Der Löwe ist mehr als ein Löwe. Das vergoldete Trinkgefäß mit dem Schönborn-Wappen steht beispielhaft für den Glanz, aber auch die Irrungen der fränkischen Geschichte - bis in die Sitzung des Stadtrats am Mittwoch hinein.

Dort haben die Räte einstimmig den Plan begrüßt, das Kunstwerk ein zweites Mal und gewissermaßen rechtmäßig zu erwerben - obwohl es sich seit sieben Jahrzehnten in den städtischen Sammlungen befindet.

Der geneigte Leser ahnt es schon: Die prächtige Silberschmiedearbeit, die 1703 im Auftrag des Bamberger Fürstbischofss Lothar Franz von Schönborn geschaffen und als Preis für ein Wettschießen in Nürnberg ausgesetzt worden war, gelangte auf zweifelhaftem Weg in das Eigentum der Stadt. Es war auf einer Auktion in Berlin 1937 für 4000 Mark allenfalls formal rechtmäßig erworben worden. Moralisch ist sein Besitz bis heute fragwürdig. Denn der Löwe befand sich vormals im Eigentum der jüdischen Sammlerin Emma Budge aus Hamburg. Auf Druck der NS-Machthaber wurde er nach ihrem Tod von deren Familie abgegeben.

Raubkunst in Bamberg. Das ist eine Hinterlassenschaft mit kniffligen Konsequenzen, wie die Stadt vor kurzem erfahren musste. Denn Budges Erben forderten die Rückgabe des Pokals, ersatzweise eine Restitution in Höhe von 350 000 Euro - viel Geld angesichts der bekannten kommunalen Finanznöte.

Ungerechtfertigt scheint der Preis nicht: Im Auftrag der Stadt hat der renommierte Kunstexperte Lorenz Seelig einen Schätzwert von 300 000 bis 350000 Euro für den Wappenlöwen ermittelt. Es könne sogar sein, dass der Trinkbecher in Tiergestalt bei einer Auktion den doppelten Preise erzielt.

Gibt es eine ethische Verpflichtung, den im Nazi-Deutschland weit unter Marktwert getätigten Kauf durch eine Ablöse wieder gut zu machen? Können wir uns das überhaupt leisten? Das waren Fragen, die sich die Stadträte stellten, als sie sich das erste Mal mit dem geschichtsträchtigen Löwen befassten. Nicht alle Zweifel konnten zerstreut werden. Schnell wurde klar, dass städtische Haushaltmittel für eine solche Transaktion tabu sind. Der Leu würde nur mit externen Fördermitteln in Bamberg bleiben können.

Schneller als gedacht waren diese Bedingungen erfüllt. OB Andreas Starke (SPD) gelang es, Oberfrankenstiftung und die Kulturstiftung der Länder für den Ankauf zu motivieren. Zusammen mit der Stiftung Weltkulturerbe tragen sie 300 000 Euro zum Kauf bei. Die restlichen 50 000 teilen sich andere Zuschussgeber. "Es war eine tolle Gemeinschaftsleistung, dass wir es geschafft haben, dieses Geld zusammen zu bekommen, ohne Haushaltsmittel anzugreifen", freut sich Bürgermeister Christian Lange (CSU). Er legt Wert darauf, dass das Geld aus der Welterbestiftung weder die Ausschüttung für Kulturförderung verringert, noch bei Sanierungen fehlt.

Museumsdirektorin Regina Hanemann war eine von denen, die für den Löwen gewissermaßen mit Löweneinsatz gekämpft haben: "Dieses Kunstwerk kann zum Glanzstück unserer Daueraustellung ,Jüdisches in Bamberg´ werden. Weil wir nur noch wenige Arbeiten aus Gold und Silber haben, aber vor allem, weil es eine bemerkenswerte Geschichte verkörpert und nun zum Beispiel einer gelungenen Wiedergutmachung wird. "

Die grüne Stadträtin Ursula Sowa hatte anfangs Zweifel, ob der Pokal tatsächlich den Gegenwert für ein Haus rechtfertigt. Am Ende hat sie sich überzeugen lassen. Durch die Zusagen angesehener Geldgeber, aber auch, weil es "der Löwe" auch ihr angetan hat - mit seinen fränkischen Bezügen, dem Schönborn-Wappen und der originellen Machart. "Es wäre schade, wenn das Stück irgendwo auf dem Globus landen würde und nicht in Bamberg bliebe."