Fußballspiele zur Champions-League oder zur Weltmeisterschaft mit deutscher Beteiligung haben es in sich. Hier steigt nach der ersten Halbzeit zur "Pinkelpause" der Wasserverbrauch um bis zu 30 Prozent.

In München beispielsweise wurden im Viertelfinalspiel der Weltmeisterschaft rund 1,5 Millionen Liter Wasser mehr verbraucht als normalerweise in diesem Zeitraum. Zwar gibt es keine genauen Zahlen für Bamberg, aber auch hier ist bei solchen Sportereignissen ein rapider Verbrauchsanstieg zu verzeichnen.

Doch dem sieht Christoph Jeromin, Leiter Wasserversorgung/Bäder bei den Stadtwerken, gelassen entgegen: "Wir sind für derartige Wasserverbrauchspitzen bestens gerüstet." Selbst wenn in Bamberg der Strom ausfiele und die Pumpen im Wasserwerk nicht arbeiten könnten, würde es zumindest für 24 Stunden in der Stadt keine Wasserversorgungsprobleme geben. Denn Bamberg beziehe sein Trinkwasser aus verschiedenen Quellen.

 


Zum einen gibt es in Bug und der Gereuth jeweils ein Wasserwerk; der Osten der Stadt wird über ein Fernwassernetz versorgt und im Berggebiet halten die Stadtwerke noch mehrere Wasserhochbehälter vor. Hinzu kommt noch das neue Wasserwerk in der Südflur, das am kommenden Samstag in Betrieb genommen wird. Dieses kann alleine an einem Tag aus einem der 74 Brunnen, die zwischen dem anliegenden Stadtwald und den Hirschaider Büschen verteilt sind, bis zu 21 000 Kubikmeter Wasser entnehmen, es aufbereiten und ins Rohrnetz der Stadt einleiten.

Sanierung des alten Werkes hätte Unsummen verschlungen
"Die Errichtung eines neuen Wasserwerkes in der Südflur ist notwendig geworden, weil das alte mit seinen 101 Jahren nicht mehr auf dem Stand der Technik war", erläutert der Leiter der Wasserversorgung.

 

Eine Sanierung der stark baufälligen Anlage hätte Unsummen verschlungen und hätte wirtschaftlich keinen Sinn gemacht. Daher beschlossen die Stadtwerke in unmittelbarer Nähe des alten Wasserwerkes ein neues zu errichten. Zwar flossen, wie Jeromin betont, rund acht Millionen in das neue Gebäude, gleichzeitig jedoch habe man damit die Wasserversorgung in Bamberg zumindest für die nächsten 50 bis 60 Jahre zukunftsfähig gemacht.

Die wichtigste Veränderung dürfte jedoch sein, dass im neuen Wasserwerk, welches von außen stark einer Blechbüchse ähnelt, das Wasser in einem geschlossenen Kreislauf aufbereitet wird. Damit verringere sich deutlich die Gefahr von einer Infiltration von Keimen oder Bakterien.

"Um ins Herz des Wasserwerkes zu gelangen, muss man zwölf Meter in die Tiefe steigen.

Dort wird das sogenannte Rohwasser aus dem Wasserschutzgebiet entnommen und in zwei riesigen Kammern gespeichert", schilderte der Wasserexperte. Von hier aus werde es dann durch massive Leitungen in deckenhohe weiße Wasserkessel gepumpt; dabei werden Eisen und Mangan aus dem Wasser gefiltert. Ein Aktivkohlefilter stellt zudem sicher, dass keine organischen Bestandteile mehr im Wasser enthalten sind. Natürlich kommt bei der Aufbereitung des Wassers - wobei übrigens keinerlei chemische Zusätze notwendig sind - modernste Technik zum Einsatz.

Pro-Kopf-Verbrauch liegt in Bamberg bei 135 Liter am Tag
Nach der Aufbereitung wird das Trinkwasser ins 322 Kilometer lange Rohrnetz der Stadt eingeleitet. Im Jahr werden insgesamt 5,2 Millionen Kubikmeter Wasser und bis zu 25 000 Kubikmeter an heißen Tagen ins Wassernetz eingespeist.

Rund zwei Drittel davon gewinnen die Stadtwerke in den Bamberger Wasserschutzgebieten. Ein Drittel hingegen ist Fernwasser und stammt aus dem Donau-Lech-Gebiet. Der Pro-Kopf-Verbrauch an Wasser liegt in Bamberg bei 135 Litern am Tag.

Innerhalb von 24 Stunden können im neuen Wasserwerk 220 Liter pro Sekunde gefiltert werden. Allerdings ist die Gesamtwassermenge, die jährlich aus dem Grundwasser des Stadtwaldes und der Hirschaider Büsche entnommen werden darf, auf 3,5 Millionen Kubikmeter reglementiert. "Die Höchstgrenze ist dafür da, um den Grundwasserspiegel nicht zu gefährden", erläutert Jeromin. Denn so sank beispielsweise nach dem extrem heißen Sommer im Jahre 2003 der Grundwasserspiegel im Bamberger Naturschutzgebiet deutlich ab und es dauerte fast drei Jahre, bis er wieder auf Normalniveau war.



Festakt mit Ministerin und Führungen

Inbetriebnahme Offiziell in Betrieb genommen wird das neue Wasserwerk am kommenden Samstag. Im Rahmen eines öffentlichen Festakts werden ab 10 Uhr Staatsministerin Melanie Huml (CSU) und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) das Wasserwerk eröffnen.

Tag der offenen Tür Gegen 11 Uhr beginnt das Rahmenprogramm. Ab 12 Uhr starten die halbstündigen Führungen. Der Tag der offenen Tür dauert bis ca. 16 Uhr. Alle Bamberger sind eingeladen, das Wasserwerk zu besichtigen.