Es begann mit Eiern, die ein japanischer Bauer verkaufen wollte. Im Internet. Ob Hiroshi Mikitani das vielleicht für ihn organisieren könnte? Mikitani fand die Idee spannend, nahm noch zwölf andere Produkte dazu und gründete ein Online-Einkaufszentrum: Rakuten. 1997 startete er den Marktplatz im Internet mit fünf Mitarbeitern, heute sind es 10.000 in 25 Ländern. Seit zwei Jahren gibt es die japanische Firma auch in Deutschland - mit Bamberg als Zentrale.

Hier übernahm Rakuten im Juli 2011 die Bamberger "Tradoria GmbH". Wie die Japaner die Franken entdeckten, erklärt Rakuten-Sprecher Peter Meyenburg mit Synergien und dem "fast identischen Geschäftsmodell" von Rakuten Ichiba und Tradoria. Will heißen: einen Marktplatz im Internet zu bieten, über den Händler ihre Produkte verkaufen können. Ob Eier oder Lego, Schuhe oder Werkzeug... Ausschlaggebend seien ferner der Stellenwert von Tradoria auf dem deutschen Markt gewesen und "unsere schon damals dynamische Entwicklung", sagt Meyenburg. Der Hamburger kam vor drei Jahren nach Bamberg und arbeitete vor der Übernahme durch Rakuten ein Jahr bei Tradoria. An den ersten Gesprächen und Verhandlungen mit den Japanern war die damalige Tradoria-Geschäftsführung beteiligt. Rakuten Deutschland wird heute von den Geschäftsführern Beate Rank und Frank Hümmer von Bamberg aus geleitet.

Angesprochen vom Firmenkonzept werden laut Meyenburg vor allem mittelständische Händler, die sich selbst keinen Online-Shop leisten oder designen könnten. Für einen monatlichen Betrag bekommen sie Unterstützung beim Aufbau einer eigenen Internetseite oder der Zahlungsabwicklung. "Wir sind händlerzentriert", sagt Meyenburg. Das unterscheide Rakuten von anderen Verkaufs-Plattformen, die selbst Anbieter sind und deshalb in Konkurrenz zu ihren "Untermietern" treten, Preise abscannen und unterbieten. "Wir verkaufen ja selbst nichts", sagt Meyenburg.


Kleine Händler, große Marken

Wie sie ihre Onlineshops gestalten können, lernen die Händler in Seminaren. Außerdem gibt es Hilfe via Webcam und persönliche Betreuer ("E-Commerce Consultants") für die Nutzer der Plattform. Mit 8000 Händlern hat Rakuten laut Meyenburg Verträge, 7000 sind derzeit online. "Die anderen verkaufen noch stationär und sind erst auf dem Sprung ins Onlinegeschäft", sagt Meyenburg.

In Deutschland kämen pro Monat 300 neue Händler hinzu. Bekannte Marken wie Blaupunkt, Tchibo oder Buecher.de würden die Rakuten-Plattform ebenso nutzen wie kleine oder neue Firmen, die ihre Produkte auf diesem Kanal vertreiben wollen. Auch fränkische sind darunter, Bier aus Hetzelsdorf zum Beispiel, Bettwaren aus Weismain oder Bürositzmöbel aus Wendelstein.

Gerade die Kleineren seien es, die erst über diesen Vertriebsweg bekannt würden, sagt Meyenburg und erzählt gern die Geschichte von Gabriellas Salatsauce. Hergestellt nach altem Familienrezept von einem Kölner Ehepaar und vertrieben via Online-Marktplatz, sei die Sauce in ganz Europa bekannt. Heuer wurde Gabriellas Salatsauce zum Online-Shop des Jahres in Deutschland gekürt und hat es neben anderen Erfolgsbeispielen aus der ganzen Welt in das Hochglanz-Werbeprospekt von Rakuten sowie auf Youtube geschafft.

Ein Erfolgsbeispiel ist auch Rakuten selbst. In Japan ist die Firma mit über 40.000 Shops und 70 Millionen Kunden das größte Internet-Serviceunternehmen. Längst kann man nicht nur Eier oder Schuhe dort kaufen, sondern Reisen und einen Golfplatz buchen oder einen Heiratskandidaten online suchen.


Belegschaft verdoppelt

So gern Meyenburg von der Entwicklung der Firma erzählt, so ungern nennt er Zahlen. Dass die Belegschaft von Tradoria nach dem Kauf durch Rakuten in Bamberg auf 141 angewachsen ist und ein internationales Team für die Programmierung arbeitet, das schon. Aber welchen Umsatz sie generieren und wie viele Kunden das Portal nutzen - da lächelt Meyenburg. "Das möchte ich nicht sagen. Wir haben da strenge Vorgaben."

Wikipedia gibt den letzten Jahresumsatz von Rakuten mit 4,7 Milliarden US-Dollar an. Amazon ist mit 48,1 Milliarden US-Dollar (2011) gelistet. Dass der Online-Marktplatz der Japaner in Deutschland längst nicht so bekannt ist wie der mächtige Konkurrent aus den USA, ist Meyenburg bewusst.

Nach eigenen Angaben soll Rakuten das drittgrößte E-Commerce-Unternehmen der Welt sein. Meyenburg beansprucht den dritten Rang - nach Amazon und Ebay - auch in Deutschland. Dass der japanische Anbieter zwar noch keiner der ganz Großen ist, bestätigt Christin Schmidt vom Bundesverband des Deutschen Versandhandels (bvh). Aber sie geht davon aus, "dass sich Rakuten schnell an die Zahlen von Ebay heranpirschen wird, weil es ein dynamisches Unternehmen ist."

Im zweiten Quartal 2013 wurden dem bvh zufolge 11,8 Milliarden Euro im Online- und Versandhandel umgesetzt, knapp 6,3 Milliarden Euro mit Online-Marktplätzen. 70 Prozent gehen nach Schätzungen von bvh-Sprecherin Schmidt auf das Konto von Amazon, 15 Prozent entfallen auf Ebay. Danach rangierten Rakuten, Mercateo und MeinPaket.de.


Logistikzentrum geplant

Rakuten Deutschland werde von Bamberg aus weiter wachsen, das ist für Meyenburg klar. Laufend würden neue Mitarbeiter gesucht, "wir haben immer zehn bis 15 Stellen ausgeschrieben." Bald soll auch ein Logistikzentrum gebaut werden, um Händlern Lagermöglichkeiten bieten zu können. Ob Franken als Standort das Rennen macht, hängt vom Preis ab.

Auf jeden Fall in Franken, genauer: Bamberg, wird künftig auch einmal jährlich die "Expo" stattfinden. 600 Händler kamen im Frühjahr 2013 zu diesem Fachtreffen. Hiroshi Mikitani war eigens eingeflogen und erklärte seinen Kunden die Philosophie von Rakuten. Das Wort kommt aus dem Japanischen und heißt so viel wie: Denk positiv!