"Moderne Chormusik war in Bamberg kaum präsent", erzählt Fritz Braun. Der Gründer und ehemalige Leiter des Musica-Viva-Chors hatte im Jahr 1988 die Idee, die musikalische Landschaft in der Domstadt zu bereichern.
Als Vorbild diente ihm dabei der Via-Nova-Chor aus München. "Ich habe mir gedacht, was in München möglich ist, das können wir in Bamberg auch", sagt Fritz Braun. 25 Jahre später feiert der Chor nun sein Jubiläum.

Neues Konzept präsentiert

Damals Lehrer am E.T.A.-Hoffmann-Gymnasium, stellte Braun die Idee vor, zeitgenössische Chormusik in einem kleineren Ensemble zu singen. Nach einem dreiviertel Jahr der Probe wurde der Musica-Viva-Chor am 24. Juni 1988 offiziell gegründet. Die ersten Konzerte folgten rasch, etwa das erste große Adventskonzert in der Frauenkirche in Nürnberg. Unter den Kollegen und Schülern fanden sich schnell interessierte Talente bei den ersten Proben ein, darunter auch Susanne Koch, zu diesem Zeitpunkt 16 Jahre alt. "Mir gefiel das Konzept der Musik aus dem 20. Jahrhundert und der Wechsel zwischen geistlichen und weltlichen Stücken." Vor allem Stücke von Wilhelm Killmayer und Rudolf Mauersberger haben es ihr angetan.

Ein halbes Jahr nach der Gründung stieß auch Jürgen Walz zum Musica-Viva-Chor. "Davor habe ich im Chor der Bamberger Symphoniker gesungen, der Musica-Viva-Chor reizte mich dann aber mehr", sagt Walz."Das A-capella-Musizieren im kleinen Ensemble ist großartig. Das ist einfach ein anderer Anspruch ans Singen." Auch Jürgen Walz hat Stücke, die er besonders gerne singt, etwa die Werke von Maurice Ravel oder die des Finnen Einojuhani Rautavaara.

Das größte Highlight des Chores, da sind sich Fritz Braun, Susanne Koch und Jürgen Walz einig, war der Auftritt beim Internationalen Chorwettbewerb 1993 in Budapest. Der Musica-Viva-Chor holte dort den ersten Platz. Susanne Koch meint: "Es war ein großartiges Erlebnis. Die Chorwettbewerbe in Budapest und 1992 in Riva del Garda sollten aber auch dem Austausch dienen. So konnten wir Chormusik aus ganz Europa hören und unser Repertoire ergänzen."

2002 gab Fritz Braun die Leitung des Chores in die kundigen Hände von Ingrid Kasper ab. Die studierte Chordirigentin begann 2000 als neue Leiterin der Kirchenmusik in St. Stephan. Nach ein paar Monaten kam dort Fritz Braun auf sie zu und fragte, ob sie nicht seinen Chor übernehmen wollte.

Neue Leitung seit 2004

"Ich war natürlich erstmal wie vom Donner gerührt! Es hat mich riesig gefreut, dass ich so eine Chance kriege", so berichtet Ingrid Kasper. Seit 2002 ist sie nun Leiterin des Chors - nur unterbrochen durch eine Elternzeit 2009. Zu diesem Zeitpunkt unterlag die Leitung Judith Schnell.

Der besondere Reiz am Musica-Viva-Chor liegt auch für Ingrid Kasper an den Stücken, die von aktuellen Künstlern komponiert werden. "Wir können hier Chormusik auf hohem Niveau machen. Dadurch, dass das Repertoire stets mit neu komponierten, aktuellen Stücken ergänzt wird, dreht man quasi am Rad der Musikgeschichte mit."

Ein weiterer Punkt, der Kasper und auch Fritz Braun, Susanne Koch und Jürgen Walz wichtig ist, ist die in den letzten Jahren gewachsene Kooperation mit Komponisten und Fördereinrichtungen. So gibt es eine gute Zusammenarbeit mit dem Künstlerhaus Villa Concordia. Auch einzelne Künstler haben schon Stücke extra für den Musica-Viva-Chor geschrieben, etwa Uwe Strübing, dessen "Magnificat" uraufgeführt wurde.

Jubiläum in der Orangerie

Inzwischen ist der Chor in der Musiklandschaft ganz Frankens etabliert und gibt im Jahr mehrere Konzerte. Zu seinem Jubliäum lädt der Musica-Viva-Chor am 29. Juni in die Orangerie auf Schloss Seehof. Beginn des Jubiläumskonzerts ist um 19.30 Uhr.