Mit den ersten Sonnenstrahlen begann das Fest. Bereits um 7 Uhr haben sich weit über 100 arabische Muslime am Freitag in einem eigens dafür angemieteten Bürogebäude in der Ottostraße getroffen. Die weitere Nutzung des Gebäudes darüber hinaus bleibt hingegen umstritten.

Dort feierten sie Eid al-Fitr, das Zuckerfest und damit das Ende des Ramadan. Der Saal in dem ehemaligen Bürobebäude war mehr als gut gefüllt. "Es war kein Platz mehr, alles war voll hier", sagt Imam Hassan Mamo.

Der Freitag war der erste Morgen nach der einmonatigen Fastenzeit, während der Muslime nur zwischen Sonnenunter- und Sonnenaufgang Essen und Trinken zu sich nehmen dürfen. Damit war es also der erste Tag, an dem laut den Gesetzen des Islam wieder bei Tageslicht gegessen und getrunken werden darf.

Dementsprechend groß war die Freude. Aber auch die Bedeutung des Festes ist groß. Der Ramadan ist die vierte von fünf Säulen des Islam. Deswegen ist das Fest des Fastenbrechens, wie es auch genannt wird, so wichtig. Insgesamt drei Tage dauern die Feierlichkeiten an. Noch wichtiger ist nur das Opferfest, das in 70 Tagen zur Erinnerung an den Propheten Abraham begangen wird.

"Es ist ein Fest für die Familie, Freunde und Nachbarn", erklärt Chaib-Aziz, Vorstandsmitglied vom Arabischen Kulturverein in Bamberg. In den arabischen Ländern trifft man sich morgens zum Gebet und geht danach gleich zum Feiern mit der Familie nach Hause. "Die Jüngeren besuchen die Älteren, meist im Elternhaus", sagt er. So ist das Zuckerfest ein Anlass für die ganze Familie, zusammenzukommen. "Wie Weihnachten", ergänzt Vereinsmitglied Martin Frank.

Nur leben in Bamberg viele Muslime ohne Verwandte in der näheren Umgebung. Ein junger Syrer, der seit einem Jahr in Bamberg lebt, sagt, er sei froh, in der Moschee viele weitere Muslime zu treffen. Mitgefeiert haben auch zahlreiche weitere aus Ägypten, Algerien oder Marokko. Aber Unterschiede zwischen den Gläubigen werden keine gemacht.

"Die Familie ist in der Moschee", sagt Chaib-Aziz. So musste keiner alleine feiern. Der Arabische Kulturverein hatte alles Notwendige für eine ausgelassene Feier organisiert. Die Tische bogen sich unter Zuckerwasser, Saft, Süßigkeiten und Gebäck, im Innenhof wurde eine Hüpfburg für die vielen Kinder aufgebaut. Bei Frage-und-Antwort-Spielen, mit denen den Kindern die Bedeutung des Fastens spielerisch nahe Gebracht wurde, wurden zahlreiche Geschenke verteilt. Es war ein großes, gemeinsames Fest für alle.

Die Ausgelassenheit liegt vor allem daran, dass alle froh sind, das Fasten erfolgreich geschafft zu haben. Und Fasten heißt nicht nur Verzicht auf Essen und Trinken, erklärt Martin Frank: "Das ganze Fasten ist ein Gottesdienst." Es geht also ebenso um eine Art inneres Fasten.

In der Zeit des Ramadan, erklärt Frank, verzichtet man auf vieles und zieht sich ein wenig zurück. An den drei Tagen des Festes belohnt man sich gewissermaßen für die entbehrungsreichen Tage des Fastens. Diese sind für gläubige Muslime Pflicht. Freiwillig hingegen ist das Fasten an Montagen und Donnerstagen das ganze Jahr über.

Gegen 11 Uhr löst sich das Fest langsam auf. Zum Freitagsgebet etwas später sind wesentlich weniger Gläubige anwesend. Die meisten sind schließlich zu Hause und feiern im kleinen und privaten Kreis weiter.