Es sollte sein dritter Banküberfall innerhalb eines Monats werden, als ein mit einer Nikolausmaske getarnter Räuber am 7. Januar 2002 die damalige Filiale der Raiffeisenbank in Trunstadt betrat. Doch scheiterte der Täter. Die Bankangestellte, die die Filiale gerade öffnen wollte, verwickelte den Mann im Vorraum in ein Gespräch. Als sie seine Pistole bemerkte, rannte sie sofort auf die Straße. Der Maskierte türmte - ohne Beute - und verlor dabei noch seine Nikolausmaske. Dann verlief sich seine Spur, er tauchte unter. Nun, 17 Jahre später, hat die Polizei einen Mann festgenommen. Es soll sich dabei um den damaligen Räuber handeln.

"Die Angestellte hat sehr clever reagiert", sagt Martin Prechtl, Pressesprecher der Polizei Oberfranken. "Es ist immer gut, wenn man sich bei einer Bedrohung aus der Gefahrensituation entfernt." Ebenfalls clever handelte die Kriminalpolizei Schweinfurt, die beim zweiten Banküberfall des Nikolaus-Räubers in Oberschwappach einen Fingerabdruck sicherte. Dadurch konnte nun der dringend Verdächtige festgenommen werden, der auch schon ein Geständnis abgelegt haben soll. Das bayerische Landeskriminalamt hatte den Abdruck Mitte 2018 bei einer Altfallrechereche dem nun 51-Jährigen zuordnen können. Dem aus Oberfranken stammende Mann drohte bereits wegen anderen Eigentumsdelikten eine Freiheitsstrafe.

Schließlich konnte die Kripo Schweinfurt in Zusammenarbeit mit den Polizeistellen Unter- und Oberfranken sowie der Staatsanwaltschaft Bamberg den Gesuchten in Berlin lokalisieren. Dem Mann konnten ferner Spuren zugeordnet werden, die bei der ersten Tat in Bad Staffelstein und bei der in Trunstadt gesichert worden waren. Damit erhärtete sich der Verdacht, dass er für die drei Fälle verantwortlich ist.

51-Jähriger in Haft

Aufgrund dieser Erkenntnisse erwirkte die Staatsanwaltschaft Bamberg einen Haftbefehl gegen den dringend Tatverdächtigen. Der Vollzug erfolgte am 16. Oktober in Berlin durch die dortigen Behörden. Der 51-Jährige hat laut Polizei inzwischen alle drei Taten eingeräumt.

Er befindet sich nun wegen des dringenden Verdachts der zweifachen versuchten und einer vollendeten räuberischen Erpressung in Untersuchungshaft, teilte die Staatsanwaltschaft Bamberg mit.

Die erste Tat hatte sich am Abend des 28. September 2001 im Raum Bad Staffelstein ereignet. Der Täter betrat die Bank-Zweigstelle Uetzing gegen 17.30 Uhr, bedrohte die Angestellten mit einer Schusswaffe und ließ sich mehr als 16 000 DM aus einem Tresor aushändigen. Dem Räuber gelang es, samt Beute unerkannt zu entkommen.

Am 10. Dezember 2001 schlug vermutlich derselbe Täter erneut zu - diesmal in Oberschwappach (Landkreis Haßberge). Diesmal scheiterte er jedoch. Der mit einer Nikolausmaske verkleidete Bankräuber forderte unter Vorhalt einer Schusswaffe die Herausgabe von Bargeld. Die Bankangestellte ging nicht auf die Forderung ein. Er flüchtete zu Fuß, ohne Beute.

Der Oberschwappacher Heinz Braunreuther, könne sich noch ganz schwach an den Fall erinnern. Für ihn als Polizisten gab es damals viele andere wichtige Fälle. Auch andere Alteingesessene wissen nur noch wenig. Eines wissen sie aber alle: Es war Tagesgespräch im Dorf. Und dass es die Bankfiliale heute nicht mehr gibt. Ebenso wie in Trunstadt, wo der letzte Überfall des Nikolaus-Räubers stattfand.

Überfalle im Landkreis Bamberg

Überfälle auf kleine, abgelegene Bankfilialen, Spielo- oder Videotheken oder auch Getränkemärkte waren damals deutlich häufiger, als es heute der Fall ist. Abgesehen davon ist die Sicherheitsüberwachung heute unvergleichlich strenger, wie auch der Pressesprecher der Polizei Oberfranken, Jürgen Stadter, bestätigt. Laut ihm gab es in Oberfranken seit dem Jahr 2010 insgesamt 13 Raubüberfalle, deutlich weniger, als in den Jahren zuvor. Seit 2015 waren es sogar nur zwei - allerdings beide im Landkreis Bamberg: Am 8. Dezember 2016 wurde die VR-Bank in Leesten, überfallen, am 21. Dezember 2017 die Sparkasse in Viereth. Beide Täter wurden wenig später gefasst.

Die Sparkasse in Viereth wurde im Mai 1992 schon einmal überfallen. Damals stand die heutige Bürgermeisterin der Gemeinde Viereth-Trunstadt, Regina Wohlpart, hinter dem Schalter. Der Räuber bedrohte damals einen Kunden mit einer Pistole und einer Handgranate, weshalb Wohlpart dem Täter gab, was er verlangte. "Ich wollte ihn so schnell wie möglich aus dem Raum haben", erzählt sie. Bis heute könne sie sich an den genauen Ablauf erinnern. "Es kommt immer wieder hoch. Sowas vergisst man nie!"