Weiße Turnschuhe, weißes Hemd, Jeans, Sakko, keine Krawatte - so locker gibt sich Christian Lange (CSU) im Gespräch mit FT-Redaktionsleiter Michael Memmel im Verlagshaus in der Gutenbergstraße.

Der 47-Jährige spricht darüber, wie er seine "Politik der Mitte" gemeinsam mit den Bürgern gestalten will, lobt seine Mitstreiter als "tolle Truppe", gibt aber auch Schwächen zu: Auf eine Frage von FT-Leser Klaus Rakette aus dem Publikum räumt der amtierende Zweite Bürgermeister und CSU-Kreisvorsitzende ein, dass er sehr ungeduldig sei. "Ich will die Dinge sofort machen."

Der verheiratete Familienvater beschreibt sich als begeisterten Sportler, der mit seinem vierjährigen Sohn Fußball spielt und jeden Treffer mit "ein Tor für unseren Club!" bejubelt. Lange ist bekennender Anhänger des 1. FC Nürnberg - das setzt Leidensfähigkeit voraus.

Der Bewerber um den Spitzenposten sagt über... ...seine frühzeitige Kandidatur: "Ich trete an, um den Wechsel in Bamberg herbeizuführen. Wer den Amtsinhaber schlagen will, muss als Erster loslaufen, schneller laufen, weiter laufen und die nötige Kondition mitbringen." Lange hatte seine Absichten bereits im Februar bekanntgegeben. Es sei nicht darum gegangen, andere CSU-Bewerber auszubremsen. Denn eine Partei habe nur eine Chance, wenn alle Mitglieder hinter einem Kandidaten stünden. "Wenn es mehrere Bewerber gegeben hätte, hätten wir den Auswahlprozess organisiert." Er sei mit 93,6 Prozent gewählt worden, das sei nicht so schlecht. ...die Zusammenarbeit mit Melanie Huml: Die Gesundheitsministerin hat sich dagegen entschieden, für die Stadtratswahl anzutreten. Dafür habe Lange Verständnis: Denn sie habe das "völlig plausibel" erklärt, unter anderem mit ihrer familiären Situation. Außerdem habe sie Verpflichtungen als Kabinettsmitglied in München. "Solch eine Entscheidung verdient Respekt." Huml unterstütze aber den Wahlkampf der CSU in Bamberg. "Sie werden noch die eine oder andere Überraschung von uns beiden erleben", kündigt er geheimnisvoll an.

...den Vorteil, den ein CSU-Oberbürgermeister hat: Dass es ein CSU-Oberbürgermeister im CSU-geführten Freistaat einfacher hat, daran glaubt Lange grundsätzlich. "Weil ich festgestellt habe, Politik funktioniert durch persönliche Beziehungen. Wenn man weiß, wie der andere tickt, dann fällt es leichter, einem zu vertrauen und zusammenarbeiten." Die nächsten sechs Jahre seien die wichtigsten für die Entwicklung der Stadt. Da würde sich ein CSU-Oberbürgermeister leichter tun. Vetternwirtschaft sei das aber keine: Die Entscheidungen würden transparent und demokratisch getroffen. ...das Verhältnis zu Amtsinhaber Andreas Starke (SPD): "Sie werden mir kein negatives Wort über ihn entlocken können", verdeutlicht Lange. Auch im Wahlkampf gehe man sehr professionell miteinander um. "Ich habe aber in vielen Punkten eine andere Sichtweise, das darf an manchen Stellen nicht zu kurz kommen." ...ein zeitlich begrenztes Oberbürgermeisteramt: Ein politisches Amt ist für Lange ein "Mandat auf Zeit". Sollte er OB werden, will er zwar 2026 erneut antreten, aber auf Dauer nicht am Amt kleben. "Das wird es mit mir nicht geben." Der promovierte Kirchenhistoriker könnte sich vorstellen, zum Ende seines Berufslebens wieder an der Universität zu lehren.

...das Wirtschaftsprogramm der CSU für Bamberg: "Wir können den Unternehmen nicht vorschreiben, was sie zu tun haben", sagt Lange. Er wolle aber aktiv auf die Wirtschaft, etwa auf Automobilzulieferer wie Bosch, zugehen und signalisieren, dass die Politik auf deren Seite stehe. Lange: "Wir werden den Diesel als Brückentechnologie brauchen." Auch um Arbeitsplätze zu sichern. Er spricht sich ebenso klar für die Brose-Erweiterung an der Breitenau aus. Lange sieht durchaus eine Möglichkeit, die Sandmagerrasenflächen am Landeplatz mit den Expansionsplänen in Übereinstimmung zu bringen. Der CSU-Kandidat will außerdem eine Werbekampagne fürs Handwerk und den Mittelstand anstoßen. Und das Potenzial von jungen EU-Ausländern heben. ...den Ausbau der Verkehrsinfrastruktur: Beim Bahnausbau will Lange sicherstellen, dass der Bamberger Osten nicht abgehängt wird, eine Sperrung der Unterführungen der Memmelsdorfer Straße oder Moosstraße und Geisfelder Straße sei falsch. "Wir dürfen künftigen Generationen nichts wegnehmen." Er sieht die Bevorzugung eines Fortbewegungsmittels kritisch: "Es hilft nicht, wenn wir ausschließlich aufs Fahrrad setzen." Eine Verbesserung der Radinfrastruktur sei zwar auch wichtig, gerade an den großen Schulstandorten oder zwischen den Universitätsstandorten. Doch sei es auch wichtig, dass der ÖPNV ausgebaut wird und die Fußwege in gutem Zustand sind. Die Innenstadt müsse auch weiterhin mit dem Auto erreichbar bleiben. Lange denkt dabei an den Einzelhandel.

Termine In öffentlichen Interviews im Verlagsgebäude (Gutenbergstraße) fühlt die Redaktion den OB-Kandidaten auf den Zahn. Nach dem Auftakt mit Christian Lange folgen jeweils um 19 Uhr Andreas Starke (14. Oktober), Jonas Glüsenkamp (25. Oktober) und Daniela Reinfelder (28. Oktober) sowie weitere Kandidaten. Anmeldung Online auf infranken.de/abovorteil oder unter 0951-188108. Fragen an die Kandidaten können dort oder per Mail an redaktion.bamberg@infranken.de gestellt werden.