Seit 17 Jahren sucht die Sparkasse für ihr Areal zwischen Lange Straße und Promenade nach einem Konzept, das in der breiten Öffentlichkeit und im Stadtrat auf Gegenliebe stößt.

Alle bisherigen Anläufe scheiterten, weil sich die wirtschaftlichen Interessen der Bauherrin und ihrer Projektentwickler auf der einen Seite nicht mit den Erwartungen der Kommune und der Denkmalpflege andererseits in Einklang bringen ließen.

Der umgekehrte Weg soll jetzt der scheinbar unendlichen Geschichte von Citypassage und "Quartier an der Stadtmauer" doch noch zu einem Happy End verhelfen: CSU, SPD und BUB unterbreiten der Sparkasse einen gemeinsamen Vorschlag, von dem sie glauben, dass er auch bei den anderen Fraktionen im Stadtrat positiv aufgenommen wird.

Mehrheitsfähiger Vorschlag
Entsprechende Signale wollen sie von den Freien Wählern und den Grünen erhalten haben. Das versicherten jedenfalls die Fraktionsvorsitzenden Helmut Müller (CSU) und Klaus Stieringer (SPD) am Donnerstag, als sie - gemeinsam mit Daniela Reinfelder (BUB) sowie den Sprechern im Bausenat Birgit Dietz (CSU) und Heinz Kuntke (SPD) - die Medien informierten.

Vorgestellt wurde eine rund zwei Jahre alte Grobplanung der Denkmalneu GmbH für das 5000 Quadratmeter umfassende Areal im Besitz der Sparkasse. Beim jüngsten Bieterverfahren war der Entwurf nicht in die engere Auswahl gekommen, sagte Geschäftsführer Jürgen Dziumbla.

Während er nicht über die Gründe spekulieren wollte, glauben die Kommunalpolitiker sie zu kennen: Das Denkmalneu-Konzept sei nicht auf "Gewinnmaximierung oder Verlustminimierung" (Müller) ausgelegt. Vielmehr versuche es, dem Welterbe Bamberg und den Denkmälern auf dem Gelände gerecht zu werden.


Schwerpunkt Wohnen

Die Planung gibt - im Unterschied zu den bisher von der Sparkasse vorgelegten Entwürfen - dem innerstädtischen Wohnen Vorrang vor der gewerblichen Nutzung.

Für den Einzelhandel sind rund 1800 Quadratmeter vorgesehen. Das sei genug für zwei so genannte Ankermieter, betonte Stieringer auch aus der Warte des Citymanagers. Die Handelsflächen würden sich auf das (schon verwaiste) Gebäude der Sparkasse an der Langen Straße, das erhalten und umgebaut werden soll, und auf einen Neubau an Stelle des früheren "Metzner-da-am-Eck-da"-Grundstücks beschränken.

Weitere 1500 Quadratmeter sind für eine Büro-Nutzung vorgesehen. In den oberen Etagen der Alt- und Neubauten, jeweils ab dem zweiten Geschoss, sollen neue Wohnungen entstehen, auf ungefähr 4000 Quadratmeter. Stellplätze für rund 100 Autos sollen in einem Parkdeck mit begrüntem Dach "verschwinden".

Laut Dziumbla würden die vorhandenen Denkmäler erhalten: Die Anwesen Hellerstraße 11 und 13 würden im Bestand saniert, die im Boden befindlichen Stadtmauer-Reste würden erhalten, ebenso das jüdische Tauchbad (Mikwe).

Einzelheiten auch zur Erschließung des Gebiets konnte der Geschäftsführer nicht sagen. Wie er zu verstehen gab, wird der Entwurf aus Kostengründen erst dann im Detail ausgearbeitet, wenn die Sparkasse Interesse hat.

Für Daniela Reinfelder handelt es sich allerdings jetzt schon um ein Konzept, "das all das berücksichtigt, was sich viele Bürger wünschen". Einen zusätzlichen Gewinn für Bamberg sieht Birgit Dietz, wenn das geplante Welterbe-Zentrum an der Mikwe entstünde.

Die Botschaft an den beim Medientermin nicht anwesenden Sparkassen-Vorstand und -Verwaltungsrat stand unausgesprochen im Raum: Wenn man sich mit diesem Entwurf anfreunden kann, besteht erstmals die realistische Chance, dass der Stadtrat zustimmt: CSU, SPD und BUB verkörpern darin die Mehrheit.


Sparkasse reagiert "not amused"
Ob der gemeinsame Vorstoß den erhofften Erfolg hat, bleibt abzuwarten. Sparkassen-Chef Konrad Gottschall erfuhr am Donnerstag erst durch die FT-Anfrage von der CSU-SPD-BUB-Initiative und reagierte eher verärgert, als erfreut: "Es macht sich jeder Gedanken über das Areal, ohne dass er Verantwortung übernimmt."

Selbst wenn die Sparkasse wollte, scheint es ihr nicht ohne Weiteres möglich zu sein, einen neuen potenziellen Investor mit ins Boot zu nehmen. Laut Gottschall ist man an einen Dienstleistungsvertrag mit einem Unternehmen für Projektmanagement gebunden, das Interessenten für das innerstädtische Filetstück suchen soll und das nach Erfolg bezahlt wird.

Zudem sind noch zwei Investoren im Rennen, wenngleich ihre im Januar präsentierten Entwürfe den Bausenat nicht überzeugt haben. Die von ihnen erbetenen Nachbesserungen liegen noch nicht vor. Woran Gottschall auch keinen Zweifel lässt: "Entscheidend wird sein, was der Verwaltungsrat zum Kaufpreis sagt."

Die Denkmalneu GmbH ist in Bamberg keine Unbekannte mehr. Sie sanierte die historischen Erba-Bauten und baut aktuell auf dem früheren Schaeffler-Gelände 500 Wohn- und Gewerbeeinheiten.