Ein Mensch ist allein zu Hause, muss den Notarzt rufen und kann dann nicht mehr die Tür öffnen - was passiert ihm?

Ein Leser aus Reckendorf (Kreis Bamberg) fragte die Redaktion: "Wie kommt das Rettungsteam in die Wohnung, wenn ich nicht aufmache? Es ist ja vielleicht dringend."

Türöffnen ist ein Routine-Einsatz

In so einem Fall braucht es außer dem Rettungsdienst auch Polizei und Feuerwehr. Die Feuerwehr hat das nötige Werkzeug, die Polizei stellt die Rechtmäßigkeit dieses "Einbruchs" sicher.

Häufig sind Gefahrensituationen bei verschlossener Tür ein Problem älterer Menschen, aber nicht immer liegt ein hilfloser Senior in der Wohnung. Manchmal geht jemand kurz vor die Tür: Der Wind schlägt sie zu, das Kleinkind krabbelt durch die Küche, auf dem Herd kocht das Essen. Ein Schlaganfallpatient ist ein weiteres Beispiel, das Anne Höfer vom Polizeipräsidium Oberfranken in Bayreuth anführt. "Kann er sich am Telefon nicht mehr verständlich artikulieren, ermitteln wir den Standort."

Spätestens nach zehn Minuten sind alle vor Ort

Koordiniert wird das Ganze von den Integrierten Leitstellen. "Spätestens nach zehn Minuten sind alle vor Ort", erklärt Andreas Reistel. Er sitzt als Disponent der Integrierten Leitstelle in Ebersdorf bei Coburg am Telefon: Wer im Raum Kronach, Coburg und Lichtenfels die 112 wählt, landet bei ihm. "Notfalltüröffnungen" sind häufig. Im Schnitt ein bis zwei Mal täglich - nur im Bereich der Leitstelle Coburg.

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Ähnlich ist es bei der Integrierten Leitstelle Bamberg-Forchheim. "An manchen Tagen haben wir gleich mehrere Türöffnungen, an anderen gar keine", sagt Leitstellen-Chef Matthias Böhmer. "Ein bis zwei mal täglich kommt auch bei uns im Schnitt etwa hin." Der Grund: "Viele Menschen leben heute allein, die Nachbarschaftsverhältnisse sind nicht mehr so, dass da immer einer einen Schlüssel hat."

Schadensbegrenzung

Das klären Polizei oder Feuerwehr in der Regel zuerst, auch schaut die Einsatzleitung, ob die Helfer über eine Balkontür oder ein gekipptes Fenster in die Wohnung gelangen können und wie sie den Schaden möglichst gering halten. In dringenden Fällen wird auch mal eine Tür eingetreten. Meist geht's aber weniger grob zu. "Wir haben spezielle Werkzeuge", erklärt Brandinspektor Konrad Bauer. Er schiebt gerade Dienst in der Ständigen Wache der Bamberger Feuerwehr. "Notfalltüröffnungen haben wir im Stadtgebiet drei, vier Mal pro Woche." Oft ist die Tür nur zugezogen. Kein Problem: Bauers Kollege Sebastian Kraus führt vor, wie eine Tür mit einem Sperrhaken geöffnet wird. Es dauert zehn, vielleicht 15 Sekunden.

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Ihre neueste Technik zeigt die Feuerwehr nicht, aber Kraus demonstriert noch zwei Klassiker, die bei verschlossenen Türen helfen: das "Knackrohr", mit dem der Schließzylinder abgebrochen wird und den "Ziehfix", mit dem der Zylinder herausgezogen wird, ohne die Tür zu beschädigen. "Wir haben immer einen neuen Zylinder dabei, den bauen wir dann ein, damit die Tür abgeschlossen werden kann."

Die Kosten

Muss der Betroffene ins Krankenhaus, bekommt die Polizei den Schlüssel. Später kann der Wohnungsbesitzer einen neuen Zylinder einbauen oder den der Feuerwehr behalten. Dann muss er die Materialkosten erstatten. Außerdem muss er für etwaige Schäden an der Tür aufkommen. Der Einsatz kostet ihn nichts. "Dafür sind wir ja da", sagt Bauer. Aber Vorsicht: Die Retter prüfen, ob ein Notfall bestand. Wer sich aussperrt und so den Schlüsseldienst sparen will, zahlt den Einsatz.