Viele kommen erst in die Fachstelle für pflegende Angehörige, wenn der Leidensdruck unerträglich geworden ist. Wenn die Pflege eines Angehörigen die Kräfte übersteigt. Wenn der Spagat zwischen Beruf und Pflege nicht mehr bewältigt werden kann. Wenn alleinstehende Senioren nicht mehr ein noch aus wissen.
"Solche Fälle nehmen immer mehr zu", weiß Pia Schlee, die Leiterin der Fachstelle in Trägerschaft der Wohlfahrtsverbände AWO, Bayerisches Rotes Kreuz, Diakonie und Caritas.

Schlee berichtet von steigenden Klientenzahlen und Beratungskontakten. Von menschlichen Tragödien, die sich im Verborgenen abspielen. Und von den Chancen zum Durchschnaufen, die sie gemeinsam mit ihrer Kollegin Christa Alt den Pflegenden eröffnen kann.

So zum Beispiel für Dietmar Weber, der in Wirklichkeit anders heißt. Der Mann, der anonym bleiben möchte, betreute lange Zeit seine an Demenz erkrankte Ehefrau Annemarie (70) allein - bis es nicht mehr ging.
Die Rundum-Versorgung, der Haushalt, die stete Sorge um die Zukunft zehrten an dem 77-Jährigen. "Meine Frau in ein Heim zu geben, kommt für mich nicht in Frage", betont Dietmar Weber jedoch.

Durch Zufall erfahren

Wer aber verschafft Erleichterung? Durch einen Zufall erfuhr der Senior von der Fachstelle für pflegende Angehörige. Ein Hoffnungsschimmer tat sich für den Mann auf: "Frau Schlee sagte mir bei meinem ersten Besuch, dass ich auch an mich denken darf und muss", blickt Dietmar Weber zurück.
Mit seiner Zustimmung organisierte Pia Schlee eine Reihe von Maßnahmen: Eine Helferin der Alzheimer-Gesellschaft, mit der die Fachstelle eng zusammenarbeitet, kommt nun stundenweise zu Annemarie Weber, geht mit ihr spazieren, schaut Fotoalben an, ist einfach für sie da. Und damit auch für Dietmar Weber, der die geschenkte freie Zeit für sich nutzen kann.

Ferner empfahl Pia Schlee die Nachmittagsbetreuung für Menschen mit Demenz, die beispielsweise die Kirchengemeinde Erlöserkirche in Kooperation mit der Diakoniestation Bamberg anbietet.

Wieder etwas Zeit für Freunde

"Jetzt kann ich mich auch mal mit Freunden treffen", freut sich Dietmar Weber. Und darüber, dass Pia Schlee ihn auch in seinem häuslichen Umfeld aufgesucht und ihn zu einigen Verbesserungen in der Wohnung angeregt hat. Etwa die Entfernung von Stolperfallen oder das Aufbringen eines wischfesten Bodenbelags.
"Wir beraten neutral und kostenlos", macht die Fachstellen-Leiterin klar. Dabei könnten sie aus einem reichen Fundus an Netzwerken jeglicher Art schöpfen, um Pflegenden und damit auch ihren Schützlingen das Leben zu erleichtern.

Die Fachstelle informiert über Hilfsdienste wie Sozialstationen oder "Essen auf Rädern" sowie über die verschiedenen Altenpflegeeinrichtungen in der Stadt.
Pia Schlee und ihre Mitarbeiterin klären über Rechte, Ansprüche oder Finanzierung auf, unterstützen bei Einstufungen, bereiten auf den Besuch des Medizinischen Dienstes der Krankenkassen (MDK) vor und geben Formulierungshilfen bei Widersprüchen.

Guter Nachfrage erfreuen sich die ehrenamtlichen Helfer der Alzheimer-Gesellschaft, die bei der Fachstelle angesiedelt sind. Nach einer Grundausbildung leisten sie Besuchsdienste und übernehmen die Betreuung von alten und kranken Menschen in deren Wohnung.

Keine pflegerischen Aktivitäten

"Dabei erledigen unsere freiwilligen Mitarbeiter aber keine pflegerische oder hauswirtschaftlichen Tätigkeiten", betont Pia Schlee. Bei Bedarf vermittle sie gern anderweitige Unterstützung. So kümmert sich nun auch eine Putzfee um das Haus des Ehepaares Weber.

Eine psychosoziale Betreuung von Klienten kann sich über einen längeren Zeitraum erstrecken. Dietmar Weber etwa steht seit zwei Jahren mit Pia Schlee in Kontakt: "Ein Lichtblick in einer traurigen, ausweglosen Situation", wie er sagt.

Als nächsten Schritt hin zu einer Entlastung denkt er über eine Tagespflege für seine Frau in einer entsprechenden Einrichtung nach. Auch hier berät ihn Pia Schlee, ausgebildete Krankenschwester mit Zusatzqualifikationen, sachkundig und einfühlsam.