Sie ist in Franken verwurzelt und weltweit vernetzt: Patricia Alberth, die ab Montag das Zentrum Welterbe Bamberg leiten wird. Damit die Werte erhalten bleiben, für die Bamberg vor 20 Jahren diese begehrte Auszeichnung erhalten hat, will sie dazu beitragen, dass alle, jung und alt, an einem Strang ziehen.

Das kündigt die fast 36-Jährige im nachfolgenden Interview an, das sie unserer Redaktion kurz vor Beginn ihrer Tätigkeit gab. Mit ihrem Basketball begeisterten Ehemann ist sie gerade auf der Suche nach einer Wohnung und einem Kindergartenplatz für die dreijährige Tochter in Bamberg.

Sie haben bei der Unesco in Paris an der Umsetzung der Welterbekonvention in Westeuropa und Nordamerika mitgewirkt. Hatten Sie da schon mit Bamberg zu tun?
Patricia Alberth: Das deutsche Welterbe einschließlich Bamberg zählte auch schon bei der Unesco zu meinem Aufgabengebiet. Dort hatte ich unter anderem bereits mit dem Thema "Quartier an der Stadtmauer" zu tun. Besonders intensiv beschäftigt sich das Welterbezentrum der Unesco mit Stätten, deren außergewöhnlicher universeller Wert bedroht ist. Erfreulicherweise war der Erhaltungszustand der Altstadt von Bamberg seit der Einschreibung auf der Welterbeliste 1993 nie auf der Tagesordnung des Unesco-Welterbekomitees. Das soll auch so bleiben.

Was reizt Sie an der Aufgabe, das Weltkulturerbe an der Regnitz weiter zu entwickeln?
In den vergangenen Jahren konnte ich weltweit Erfahrung rund um das Thema Welterbe sammeln, konnte lernen, wo die Stolpersteine liegen und wie man sie aus dem Weg räumt.
Nun freue ich mich darauf, mich auf eine Welterbestätte zu konzentrieren und das gesammelte Wissen in die Weiterentwicklung des Bamberger Welterbes einbringen zu können. Noch dazu, wo Bamberg in meiner Heimatregion Franken liegt.

Wie gut kennen Sie schon Ihre neue Wirkungsstätte und deren wunden Punkte wie die Untere Mühlen oder das innerstädtische Sparkassen-Areal?
Die größte Herausforderung für Welterbestädte besteht darin, die Balance zwischen Erhalt und Entwicklung des städtischen Gefüges zu wahren. So auch in Bamberg. Mit den viel diskutierten Projekten einschließlich des geplanten Bahnausbaus bin ich aus der Ferne vertraut und werde mich nun mit den Details vor Ort beschäftigen.

Wo sehen Sie besonderen Handlungsbedarf?
Die Altstadt von Bamberg ist ein sehr dynamisches Welterbe, über das man keine Käseglocke stülpen kann. Deswegen ist es wichtig, die strategische Bedeutung des Welterbes für eine zukunftsorientierte Stadtentwicklung zu stärken. Es geht darum, die Relevanz des kulturellen Erbes zu kommunizieren und die Menschen aktiv an seinem Erhalt zu beteiligen.

Wie könnte so eine Beteiligung der Menschen aussehen?
Je nach dem könnten das zum Beispiel Kooperationen mit Schulen sein oder mit der Wirtschaftsförderung.

Sie haben schon in Paris, Berlin, Bangkok, Hamburg gearbeitet und gelebt. Worauf freuen Sie sich im beschaulichen Bamberg?
... und in Macau, Abidjan und Bonn. Die Liste ist in der Tat recht lang. Ich fühle mich an vielen Orten zu Hause. Worauf ich mich besonders freue sind die hohe Lebensqualität, das reichhaltige kulturelle Angebot und die netten Menschen.

Die Fragen stellte Jutta Behr-Groh.