Für Marianus Schramm kann die Fußball WM beginnen: Fernbedienung und Deutschland-Fahne sind griffbereit.
Als erklärter Fußball-Fan freut sich der ausgewiesene FCN-Fan selbstredend auf das sportliche Highlight dieses Jahres.

Vertiefendene Lektüre über die einzelnen Teams will er sich mit den Sonderheften zu Mannschaftsaufstellungen und Spielern bis zum Beginn noch beschafft haben, sagt der 42-Jährige. Man merkt, er ist in der Aufwärmphase.

Ganz Profi, hat er das Endspiel natürlich entsprechend im Visier. Er disponiert bereits entsprechend: Der beliebte Lichtblick-Gottesdienst, der letzte vor der Sommerpause, wird dann um eine Stunde vorverlegt. "Damit die Leute das Spiel ansehen können."

Dabei wird er selbst natürlich auch einer der Leute vor Fernsehgerät oder Großleinwand sein. Möglichst bei allen Begegnungen. Die sind ja meistens am Abend, hat der Geistliche recherchiert.

Ein Spiel der Deutschen steigt am Abend des Gundelsheimer Johannisfeuers. "Anstoß" am Feuer ist dann so, dass man "allen Göttern" gerecht wird: dem des Sportes wie natürlich dem im Himmel.

1982 war übrigens die erste Fußball Weltmeisterschaft - in Spanien - die Marianus Schramm bewusst erlebt hat. "Mit dem Endspiel zwischen Deutschland und Italien, das die Italiener gewannen", nimmt der Fan umgehend den Ball auf.

Vielleicht hilft ihm dieses Wissen bei den Gottesdiensten während der WM. Denn wenn sich seine Schäfchen schon für Fußall interessieren, schadet es sicher nichts, wenn auch ihr Hirte hier Bescheid weiß.

Überhaupt hat der Fußball-Fan schon in einigen Gottesdiensten den Bezug zur Welt des runden Leders herstellen können und immer wieder einmal ein Trikot übergestreift. "Zeitweise!" Es den ganzen Gottesdienst über zu tragen, das gehe natürlich nicht.

Auch inhaltlich liefert Fußball für Predigten einige Steilvorlagen, findet der Seelsorger. Er macht da etliche Parallelen zwischen Pfarrgemeinde und Fußballmannschaft aus mit Pfarrgmeinderat als Torhüter oder dem Pfarrer als einer Art Coach. Auf jeden Fall gehe es ja um den Team-Gedanken, das Zusammenspiel.

Welche Teams sind für ihn die Favoriten, WM-technisch gefragt? "Ich glaube die südamerikanischen Mannschaften werden als Favoriten gehandelt." Auch den Spaniern räumt der Gundelsheimer gute Chancen ein. Und die Deutschen?

"Für Deutschland wird es schon schwer," meint Nr 11. Angesichts dessen, dass momentan noch nicht alle fit sind. Der Fußball-Experte (Mitglied in vier FCN-Fanclubs) weiß aber auch: "Wir sind eine echte Turniermannschaft," also eine, die sich im Wettbewerb steigern kann. Am besten sei es für Schwarz Rot Gold immer gelaufen "wenn uns keiner was zugetraut hat." So sieht der Pfarrer Jogis Jungs zumindest im Halbfinale.

Ist das Inhalt seiner Gebete? "Beten ist nie verkehrt", gibt der Geistliche sich salomonisch und im Anschluss pragmatisch: "Aber ich glaube, dass sich der liebe Gott bei Fußball raushält." Würde er alle erhören, käme ja nie mehr als unentschieden raus, gibt Schramm zu bedenken. Für einen echten Fußball-Fan auch keine Erfüllung.

Ein Teil davon dürfte zumindest das sein, was Marianus Schramm dem Fußball-Paar mit auf den Eheweg gab, das er dieser Tage getraut und für das er seine Predigt auf Fußball ausgerichtet hat. "Auch die Ehe lässt sich mit einem Fußballspiel vergleichen."

Fragt sich nur, welche Rolle dabei der WM zukommt. Schramm jedenfalls wird bei der Weltmeisterschaft mit Freuden sein Nummer 11 Shirt anziehen und die Rolle des begeisterten mitfiebernden Zuschauers spielen, daheim oder beim Public Viewing, abhängig davon, an welche Position ihn der Spielplan der Mannschaft, pardon Pfarrei, stellen wird.