Es sind Hunderttausende. Sie kommen hauptsächlich aus Polen, Rumänien oder Bulgarien, sind in der Regel Frauen, aber selten ausgebildete Pflegekräfte. In Deutschland greifen sie Ehepartnern und Verwandten unter die Arme, die ihre Angehörigen zu Hause pflegen wollen. Die sind in der Regel auf bezahlbare Hilfe angewiesen - ohne die Kräfte aus Osteuropa wären sie oft aufgeschmissen.

Das System fußt doppelt auf Notständen. Viele der Osteuropäerinnen sind selbst bereits im Ruhestand, müssen ihre schmalen Renten aber aufstocken. Gerade sie leiden unter teils prekären Arbeitsbedingungen.

Statt nur zu betreuen und im Haushalt zu helfen, übernehmen viele die Aufgaben qualifizierter Pflegedienste, und zwar rund um die Uhr. Zwar gibt es Ruhephasen die Rufbereitschaft aber läuft im Prinzip ständig. Hinzu kommt: Neun von zehn arbeiten schwarz, wie die Verbände für häusliche Pflege schätzen.

Heimplatz als letzte Option

"Häusliche Pflege wäre ohne diese Betreuung nicht zu bewerkstelligen", sagt Professor Michael Isfort vom Deutschen Institut für Pflegeforschung (DIP). Für viele Familien sei ein Heimplatz nur die letzte Option, grundsätzlich gilt die Devise "ambulant statt stationär".

Die Kosten für eine Osteuropäerin entsprechen etwa dem Eigenanteil für einen Platz im Pflegeheim. Heißt: 2000 Euro müssen Interessierte mindestens einplanen, soll die Beschäftigung legal vonstatten gehen. Eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung eines ambulanten Dienstes hierzulande kann sich hingegen kaum einer leisten, monatliche Kosten steigen leicht ins Fünfstellige. Doch selbst wenn Geld da wäre: Weil Fachkräfte fehlen, könnten nicht ansatzweise alle Nachfragen bedient werden. "Personalmangel in der Pflege ist ein Risiko für die Patientensicherheit", sagt Ralf Suhr, Vorstandsvorsitzender des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP). Wenn sich die Zahl der Pflegebedürftigen wie prognostiziert von 3,4 auf 4,9 Millionen im Jahr 2054 erhöhe, werde man kaum alle versorgen können.

Osteuropas Betreuungskräfte werden also vorerst wichtig bleiben. Frederic Seebohm, Geschäftsführer des Verbandes für Häusliche Betreuung und Pflege (VHBP), geht noch weiter und hält diese Arbeitsverhältnisse gar für alternativlos: "Gäbe es keine ausländischen Betreuungskräfte, bräuchte es auf einen Schlag bis zu 300 000 stationäre Pflegeplätze", sagte er.

Das aber ist utopisch. Laut ZQP mussten vier von fünf Pflegedienste in den vergangenen drei Monaten Versorgungsanfragen ablehnen, weil sie deren Versorgung nicht sicherstellen konnten.

Selbst die nun im Bundestag beschlossenen Regelungen zur Erhöhung der Löhne im Pflegesektor werden den Mangel kurzfristig wohl kaum lösen können. Bis Lösungen fruchten, werden weiterhin Osteuropäerinnen aushelfen müssen.

Anstellung mit Fallstricken: So klappt's mit der ausländischen Betreuungskraft

Pflege-Unterstützung Viele Pflegebedürftige fühlen sich am wohlsten in den eigenen vier Wänden. Weil Angehörige eine durchgängige Versorgung in der Regel nicht alleine leisten können, suchen sie Unterstützung. Vor allem durch Personal aus dem osteuropäischem Ausland. Doch wie geht das?

1. Selbst Arbeitgeber werden

- in der EU gilt Arbeitnehmerfreizügigkeit, eine Erlaubnis ist also nicht nötig

- zu zahlen ist mindestens der deutsche Mindestlohn (zur Zeit 9,19 Euro/Stunde)

- weiter fallen an: Arbeitgeberbeiträge zur Sozialversicherung (Kranken-, Renten- und Arbeitslosenversicherung), Beiträge für die Berufsgenossenschaft

- Haushalte müssen mit mindestens 2000 Euro im Monat rechnen, zuzüglich Kosten für Internet, Telefon, Heimfahrten etc

- 24-Stunden-Betreuung durch eine Person ist nicht zulässig, die tägliche Arbeitszeit darf 8 Stunden nicht überschreiten; in Vollzeit besteht Anspruch auf 24 Tage Urlaub/Jahr

2. Über Vermittlungsagentur

- ein ausländischer Dienstleister übernimmt die Arbeitgeberpflichten, deutsche Agenturen helfen bei der Vermittlung

- Haushalte schließen in der Regel Verträge mit beiden ab, die Betreuungskräfte wechseln normalerweise alle paar Wochen oder Monate

- Kosten: mindestens 2000 Euro, plus Agenturgebühren

Kunden sollten einige Punkte unbedingt beachten:

1. Bedarf genau klären (Agenturen suchen etwa über Fragebogen geeignete Betreuer

2. Sprachkenntnis (je besser, desto teurer in der Regel)

3. Wohnsituation klären (eigenes möbliertes Zimmer, evtl. Bad, Internet, Telefon)

4. A1- Bescheinigung: Unbedingt zeigen, ggf. eine Kopie aushändigen lassen (weist nach, dass Betreuungskraft in Heimatland sozialversichert ist)

5. Verträge sorgfältig prüfen

3. Selbstständige Pflegekraft

Die Selbstständigen bewegen sich oft in einer rechtlichen Grauzone zur Scheinselbstständigkeit. Experten raten davon ab. Quellen: Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Stiftung Warentest