In den letzten Monaten beschäftigte der Haschisch-Handel in und um Bamberg zahllose Strafkammern, Schöffengerichte und Amtsrichter in Bamberg. Nun wird nach den "Importeuren" des Stoffes aus Berlin und den Großhändlern auch den Zwischenhändlern der Prozess gemacht. Derzeit muss sich ein 25-jähriger Iraker vor dem Landgericht verantworten.

Er soll im Zeitraum September 2016 bis Februar 2017 in mindestens 21 Fällen mit dem Rauschgift gehandelt haben. Und zwar in nicht geringer Menge, was bedeutet, dass pro Transaktion Haschisch mit mehr als 7,5 Gramm Wirkstoff THC den Besitzer wechselten.

Zugunsten des Angeklagten hatte Oberstaatsanwalt Matthias Bachmann nur Fälle angeklagt, die Mengen zwischen 100 und 200 Gramm Haschisch betrafen und den THC-Gehalt mit zehn Prozent sogar noch niedrig angesetzt. In anderen Verfahren reichte die Qualität der Ware aus der Haschisch-Hauptstadt an der Spree bis hin zu 18 Prozent.

Zweiter Anklagepunkt ist der Vorwurf, der Angeklagte hätte einen Minderjährigen, seinen damals erst 16-jährigen Mitbewohner, angestiftet, als Laufbursche und Straßenverkäufer die Haschisch-Pakete von A nach B und unter die Leute zu bringen. Entweder am Bahnhof Bamberg oder in der eigenen Wohnung, wie der heute 18-jährige Syrer unumwunden zugab. Manchmal gab es sogar eine Art Lieferservice zu den Kunden nach Hause. Er habe dafür umsonst gewohnt, gekifft und etwas Geld bekommen. "Er kannte nicht so viele Leute wie ich und hatte Angst, mit dem Haschisch auf der Straße erwischt zu werden."

Der Angeklagte selbst, seit Juli 2017 in Untersuchungshaft in der JVA München, bestritt sämtliche Vorwürfe. Er sei nur gelegentlicher Konsument gewesen und habe seine Kleinstmengen von maximal drei Gramm "von Afrikanern in der Disco" gekauft. Mit dem An- und Verkauf größerer Mengen habe er nichts zu tun gehabt. Vielmehr sah er sich als Opfer übler Nachrede.

Der Hauptbelastungszeuge, sein früherer Mitbewohner in der Asylunterkunft, habe mit ihm Streit gehabt. Er hätte ihn dabei erwischt, wie er an der Wohnungstür an einen "Deutschrussen" eine Platte Haschisch verkauft hätte. Da hätte er ihn hinausgeworfen.

Im Übrigen verlegte sich der Angeklagte auf den Fünfkampf: 1. Den kenne ich nicht; 2. Den erkenne ich nicht; 3. Ich erinnere mich nicht; 4. Davon weiß ich nichts; 5. Das kann schon sein.


Familie blieb im Irak

Der Angeklagte, ein Kfz-Mechaniker ohne Abschluss, ist nach eigenen Angaben als Asylbewerber anerkannt, weil er als sunnitischer Muslim von der schiitisch geprägten irakischen Regierung verfolgt wurde und sein Vater als Physikprofessor unter Diktator Saddam Hussein am staatlichen Atomprogramm gearbeitet hatte und nach Abu Dhabi emigriert ist. Er selbst sei vor drei Jahren über die Balkan-Route nach Deutschland, und vor zwei Jahren nach Bamberg gekommen, "weil es in meiner Heimat keine Sicherheit mehr gibt". Seine Ehefrau und ein schwerbehindertes fünfjähriges Kind blieben indes zurück. Er habe hier "ein neues Leben anfangen" wollen.

Allerdings schienen es weder der Angeklagte, noch die Zeugen, die einesteils selbst hinter Gittern sitzen oder deren Gerichtsverfahren noch bevorsteht, mit der Wahrheit so genau zu nehmen. Immer wieder fand der Vorsitzende Richter Manfred Schmidt Ungereimtheiten in den Aussagen. So widerlegte er die Angabe des Angeklagten, der hätte nicht gewusst, dass sein Mitbewohner minderjährig gewesen sei, mithilfe eines Zeugen, der einen vergeblichen Versuch des Jugendlichen schilderte, in die Disco zu kommen. Und er fragte einen der Zeugen, der für den Angeklagten sprach, zurecht, wie man mit staatlicher Grundsicherung von knapp 400 Euro monatlich den Lebensunterhalt bestreiten und zugleich 300 Euro für Rauschgift ausgeben kann, ohne den Eigenkonsum durch Drogenhandel zu finanzieren.

Der Hauptbelastungszeuge bekannte sogar offen, er habe bei der Polizei gelogen, um sich im eigenen Prozess wegen Drogenhandels strafmildernde Vorteile zu verschaffen - die er dann doch nicht bekommen hätte, wie eine hartnäckig nachfragende Verteidigerin herausbrachte. Ihr gehe es um die "Gesamtglaubwürdigkeit" der Zeugen, so Rechtsanwältin Kerstin Rieger (Kronach). Zumal bisher keine anderen "harten" Beweise in Form sichergestellter Haschisch-Platten eine Rolle in der Beweisaufnahme spielten. Der Prozess wird am 1. und 21. Juni jeweils um 9 Uhr fortgesetzt.