Der Bayerische Blinden- und Sehbehindertenbund (BBSB) hat sein Beratungsangebot in Bamberg erweitert. Mit der neuen Beratungsstelle "Blickpunkt Auge" will der Verein auf den demografischen Wandel und die Zunahme an altersbedingten Erkrankungen des Auges reagieren. Was die Ehrenamtlichen dort leisten, was weder Optiker noch Augenarzt können, erklärt Bezirksgruppenleiter und Berater Manfred Voit im Interview.


Frage: Herr Voit, an wen richtet sich das neue Beratungsangebot konkret?
Manfred Voit: Vorwiegend soll sich das Angebot an die Menschen richten, die zwar noch sehen können, die allerdings von einer Sehbehinderung bedroht sind. Also jene, die wissen, dass sie irgendwann ihr Sehvermögen verlieren werden und es nicht aufhalten können.
Klassisch sind bei ihnen altersbedingte Erkrankungen diagnostiziert worden. Dazu zählen der Grüne Star oder die sogenannte Makula-Degeneration. Viele sind bei einer so gravierenden Diagnose mit der Situation überfordert und bekommen Panik. Wir zeigen ihnen, wie Menschen, die tatsächlich blind sind, im Alltag gut zurechtkommen können.

Was bietet die Beratung, was einOptiker oder Augenarzt nicht leisten kann?
Es ist doch so: Der Augenarzt stellt seine Diagnose, schlägt eine Behandlung vor und der Optiker verschafft einem die entsprechende Sehhilfe. Wenn allerdings die Situation kommt, in der es medizinisch keine Behandlungsmöglichkeit gibt und auch mit optischem Hilfsmittel keine Verbesserung mehr zu erreichen ist, steht man alleine da. Dann kommen wir und helfen, wo es geht. Wir erklären, mit welchen Hilfsmitteln man den Alltag trotzdem bewältigen kann. Da gehen wir ganzheitlich vor. Ob akustische Hilfsmittel wie die Sprachausgabe am PC oder taktile Hilfestellungen im Haushalt, kleine Punkte und Knöpfe, die Orientierung verschaffen. Das alles geht natürlich weit über die Leistungen eines Optikers hinaus.

Das Beratungsangebot ist kostenlos - wie wird es finanziert?
Wir sind ein gemeinnütziger Verein. Unsere Berater arbeiten zum großen Teil ehrenamtlich, deshalb können wir die Beratung kostenlos anbieten. Finanzielle Unterstützung gibt es vom Freistaat Bayern und dem Bezirk Oberfranken. Mit diesen Geldern können wir hauptamtliche Kräfte - Optiker oder Pädagogen - finanzieren, die unsere Ehrenamtler schulen können.

Die ehrenamtlichen Berater sind oft selbst betroffen, also sehbehindert - wie werden sie auf die Beratung vorbereitet?
Wir als Betroffene wissen, wie man trotz Sehbehinderung den Alltag meistert - müssen das aber auch rüberbringen können. Wir werden deshalb über mehrere Wochen in einem speziellen Schulungszentrum des Vereins in Oberbayern vorbereitet. Unter der Leitung von Sozialpädagogen gibt es ein abschließendes Prüfungsgespräch, bevor wir aktiv in der Beratung werden.

Wo sehen Sie die Vorteile darin, dass die Berater selbst sehbehindert sind?

Der Vorteil ist der - da spreche ich aus eigener Erfahrung - dass die Akzeptanz wesentlich höher ist. Wenn ich in einer solchen Situation zu einem "sehenden" Berater gehe, denke ich mir doch: Der hat leicht reden, der ist ja nicht betroffen. Wenn derjenige allerdings selbst sehbehindert ist und nicht nur in der Theorie erklären, sondern auch ganz praktisch zeigen kann, wie es funktioniert - da ist oft ein Schlüsselmoment für Klienten. Sie denken sich: Wenn der das schafft, schaff ich das auch.

Das Gespräch führte
Anna-Lena Deuerling