Wenn Marius Dabrowski (25) sagt: "Als wir das Lied angesungen haben, waren wir schnell von ,ficken' bei ,kicken'", dann ist das erklärungsbedürftig.

Doch selbst beim Erklären kommt der Musiker nicht ohne das F-Wort aus - der Grund ist einfach: "Unser WM-Lied hat die Melodie des Songs ,Liebficken' von der Band ,Sofaplanet', die 2001 in den Charts war", sagt der junge Mann aus dem Landkreis Coburg.

Vor ein paar Jahren schon ist er auf die Akkorde gekommen, hat in der Pause der Bandprobe ein bisschen auf seiner Gitarre herum gezupft. "Wir haben das Lied von ,Sofaplanet' mal angesungen - und waren dann schnell von f... bei ,kicken'", erläutert der 25-Jährige. Der Song ist ihm immer im Hinterkopf geblieben. Da müsste man was draus machen bei der nächsten Fußball-Weltmeisterschaft...



Gesagt, getan. Wenn auch anders als gedacht: Der Hobby-Musiker ist mittlerweile solo unterwegs. Das änderte sich im März dieses Jahres: Beim Ticket-Lösen für den Heimweg am Nürnberger Bahnhof hat er die Bambergerin Kerstin Maier (22) kennen gelernt. Sie pendelt wegen ihres Studiums zwischen Nürnberg und Bamberg. Er wollte zurück nach Forchheim fahren, wo er seine Arbeitsstelle hat und mit Zweitwohnsitz gemeldet ist.

Also, gleiche Richtung, gleiches Gesprächsthema? Ja. "Ich habe sie gefragt, was sie in Nürnberg macht", sagt Marius. Als Kerstin von ihrem Gitarren-Studium erzählte, begann eine angeregte Unterhaltung - und endete damit, dass die Zwei Telefonnummern und Youtube-Adressen (Online-Videoplattform) ausgetauscht haben.
Sie haben sich Musikdateien hin- und hergeschickt, sich getroffen, sich gegenseitig ihre Lieder vorgesungen. Beide sind als Singer/Songwriter unterwegs. "Irgendwann hat Marius dann gefragt, ob ich den Song von ,Sofaplanet' kenne und ob wir was mit ,kicken' draus machen wollen", erzählt Kerstin.

Textfetzen spukten Marius bereits im Kopf herum, große Teile des Textes haben Kerstin und er dann komplett neu gedichtet. Worum geht es überhaupt in "Einfach nur kicken"? Marius klärt auf: "Darum, was der Fußball mit den Deutschen machen kann." Duo-Partnerin Kerstin führt aus: "So ein großes Turnier kann Menschen vereinen, zum Spaßhaben animieren. Auch dafür ist unser Lied da, die Leute sollen gemeinsam feiern."

Damit sie das können, will das Duo seinen Song verbreiten - und natürlich auch bekannter werden, wie Sänger Marius anmerkt. "Wir wünschen uns schon viele Klicks. Aber wichtiger ist uns, dass das Lied auf den Fan-Meilen gespielt und gesungen wird. Es wäre total cool, wenn es eine Art Fan-Gesang wird." Wie ihr Song vor Publikum ankommt, können die beiden am 16. Juni gleich mal testen. Dann präsentieren sie auf der Fan-Meile in Coburg ihr Lied.

Dass überhaupt alles pünktlich zur Fußball-Weltmeisterschaft im Kasten ist, darüber sind die Musiker froh. "Wir kennen uns ja noch gar nicht lange", sagt Kerstin. Knapp acht Wochen hat es gedauert, bis alles Material verarbeitet war. Denn Kerstin und Marius haben auch ein Video gedreht, dass auf "Youtube" und Marius' Internetseite zu sehen ist.

Doch bevor sie überhaupt loslegen konnten, mussten sie sich erst einmal sämtliche Rechte einholen. Zunächst beim Komponisten, dann bei der Plattenfirma, wie Marius erläutert. Danach hieß es Einspielen: "Wir haben alles komplett selbst gemacht", sagt Marius.

Er spielt Gitarre, E-Bass, Schlagzeug, "ein bisschen Klavier" und singt. Partnerin Kerstin spielt klassische Gitarre, E-Gitarre, E-Bass, Geige - und ebenfalls "ein bisschen Klavier und singt". Übrigens: Nein, ein Paar sind die beiden nicht. Einfach zwei Musiker, die sich auch weiterhin ihren eigenen Soloprojekten widmen, wie sie sagen.
Was sagen sie eigentlich zu den Chancen der Deutschen bei der WM? Marius meint, dass die deutsche Mannschaft sich mit dem Klima in Brasilien etwas schwer tun könnte. "Bis zum Viertelfinale kommen wir auf jeden Fall, dann ist ein bisschen Glück dabei."

Kerstin dagegen hat "vollstes Vertrauen in die deutsche Mannschaft", wie sie sagt. "Bis zum Viertelfinale kommen wir auf jeden Fall, Halbfinale sowieso." Die 22-Jährige hat früher selbst gekickt, mit 16 war sie bei der TSG Bamberg.

Auch Marius hat vor einiger Zeit "intensiv gespielt", bezeichnet sich selbst als "Riesen-Fußballfan". Er ist heiß auf die WM und will nicht nur einschalten, wenn die deutsche Mannschaft spielt: "Ich schaue alles, was geht, volles Programm."

Apropos Programm: Wenn der Wunsch der beiden wahr und ihr Song bekannt wird, tauchen sie vielleicht als Programmpunkt nicht nur auf der Coburger Fan-Meile, sondern in der ganzen Region auf. Und falls es 2014 nicht klappt, kann das Lied auch einfach wieder verwendet werden. Wie Marius sagt: "Es ist so geschrieben, dass es für jede Fußballveranstaltung geeignet ist."