Buttenheim
Polizei

Landkreis Bamberg: Polizisten überfahren Fuchs, um ihn zu töten - interne Ermittlungen

Der Fuchs war schwer verletzt. Deswegen rief ein Bürger Anfang Januar die Polizei hinzu. Die besonderen Methoden der Beamten, den Fuchs von seinem Leid zu befreien, haben nun ein Nachspiel.

Es ist 22.15 Uhr. Ein Mann geht in Gunzendorf mit seinen Hunden spazieren. Plötzlich lautes Gebell – die Tiere schlagen an: Ein Fuchs schleppt sich die Straße entlang – ein roter SUV soll ihn angefahren haben. Die Polizei kommt zum Ort des Geschehens. Der zuständige Jagdpächter geht nicht ans Telefon. Das schwer verletzte Tier muss erlöst werden.

Was dann passiert sein soll, ist für Jessica Tamme noch immer schockierend: Die Gunzendorferin berichtet, dass die beiden Beamten das Tier anschließend in ein Malervlies eingewickelt und es mehrere Male überfahren hätten. Die gewünschte Tötung sei jedoch erst nach dem fünften Versuch eingetreten. "Ich habe geweint und mein Mann hat getobt", berichtet die Mutter von drei Kindern. "Meine Tochter konnte die ganze Nacht nicht schlafen. Unser Hund wurde vor ein paar Jahren überfahren. Der Anblick hat alles wieder aufgerollt."

Der getötete Fuchs liegt unter einem Malervlies im Ortskern von Gunzendorf. privat

Jagdpächter ist entsetzt über das Vorgehen

Für Kilian Model ist der Vorfall skandalös: "Das ist Tierquälerei im höchsten Maß und eine Sauerei." Der Jagdpächter entsorgte am nächsten Tag den toten Fuchs – die Beamten hätten ihn in das Malervlies eingewickelt und in eine angrenzende Hecke geworfen. Die Stelle sei mit einem Pfeil markiert worden. Zum Zeitpunkt des Wildunfalls habe er sein Telefon nicht gehört und habe deshalb erst am nächsten Morgen davon erfahren. "Ich hätte den Fuchs mit einem Kleinkaliber erschossen.

Die Gefahr eines Abprallers wäre mit so einer Waffe gering gewesen. Zur Not hätte ich ihn auch mit einem gezielten Kopfschlag getötet", erklärt Model. Der 62-Jährige führe zu solchen Zwecken immer einen Knüppel in seinem Jagdauto mit sich. Jessica Tamme betont zudem, dass die Beamten den Fuchs auch ohne Probleme aus der Ortschaft hätten bringen können, um ihn dort zu erschießen. Gemeinsam mit Model und einem Jägerkollegen von diesem wolle sie nun eine Anzeige wegen Tierquälerei stellen.

 

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Die Polizeiinspektion Bamberg-Land, die laut Pressesprecher Alexander Krapp erst durch die Nachfrage des Fränkischen Tags von dem Vorfall erfuhr, befasste sich umgehend damit. Die danach herausgegebene offizielle Pressemitteilung bestätigt den Vorgang weitgehend. Die Polizei sei in der besagten Nacht des 9. Januar von Bürgern zu Hilfe gerufen worden, weil im Ort ein schwer verletzter Fuchs, der offenbar durch einen Pkw angefahren worden war, noch lebend aber "fluchtunfähig" auf der Straße lag. Alle Versuche, das Tier abzutransportieren, seien fehlgeschlagen.

Pressesprecher Krapp vermutet, dass die Kollegen sich wohl nicht zugetraut hätten, den Fuchs durch einen oder mehrere gezielte Kopfschläge zu töten – besonders nicht vor Zuschauern. In der Pressemitteilung weist er zudem daraufhin, dass der Gebrauch einer Dienstwaffe nach Einschätzung der Beamten eine Gefahr für die Anwohner dargestellt hätte. Um diese Gefährdung Unbeteiligter zu vermeiden, hätten die Beamten zu der Maßnahme gegriffen.

Außenstehende könnten bestätigen, dass die Beamten das Tier möglichst schnell erlösen wollten. Eine Quälerei sei demnach nicht beabsichtigt gewesen. Nun werde ein Ermittlungsverfahren eingeleitet und von unbeteiligten Stellen geprüft, inwiefern ein Straftatbestand vorliege. Hierzu werden Augenzeugen gesucht, die sich unter der Nummer 0951/9129310 bei der Polizeiinspektion Bamberg Land melden können.

Bestrafung wenig zielführend

Für Tamme sei eine Bestrafung nicht der richtige Weg. Jedoch sollten die Verantwortlichen dafür sensibilisiert werden, dass das Tier ein Recht auf körperliche Unversehrtheit habe: "Sie könnten zum Beispiel gemeinnützige Arbeit in einem Tierheim leisten." Die Gunzendorferin betont, dass sie den beiden Ordnungshütern nicht schaden wolle, ihr gehe es lediglich um Gerechtigkeit.