So ein Unglück geht nicht spurlos an einem vorüber. Eigentlich möchte Firmenchef Wilhelm Müller gar nicht darüber sprechen. Doch dann äußert er sich doch. Die Kernbotschaft formuliert er so: "Es geht weiter."

Anfang September vernichtete ein verheerendes Feuer die Traditions-Schreinerei Müller in Reckendorf. Die Firma ist bereits seit dem 19. Jahrhundert im Ort ansässig. Die Schadenshöhe nach dem Brand wurde von anfangs einer Million Euro von der Polizei mittlerweile auf den doppelten Betrag korrigiert. Müller zufolge trifft dies jedoch immer noch nicht den tatsächlichen Betrag.

Wie Polizeipressesprecher Manuel Stumpp (Präsidium Bayreuth) erklärt, laufen die Ermittlungen der Kripo hinsichtlich der Brandursache weiter. Weiter gearbeitet wird bei der Schreinerei indes ununterbrochen. Bereits gleich nach dem furchtbaren Feuer. Möglich ist dies, da Müller mit weiteren Schreinereien befreundet ist. So durften seine Leute bei der Firma Rauh in Sassendorf und bei der Firma Theunert in Waizendorf Müller-Aufträge erledigen.

"Die zehn Mitarbeiter stehen hinter uns", teilt Müller mit. Der Erhalt der Arbeitsplätze ist ihm wichtiges Anliegen. Der Brand habe den Zusammenhalt zwischen Familie und Mitarbeitern noch verstärkt. Wohl nur deshalb wird es mit dem Traditions-Handwerksunternehmen in Reckendorf auch weitergehen.

Nach den umfangreichen Aufräumarbeiten steht bereits jetzt eine erste Halle wieder. Für eine weitere läuft der Bauantrag. "Wenn alles fertig ist, können Sie wieder berichten," lässt der Firmenchef die Presse wissen.
Nach dem furchtbaren Vorfall muss Müller seine Kräfte auf das Wesentliche konzentrieren und das ist eben das Unternehmen.

Vermutlich Brandanschlag

In Reckendorf, so weiß eine Bürgerin, die ungenannt bleiben möchte, genießen Familie Müller und die Firma höchsten Respekt. Für die Weise, wie sie mit dieser schrecklichen Situation umgeht und für den Willen und Fleiß mit dem am Erhalt von Unternehmen und Arbeitsplätzen sowie dem Neuaufbau gearbeitet wird. Nach dem dem neuerlichen Brand herrsche allerdings eine gewisse Furcht ist in der Bevölkerung. Gerade bei den Älteren.

Vermutet wird eine Serie von Brandanschlägen. Schließlich war der September-Brand nicht der erste. Gebrannt hatte in Reckendorf am 20. Februar 2013 eine Scheune in der Hinteren Gasse, am 7. September eine Holzlege. Wiederum eine Scheune stand heuer am 14. Januar in Flammen. Außerdem hatte die Kripo bei weiteren zwei, drei ungeklärten Bränden ermittelt. Bürgermeister Manfred Deinlein beobachtet die Vorfälle mit Sorge. Man befürchte, dass es beim Feuer in der Firma Müller tatsächlich um Brandstiftung handeln könnte.

Die Konsequenz: "Man ist vorsichtiger." Das beobachtet Deinlein daheim bei der eigenen Frau. Die mache sich nun Gedanken in der Art, ob Holzstapel einsehbar sind. Aber auch ihn selbst haben die Fälle beeinflusst: Für die Gemeinde wird eigentlich ein Holzlagerplatz gesucht. Eigentlich. Und damit im Moment eher nicht. "Es soll ja nicht Material für eine mögliche Brandstiftung bereit stehen," erklärt der Bürgermeister dazu.

Immerhin sprechen nachAuswertung der Spuren wohl immer mehr Anzeichen für Brandstiftung. "Die Ermittlungen wegen Brandstiftung laufen", so der Polizeipressesperecher . Er verweist auf Zeugenaussagen gegenüber der Presse, wonach etwa Feuerwehrleute von zwei Brandherden gesprochen hatten. Das würde technisches Versagen ebenso ausscheiden lassen e wie Blitzschlag.

Wann alle Spuren, Indizien und Zeugenaussagen ausgewertet sind, kann Polizeipressesprecher Manuel Stumpp nicht sagen. Die Bandermittler der Kripo in Bamberg arbeiten noch. "Das kann Wochen dauern."

Während die Polizei ihre Arbeit macht, gibt es für die Firma Müller ihrerseits viel zu tun. Wie bereits erwähnt steht bereits eine neue Halle, für eine zweite läuft der Bauantrag. Was nach dem Feuer von der Bausubstanz noch stabil ist, schützen Abdeckungen. Auf dem erhaltenen Bestand soll aufgebaut werden. Nach Kräften möchte die Gemeinde das Unternehmen, das zu den größten Arbeitgebern zählt unterstützten. Auch der OKR hat Hilfe signalisiert. "Schließlich ist Herr Müller seinerseits am Ort als sehr hilfsbereit bekannt" und er sei sehr sozial eingestellt. "Der macht den Wiederaufbau nur für seine Mitarbeiter", zeigt Deinlein sich beeindruckt. "Er hat ein hohes Verantwortungsbewusstsein."