Als Sie 2008 den Bamberger Wirtschaftsclub gegründet haben, tobte die Finanzkrise. Wie erinnern Sie sich an die Anfänge? Wilfried Kämper: Bei unserem ersten Unternehmerfrühstück waren 300 Leute da. Das war enorm. Die Unternehmer wollten reden, waren verunsichert, wollten sich austauschen. Das Netzwerk hat dadurch ganz große Bedeutung bekommen. Daraus ist die Idee entstanden, einen offenen, freien Wirtschaftsclub zu bilden.

Wie viele Mitglieder sind heute Teil dieses Netzwerks? Heute sind wir bei mehr als 70 Mitgliedern.Wir wollen stets offen sein für alle Unternehmen, merken aber, dass es sich auf den Mittelstand konzentriert, vom Rechtsanwalt bis hin zu größeren Unternehmen wie Auto Scholz als größte Firma.

Dabei begrenzen Sie sich nicht auf Bamberg allein... Der Wirtschaftsclub hat Mitglieder aus Forchheim, Erlangen und dem Kulmbacher Raum. Was wir hier tun, gibt es in diesen Gebieten sonst nicht. Es geht darum, das Geld im Wirtschaftsraum fließen zu lassen. Der Unternehmer in der Region kann für den anderen Kunde und Partner sein.

Welche Probleme haben Sie in den zehn Jahren angepackt? Wir haben zum Beispiel versucht, das Spannungsverhältnis zwischen Laubanger und Innenstadt etwas zu lösen. Wir dürfen nicht in engen Zonen denken, sondern wir müssen Bamberg als Wirtschaftsraum sehen. Wenn der Laubanger nicht attraktiv ist, fahren die Leute an Bamberg vorbei. Wenn es zum Beispiel das Ertl-Zentrum nicht gäbe, würden die Leute gleich in die Arkaden nach Erlangen fahren.

Konnten Sie die Spannungen lösen? Das Spannungsfeld hat sich deutlich verbessert, auch was Stadt und Land betrifft. Wir alle zusammen haben einen ganz großen Wettbewerber, und das ist das Internet. Es gilt, miteinander gegen das Internet zu bestehen. Groß und Klein zusammen. Die Großen sind aufgrund ihrer Größe nicht sehr flexibel. Der Große zieht an, schafft Märkte. Als kleines Geschäft muss man seine Nische finden.

Welche Probleme gehen Sie heute an? Es gibt ein sehr breites Feld an Problemen. Wir lassen uns vom Wohlstand ein bisschen täuschen. Die Wirtschaft ist am Anschlag. Ein Kernproblem ist sicher der Fachkräftemangel. Wir können bestimmte Aufträge nicht abwickeln, weil Kapazitäten nicht da sind.

Wie kann der Wirtschaftsclub sich hier selbst helfen? Wir haben in unserem Gesamtverteiler an die 2000 Adressen und haben dadurch schon des Öfteren tolle Erfolge gehabt, wo wir Leute zusammengebracht haben. Auch bei Mieträumen.

Welche Herausforderungen sehen Sie noch? Wir müssen auch über Migration reden. Was können wir tun, damit die Einwanderer integriert werden können? Mindestlohn und Integration schließen sich aus. Wer kommt, kann meistens noch nicht mal Deutsch. Den muss man als Bauhelfer anlernen. Es geht nicht, zu sagen, ihr müsst ihn zum vollen Mindestlohn beschäftigen, aber Leistung könnt ihr noch nicht erwarten. Hier müsste eine Kombimöglichkeit geschaffen werden: Die Grundversorgung müsste über Zuschüsse gesichert werden, bis die Ausbildung und Eingliederung in den Prozess steht. Die Migration kann nur gelingen, wen es ein Miteinander wird, das nicht zulasten der Unternehmer geht. Ich bin der festen Überzeugung, dass unter den Einwanderern sehr gute Handwerker sind, die aber erst in unsere Prozesse kommen müssen.

Welche Probleme sehen Sie für die nächsten zehn Jahre? Das Thema Zinsen und Immobilien wird immer wichtiger. Sich heute Eigentum zu kaufen und sich zu verschulden, ist mit diesen Zinsen nicht so schlimm. Was aber, wenn sie steigen? Ich sehe eine Immobilienblase. Wir reden in Bamberg von Preisen von 4000 bis 5000 Euro pro Quadratmeter.

Stichwort Gewerbeflächen: Wie steht der Wirtschaftsclub zum Thema Hauptsmoorwald? Ich kenne einige Unternehmer, die dringend Fläche brauchen. Für mich persönlich ist das ganze Armeegelände eine enorme Chance für den Wirtschaftsraum Bamberg, um Gewerbeflächen in einer gewissen Größenordnung zu schaffen. Es muss ja eine gewisse Größenordnung sein. Es nützt nichts, wenn nur drei Unternehmer irgendwo verloren am Hauptsmoorwald etwas hinstellen.

Welche Unternehmen suchen Platz? Mein Unternehmen hätte selber großes Interesse am Gewerbepark, weil wir in der Stadt sehr beengt sind. So wie wir suchen auch andere Handwerker oder Dienstleister, die zum Teil innerstädtisch beengt sind. Außerdem könnte dadurch, dass Unternehmen umsiedeln könnten, neuer Wohnraum entstehen, wie so oft eine Win-win-Beziehung, man muss nur ein bisschen weiterdenken und auch immer das Ganze sehen und nicht nur die eigenen Interessen. Der Laubanger hat sich ja immer mehr zu einer Einkaufsmall entwickelt. Wir Handwerker haben andere Bedürfnisse. Wir brauchen günstigen Platz. Der Laubanger ist auch schon unbezahlbar geworden. Wir als Wirtschaftsclub unterstützen hier die Stadt.

Das Gespräch führte Sebastian Schanz.

Info: 2019 organisiert der Wirtschaftsclub einen Neujahrsempfang und den Klassikabend "Nacht der Tenöre".