Es sind persönliche Gesten, Akzente, Fingerzeige, deren Signalwirkung das Oberhaupt der Katholiken intensiv verstärkt durch überraschende Transparenz, ungewohnte Offenheit, unkonventionelle Nähe zu den Menschen.
Zusammengefügt mündet das Wirken des neuen Papstes - nicht einmal 20 Tage nach Amtsantritt - bereits zum Hochfest der Christenheit in ein Kontrast-, in ein Reformprogramm. Franziskus bricht Traditionen. Er verzichtet darauf, den österlichen Segen in Dutzenden Sprachen "herunterzubeten", sucht stattdessen den Kontakt mit den Menschen. Er bricht sogar Kirchenrecht, wäscht am Gründonnerstag nicht Priestern in der Lateranbasilika, sondern jugendlichen Straftätern - unter ihnen zwei Frauen - in einem Gefängnis die Füße.

Der frische Wind, den Franziskus der Kirche einhaucht, ist deutlich sichtbar. Die Reformer verspüren Rücken-, ja sogar Aufwind, der ihnen Flügel verleiht. Den konservativen Beharrern bläst Gegenwind ins Gesicht. Die Traditionalisten versuchen schon, dem neuen Papst diesen Wind aus den Segeln zu nehmen. Sie beeilten sich, nach der Fußwaschung ungläubig zu unken, Franziskus könne möglicherweise bereit sein, die priesterliche Pflicht der Ehelosigkeit, den Zölibat, zu lösen, oder gar Frauen im Priesteramt zuzulassen.

Und wenn? Was könnte der katholischen Kirche im "schlimmsten Fall" passieren? Offenheit? Die Anerkennung manch geheim gehaltener Realität? Deutschlandweit wieder deutlich mehr als 108 Priesterweihen wie im Jahr 2011 - 1962 waren es 557? Ein Ende des Priestermangels? Neue Kräfte, frischer Wind für die Kirchengemeinden? Eine neue geistige Heimat für Gläubige? Sind diese Vorstellungen so "schrecklich", dass man mögliche Reformen von vorneherein in den Wind schreiben sollte? Papst Franziskus hat in der Osternacht dazu eine klare Meinung formuliert: "Verschließen wir uns nicht dem Neuen, das Gott in unser Leben bringen will."

Neue Wege: Auch wenn sich im Moment der Eindruck verstärkt, das neue Oberhaupt der katholischen Kirche mache vieles bewusst anders als sein Vorgänger. Benedikt XVI. hat mit seinem selbst gewählten Rückzug die Weichen für Veränderungen gestellt. Schon vor seinem Pontifikat - vielleicht zu stark - vom Dienst im und vom "System" Vatikan geprägt, von den Missbrauchsfällen in der Kirche und Vatileaks gezeichnet, hat Joseph Ratzinger erkennen müssen, dass ihm die Kraft fehlt, die Kirche umzubauen. Zum Osterfest 2013 keimt neue Hoffnung auf, dass dies der Kirche von innen heraus gelingt.