berichtet er.

Überkonfessionelle Aktivitäten
Nishimura steht zudem den Kommandeuren der Bamberger Kaserne als Berater in allen Fragen, die mit Ethik, Moral und Religion zu tun haben, zur Verfügung. "Die Offiziere können mich jederzeit um Rat fragen, wenn sich ihre Soldaten nicht richtig benehmen. Gleichzeitig kümmere ich mich darum, dass Soldaten und ihre Familien und Kinder religiös aufwachsen können."

Er begleite auch Angehörige von gefallenen Soldaten und spende ihnen Trost und Hoffnung. Taufen und Hochzeiten fallen gleichfalls in sein "Ressort".

Anders als ein Gemeindepfarrer ist Michael Nishimura als leitender Offizier der Garnisonskapelle nicht nur für Protestanten zuständig, sondern auch für andere Glaubensrichtungen. Lediglich die katholische Gemeinde wurde bis vor kurzem noch von einem katholischen Militärpriester betreut. "Wir haben hier auf dem Gelände die besondere Situation, dass wir für alle Glaubensrichtungen ein gemeinsames Gotteshaus haben", schildert Nishimura. "Es ist viel leichter, das Gemeinsame der Konfessionen zu betonen als das Trennende", sagt er, wenn man ihn nach den Unterschieden der in der Kaserne vertretenen Glaubensrichtungen fragt.

Natürlich müsse man für ökumenische Gottesdienste Abstriche machen, aber man organisiere eben auch Überkonfessionelles für die Militärgemeinde: Gemeinsames Essen, Kinderprogramm, Bibelseminare oder Ausflüge.
Für die protestantischen Gottesdienste werden die in Holz gerahmten Kreuzwegschildchen in der Kappelle zugeklappt und die Marienstatue weggestellt, so dass sich keiner an den Bildnissen der anderen Konfession stören muss. So kam es, dass am Sonntag immer um 9 Uhr ein katholischer Gottesdienst stattfand und um 11 Uhr ein protestantischer - beide in ein und derselben Kirche.

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