Zur Zwischenbilanz des Integrierten Entwicklungskonzepts (Isek) für Reckendorf hatte Bürgermeister Manfred Deinlein (SPD) die Bevölkerung zu einer Sondersitzung eingeladen. Es sollten die "Hotspots" beleuchtet werden, führte Diplomingenieur Leonhard Valier vom gleichnamigen Büro für Städtebau und Bauleitplanung (Bamberg) in die Thematik ein.

Zur Seite standen ihm Architektin Christiane Werthmann (Büro Städtebau, Bamberg) sowie Gunter Schramm (Büro Planwerk, Nürnberg), der für die Analyse der Haushaltsbefragung verantwortlich zeichnete.

Die Wünsche, Anregungen und Bedürfnisse der Bürger wurden von den beiden Büros zunächst gesammelt und ausgewertet. Das gemeinschaftlich erarbeitete Konzept soll die Basis der kommenden Gemeinderatssitzungen bilden, in denen die weiterführenden Beschlüsse gefasst werden müssen.

Grundlage

Das wäre die Handlungs- und Entscheidungsgrundlage für die nächsten zehn bis 20 Jahre, betonte Diplomingenieur Valier, wobei ein großer Rahmen mit langer Perspektive nicht außergewöhnlich sei. Die Vorbereitenden Untersuchungen (VU) setzen das Sanierungsgebiet fest, das sich in Reckendorf auf den Altbereich beläuft. Eine Satzung soll privaten Grundstücksbesitzern helfen, bei einer Renovierung des schützenswerten Altbestands erhöhte steuerliche Vergütungen zu erhalten.

Zwei Drittel der Planungsphase seien jetzt schon erreicht, so erklärte Architektin Christiane Werthmann. Im Beteiligungsverfahren gab es fünf Workshops und die Exkursion zur "Mustergemeinde Langenfeld". Nach Abschluss der Expertenrunde und Haushaltsbefragung steht jetzt die Überprüfung und Bewertung durch Kommune und Planer an.

Weiter Zeitrahmen

Das "Stolbinger-Areal" in Reckendorf wäre für ähnlich anspruchsvolle Ziele wie in Langenfeld geeignet, die Umsetzung würde allerdings zehn bis 15 Jahre dauern, kündigte der Stadt- und Regionalplaner an.

Gunter Schramm vom Büro Planwerk aus Nürnberg ging auf die Ergebnisse der Haushaltsbefragung vom Herbst 2019 ein. Man durfte sich über 30,8 Prozent Rückläufe freuen, das waren 267 Haushalte, zuzüglich 16 ausgefüllte Online-Fragebögen.

Als Stärken sah man im Ort die gute Verkehrsanbindung (101 Stimmen), gute Nahversorgung (88) und lebendiges Vereinsleben (74) sowie die Naturnähe und Landschaft (50).

Als Schwachpunkt wertete man die fehlende ärztliche Versorgung (133), das starke Verkehrsaufkommen (61) sowie fehlende ausgebaute Geh- und Radwege (28) und die Parksituation im Ort (25).

Die Versorgungssituation für den sonstigen Einzelhandel (ohne Lebensmittel) wurde von 19 Prozent, Kultur von 20 Prozent und Gesundheit von zwölf Prozent als sehr schlecht eingestuft, wogegen das Freizeitangebot mit wenigen Ausnahmen, nämlich Mangel an Spiel- (sechs Prozent) und Sportplätzen (fünf Prozent) verhältnismäßig gut abschnitt.

Als beliebteste Aufenthaltsorte wurden der Dorfplatz mit Kirche (39 Stimmen) sowie der Wald/Natur (34) zuzüglich fünf Meldungen zum Areal Judenfriedhof/Wasserhäuschen angegeben. Verbesserungsbedarf an diesen Lieblingsplätzen wurde bei fehlenden Sitzgelegenheiten, anstehenden Verschönerungs-/Gestaltungsarbeiten sowie Modernisierung gesehen.

59 Prozent der Befragten hatten eine Verlangsamung des Verkehrs am Ortsein- und -ausgang gewünscht.

Bessere Straßen

Eine Ortsentwicklung wünschte man sich durch Sanierung der Straßen (120 Nennungen), Angebote für Jugendliche (119), Ausbau der Nahversorgung (119) sowie eine Ansiedlung weiterer Betriebe (117). Angebote für ältere Menschen, auch im Bereich für seniorengerechte Wohnungen und Barrierefreiheit lagen im Mittelfeld. Zufriedenheit herrscht beim "sozialen Miteinander".

Architektin Werthmann ging schließlich auf die themengebundenen Handlungsfeldern über, auf die man fokussieren sollte. Eine Machbarkeitsstudie zum Thema "Bürgertreff" mit möglicher Nutzung des "Stolbinger-Areals" wäre somit in Aussicht zu stellen.

Weitere Schwerpunkte lägen auf dem Leerstandsmanagement, wofür der Allianzmanager zuständig ist, und die öffentliche Nachnutzung kommunaler leerstehender Einrichtungen.

Auch das Wiederauflebenlassen des vor 30 Jahren gepflegten kommunalen Fassadenprogramms wäre zu empfehlen, um das innerörtliche Erscheinungsbild aufzuwerten. Wünschenswert wären auch der Erhalt historischer Fußwegverbindungen, erhöhte Verkehrssicherheit durch eine Geschwindigkeitsreduzierung auf 30 km/h, Gehwegverbreiterungen und Barrierefreiheit.

Für letzteres wäre ein Termin "in größerer Runde" angebracht, da auch Baunach diese Probleme hat. Die innerörtliche Radwegeführung könnte durch Anzeigen von Alternativrouten verbessert werden. Ein weiteres Ziel sollte sein, die Aufenthaltsqualität in der "Reckendorfer Mitte" (Dorfplatz) zu stärken.

Im Fragebogen zur Nachbarschaftshilfe wünscht man sich ein Bürgermobil, kleine technische Hilfeleistungen, einen Besuchsdienst sowie Hilfe bei der Grabpflege, im Umgang mit den Neuen Medien, in Haushalt und Garten oder bei der Kinderbetreuung, Nachhilfeunterricht und Lesepatenschaften, was u.a. über einen Bürgertreff organisiert werden könnte. Schramm erwähnte, dass es hierfür das Zuschussprogramm "Soziale Stadt" gebe.

Viele weitere Ideen

Eine Fahrradstation am Bahnhof, alternative Wohnformen, ein Umwandeln der Pfarrjugend in einen öffentlichen Jugendtreff lauteten weitere Vorschläge.

Zuerst muss immer die Finanzierbarkeit geprüft werden Quartiersmanagement vor Ort könne eine enge Kooperation mit lokalen Akteuren voranbringen, was bis zu 60 Prozent gefördert werde, erklärte der Planer Gunter Schramm und eröffnete damit die Diskussionsrunde über die Zukunft der Gemeinde Reckendorf.

Bürgermeister Manfred Deinlein erinnerte, dass der örtliche Einzelhandel mittlerweile in neuen Händen sei: "Würde sich zusätzlich ein kleiner Laden rentieren? Wäre der Markt dafür da?" Schramm erinnerte, dass alles in enger Abstimmung stattfinden müsse: Möglich wäre ein Schwerpunkt auf regionale Bioprodukte oder neue Dienstleistungsvorschläge. Das Angebot könne aber auch im Lebensmittelmarkt untergebracht werden, so Stadtplaner Leonhard Valier.

Andreas Knab erinnerte, dass "viele außerhalb kaufen" und bei dem Stolbinger-Areal Parkplätze für eine Arztpraxis fehlen würden. Valier verwies darauf, dass mit diesem Konzept die Bandbreite dargestellt werde: "Die städtebauliche Entwicklung hängt von Ihnen ab."

Daraufhin stellte Ludwig Blum die Frage: "Für den Stolbinger gibt es Zuschüsse, doch wie trägt sich das bei 2000 Einwohnern im laufenden Betrieb?"

"Sie müssen sich immer zuerst die Frage stellen, wie viel Sie sich leisten können. Eine Wohngemeinschaft für Demenzkranke trägt sich!" Auch bemängelte Blum, dass das bestehende Jugendprogramm JAM gar nicht erwähnt wurde.

Parallele Programme

Mit Blick auf die Förderkosten erkundigte sich Bürgermeister Deinlein (SPD), inwiefern es sinnvoll sei, Programme - Leerstandsmanagement, Fassadenprogramm, "Soziale Stadt" nebeneinanderher laufen zu lassen, worauf Valier auf das Beispiel der Gemeinde Küps mit Förderung durch drei Projekte im Hauptort verwies.

Markus Sippel (WBFW) erinnerte an die von den Bürgern gewünschte Verkehrsberuhigung und stellte mit Bezug auf die geplante Querungshilfe die Frage: "Sehen Sie Chancen einer Verbesserung?" Schramm meinte hierzu, dass Modellversuche mit 30 km/h bei Staatsstraßen durchgeführt werden: "Es bewegt sich etwas, der Druck muss aber von unten kommen, von der Kommune."

Gemeinderat Knab (SPD) brachte schließlich mit seinem Kommentar alles auf den Punkt: "In der Umfrage haben die Reckendorfer geantwortet, die Gemeinschaft und die Natur seien das Wichtigste, der Erhalt der ländlichen Idylle und eine gute Erreichbarkeit, nicht das Wachstum."

Bedauern auf den Gesichtern der Zuhörer war schon zu Beginn der Veranstaltung zu erkennen gewesen, hatte doch Bürgermeister Deinlein daran erinnert, dass es sich um eine Gemeinderatssitzung handelt, die Öffentlichkeit daher keinen Kommentar abgeben dürfe.