Als er vor 50 Jahren anfing, war er noch zu klein, um an der Werkbank zu stehen: Deswegen bekam Reinhold Ramer bald ein kleines Podest in der Höhe einer Europalette, das er, wechselte er den Arbeitsplatz, hinter sich her ziehen musste. Kein Wunder, dass er alle Augen auf sich zog und für sein Podest bald firmenweit bekannt war.

Das ist lange her: Mittlerweile ist er nicht mehr Lehrling, sondern bildet selbst mit aus - und bekannt ist er nicht mehr für sein Podest, sondern für etwas anderes, das noch keiner vor ihm geschafft hat beim Leuchtenhersteller RZB: Das 50-jährige Arbeitsjubiläum.

Danach ist aber auch bald Schluss, verrät er: Zum 31. Januar, seinem 65. Geburtstag, geht er in den wohlverdienten Ruhestand. Langweilig wird es ihm da aber bestimmt auch nicht, denn wie er verrät, wechselt er eigentlich er nur die Firma: "Von der RZB zur Firma "Desdoo"" - Mit den Worten "mach' amol desdoo und mach' amol desdoo", prophezeit er mit einem Augenzwinkern, wird seine Frau ihn schon auf Trab halten.


Von Handarbeit zu High-Tech


Aber ein bisschen ist es ja noch hin bis zum Renteneintritt für den gelernten Werkzeugmacher - eine Berufsbezeichung, die es heute so gar nicht mehr gibt, erklärt er. "Heute heißt das Werkzeugmechaniker."

Und auch sonst machte Ramer im Laufe der Zeit einige Veränderungen mit. Ein Beispiel: "Früher war für eine Abschlussprüfung 21, 22 Stunden angesetzt, verteilt auf zweieinhalb Tage, da musste viel mit der Hand gefeilt werden. Heute haben die Lehrlinge nur noch sechseinhalb Stunden dafür Zeit." Aber dafür gibt es natürlich auch mehr und bessere technische Hilfsmittel.

Bei RZB zum Beispiel die "Agie", eine Schweizer Erodiermaschine, die mithilfe eines Drahts feinste Konturen in Metall oder aus Metall heraus schneiden kann. Und es muss heute auch niemand mehr den noch warmen Stahl zentnerweise per Hand transportieren.


Nicht bloß "ein Knöpfla" drücken


"Trotzdem", so Geschäftsführer Alexander Zimmermann, "sind die Werkzeugmacher immer noch die, die unter dem größten Druck stehen."

"Mindestens drei Monate dauert es", sagt Ramer, "bis ein Werkzeug fertig ist." Und die Werkzeugmechaniker stehen dabei ganz am Ende einer langen Kette aus Entwürfen, Prototypen und nochmaligen, verbesserten Entwürfen. Wenn das Produkt dann endlich bereit ist für die Serienfertigung, sollen natürlich auch die Werkzeuge dafür möglichst schnell bereit stehen.

Die Qualität darf dabei nicht zu kurz kommen, darauf legt der Geschäftsführer Wert: "Wir verwenden nur hochwertige, langlebige Materialien!" Millionen Teile könne man so aus einem Werkzeug herstellen. Wobei "Werkzeug" in diesem Fall nicht die herkömmliche Heimwerkerausstattung meint, sondern beispielsweise die Formen, in denen in Presswerkzeugen die Lampengehäuse aus Plastikgranulat gepresst werden.


Das ist auch einer der Gründe, warum Reinhold Ramer so lange bei der RZB geblieben ist: "Ich darf hier für sämtliche Automaten Werkzeug machen, nicht so wie bei anderen Firmen, wo man bloß ein Knöpfla drücken darf!" Darüber hinaus lobt er auch die gute Arbeitsatmosphäre - in der ganzen Firma, wo noch jeder jeden kennt, aber natürlich auch unter den Kollegen im Werkzeugbau.


Verantwortlich für über hundert Azubis


Personalchef Bernhard Schönlein und Geschäftsleiter Zimmermann können ihrerseits das Lob an "einen der Eckpfeiler im RZB-Team" nur zurückgeben: Zuverlässig, fleißig, und pflichtbewusst sei Ramer, schwärmen sie. Im Laufe der Jahre hat er außerdem an der Ausbildung von circa 100 Auszubildenden und Praktikanten mitgewirkt. "Und das ist noch bescheiden gerechnet!", betont Schönlein.

Ramer selbst meint bescheiden: "Es macht mir halt Spaß, das Wissen und die kleinen Tricks, die man sich über die Jahre angeeignet hat, weiterzugeben."

Im Rahmen einer kleinen Feierstunde bedankten sich Zimmermann und Schönlein bei Ramer mit einer Jubiläumszuwendung von zweieinhalb Monatsgehälter und einem Tag Sonderurlaub. Aber auch die anderen Jubilare bei RZB, die noch nicht ganz so viele Jahre nachweisen können, wurden mit Sachgeschenken und Geldbeträgen geehrt.