Mit dem Ablauf der Anhörungsfrist zur Fortschreibung des Regionalplanes Oberfranken-West für die Ausweisung von Wind-Vorranggebieten am Freitag wird das Verfahren aller Voraussicht nach keineswegs abgeschlossen sein. Schon jetzt kündigt Regierungsdirektorin Christiane Odewald, bei der Regierung von Oberfranken zuständig für das Verfahren, eine zweite Runde der Beteiligung von Kommunen und Trägern öffentlicher Belange an. "Angesichts der vielen Einwendungen und Anregungen bisher haben wir eigentlich gar keine andere Möglichkeit. Darüber ist zu diskutieren", zieht Odewald eine Zwischenbilanz. Das Verfahren in Oberfranken-Ost laufe ähnlich, auch dort wird es eine zweite Runde geben.

Einen besonderen Schwerpunkt setzt man bei der CSU. "Bei der Umsetzung der Energiewende muss die Wertschöpfung in der Region bleiben", betont Kreisvorsitzender und Bundestagsabgeordneter Thomas Silberhorn. Auch er sieht aber die Städte und Gemeinden eingebunden: "Die Energieversorgung als kommunale Daseinsvorsorge der Zukunft darf nicht allein privaten Investoren überlassen werden", betont er. "Deshalb sollten die Gemeinden selbst die Entwicklung steuern". Ob es im Zuge eines zweiten Anhörungsverfahrens so weit kommen kann, bleibt abzuwarten. Notfalls müsse man die Möglichkeiten der Bauleitplanung nutzen, fordert Silberhorn, und die Planungshoheit der Gemeinden durch den Erlass von Veränderungssperren sichern.

Einem Treffen der CSU in dieser Angelegenheit in Wattendorf war ein Ortstermin auf den besonders strapazierten Jurahöhen voran gegangen. Am geplanten Windpark-Standort erläuterte Bürgermeister Rudolf Krapp, man habe sich für eine Pool-Lösung entschieden. Ein privates Unternehmen werde den Windpark im Auftrag der Gemeinden Stadelhofen und Wattendorf projektieren. Einen Zwang zu Veränderungen für den Windpark Wattendorf durch den negativen Beschluss des Gemeinderates sieht Krapp übrigens nicht. Wattendorf hatte das Vorhaben mit 7:2 Stimmen befürwortet.

Nach Ansicht des Heiligenstadter Bürgermeisters Helmut Krämer muss die Akzeptanz der Windkraftanlagen durch Bürgerbeteiligungen gestärkt werden. Als Beispiel führte Krämer die Gemarkung Brunn an, wo die Gemeinde eine Fläche von 150 Hektar unter Vertrag und eine Betreiber-Gesellschaft gegründet habe.
Auseinander gehen die Meinungen hier wie dort, ob es richtig war, die Vorranggebiete durch die Regionalen Planungsverbände ausweisen zu lassen. Der Stadelhofener Bürgermeister Ludwig Göhl (FW) beispielsweise - seine Gemeinde ist von der "Energiewende" besonders betroffen - hält es ganz unumwunden für einen "Fehler", die Städte und Gemeinden erst nach der Vorstellung des Konzeptes am Verfahren zu beteiligen. Generell sei es falsch, ein solches Verfahren von oben nach unten zu verordnen, meint Göhl. Die Gemeinden seien immer noch diejenigen mit dem besten Kontakt zu den Menschen.

Die Kreistagsfraktion der Grünen sieht bei Reduktionen der Erträge durch die Platzierung von Windrädern in Waldgebieten um bis zu 30 Prozent eine ganze Reihe von Standorten im Landkreis Bamberg als "äußerst fraglich" an. Ein Investor habe sich auf Grund fehlender Wirtschaftlichkeit bereits zurück gezogen. Außerdem sei der Windatlas, bislang Grundlage aller Planungen, vermutlich fehlerhaft, weshalb die bayerische Staatsregierung einen neuen in Auftrag gegeben habe. Im Regionalplan solle ferner festgelegt werden, alle Gebiete außerhalb der Vorrangflächen von der Windkraftnutzung auszuschließen.

Im Gegensatz dazu fordert die Kreisgruppe Bamberg des Bund Naturschutz (BN) den Ausbau der Windkraft-Anlagen im Landkreis und die Ausweisung weiterer Vorrangflächen. Weil die im Regionalplan-Entwurf enthaltenen Flächen nicht ausreichten, fordert der BN die Einbeziehung von Landschaftsschutzgebieten zu prüfen, da hier viele der windhöffigsten Gebiete des Landkreises lägen.

Der Fränkische-Schweiz-Verein sagt laut Pressesprecher Reinhard Löwisch "einmütig ja zur derzeitigen Windradplanung". Die bisher im Regionalplan-Entwurf Oberfranken-West ausgewiesenen Flächen tangierten keine markanten, landschaftsprägenden Höhenzüge der Region (Main- und Regnitztal gehören laut Löwisch nicht mehr zum Kernbereich Fränkische Schweiz). Als einzige der 45 Ortsgruppen des FSV meldete die Ortsgruppe Muggendorf - Heimat des Hauptvorsitzenden Paul Pöhlmann - Bedenken an. Ansonsten begrüßt der Verein die Regionalplanung mit der Begründung, dass damit der "Wildwuchs an Windanlagen" vermieden werde. Wegen der vereinbarten Laufzeit von 20 Jahren stehe nicht zu befürchten, so Löwisch abschließend, dass die Windanlagen irgendwann als "Industriemüll" die Landschaft verunstalteten.