Sie schluchzen, schniefen, weinen leise: Die Frauen der neun Angeklagten im Zuschauerbereich des Bamberger Landgerichts. Als Oberstaatsanwalt Martin Dippold sein Plädoyer vorträgt und für jeden einzelnen der neun Täter eine mehrjährige Freiheitsstrafe fordert, wird den Angehörigen bewusst: Sie werden alleine nach Ungarn zurückkehren.

Ihre Männer sitzen angespannt auf der Anklagebank, wissend, dass sie nun nach einem rund zwei Monate lang dauernden Prozess für ihre Einbruchstouren durch Süddeutschland zur Rechenschaft gezogen werden.
Für Attila H. und Ferenc S. - die beiden, die die meisten Taten begangen haben - fällt die Strafe bei der Urteilsverkündung am härtesten aus: Sie gehen für sieben Jahre ins Gefängnis, sobald das Urteil rechtskräftig wird. Die anderen Bandenmitglieder müssen für drei bis fünf Jahre und sechs Monate hinter Gitter.

Die Beweislast ist erdrückend: DNA-Spuren an den Tatorten, abgehörte und zugeordnete Handygespräche zwischen den Beteiligten, Polizeikontrollen, Diebesgut, das die Geschädigten als ihr Eigentum identifizieren konnten und schließlich Teilgeständnisse jedes einzelnen Bandenmitgliedes: die Zweite Strafkammer des Bamberger Landgerichts sah es als erwiesen an, dass sich alle neun ungarischen Staatsbürger des schweren Bandendiebstahls in mehreren Fällen schuldig gemacht hatten. Bei sechs Männern kommt versuchter Bandendiebstahl hinzu - jene Tat, die sie nicht vollenden konnten, weil sie festgenommen wurden.

Die in Geld umgewandelte Beute "diente der Finanzierung des Lebensunterhaltes", sagte Oberstaatsanwalt Dippold. "Hier ist von einer Gewerbsmäßigkeit auszugehen."

Metall und Reifen bevorzugt

In den Jahren 2011 und 2012 waren die Männer zwischen 26 und 45 Jahren in unterschiedlicher Besetzung als Einbrecherbande unterwegs. In Oberbayern, der Oberpfalz und Franken stiegen sie überall dort ein, wo es Kupferkabel und Buntmetall zu holen gab. Aber auch Werkzeuge, Diesel-Kraftstoff, Maschinen und Reifen waren bevorzugte Beute.

Zu den fränkischen Tatorten gehörten Baustellen auf Umspannwerken in Eltmann (Landkreis Haßberge), Altdorf bei Nürnberg sowie Erlangen, eine Recyclingfirma in Bayreuth und eine Autobahnmeisterei im Landkreis Bayreuth. Ihre größte Beute machte die Bande in Bamberg, wo sie gleich drei Mal in eine Firma einbrach und Reifen im Wert von rund 150.000 Euro stahl.

Insgesamt klaute sich die Einbrechergruppe Beute im Wert von 450.000 Euro zusammen und richtete dabei einen Sachschaden von rund 46.000 Euro an.

Ursprünglich waren die Ungarn in 29 Fällen angeklagt. Im Laufe des Prozesses wurde etwa ein Drittel der Fälle eingestellt beziehungsweise zusammengefasst. Das wurde möglich durch den Paragrafen "unwesentliche Nebenstraftaten" der Strafprozessordnung. Da in anderen Fällen ohnehin eine Strafe zu erwarten war, die mehr ins Gewicht fallen würde, wurden einige Fälle eingestellt.

Außerdem trugen die Teilgeständnisse, die die Angeklagten nach und nach ablegten, dazu bei, dass das Verfahren zügiger beendet wurde als ursprünglich angesetzt: Statt 17 brauchte das Gericht elf Verhandlungstage.
Trotzdem sei es eines "der umfangreichsten Verfahren in diesem Sitzungssaal" gewesen, wie Vorsitzender Richter Manfred Schmidt sagte. Neun Angeklagte auf einmal und über 60 Zeugen habe man noch nicht gehabt.

In deren Einzelurteilen kam das Gericht den Forderungen der Staatsanwaltschaft nach. "Für die Kammer besteht kein Zweifel, dass die Taten aus dieser Gruppierung heraus begangen wurden", sagte Richter Schmidt. Zwar könne man berücksichtigen, dass die Männer der Volksgruppe der Roma angehören, die nach Aussage der Angeklagten in Ungarn wenig Ansehen genieße. Auch seien die ärmlichen Lebensverhältnisse der Täter - bis auf einen - zu beachten.

"Aber das ist kein Grund, nach Deutschland zu fahren und Einbrüche zu begehen", sagte Manfred Schmidt. Er sprach bei der Urteilsverkündung von einer hohen kriminellen Energie der Einbrecherbande.

Bereits in Ungarn standen alle bis auf einen schon vor Gericht: wegen Diebstahls, Raubes, Hehlerei und Urkundenmissbrauch. In Deutschland seien gravierende Straftaten begangen worden.Das Gericht geht bei allen Angeklagten von einer Mittäterschaft aus, nicht nur Beihilfe.

Den Tätern half es nicht, dass sie mit zuhause wartenden Familien und Kleinkindern argumentierten. Einer wird sich wohl um eine Abschiebung nach Ungarn bemühen, um näher an seiner Familie zu sein.