Was gibt es hier zu holen? Die Gebäude der ehemaligen US-Kaserne sind leer. Menschen wohnen hier nicht mehr. Ein wenig wirkt das Gelände wie die Kulisse eines Filmstudios: Schule, Turnhalle, Wohnhäuser, Kreisel. Alles ist da. Man kann sich richtig vorstellen, wie hier ein Action-Film gedreht wird. Ein schwarzer Mercedes-Geländewagen biegt ums Eck. Drei schwarz gekleidete Personen steigen aus...

Doch das ist kein Film, die Personen sind echt. Einer davon ist Georg Sennefelder: "Prüft mal die Fenster", sagt er zu seinen Mitarbeitern. Der Wach- und Sicherheitsdienst kontrolliert die "Bamberg American High School". Hier war mal reges Schulleben. Nun sorgen nur Wind und Regen für Geräusche. Der Grund, warum Sennefelders Sicherheitsdienst die Warner Barracks durchkämmt.

Die rote Krawatte des 53-Jährigen hat schon ein paar dunkle Punkte vom Regen. Es gibt schöneres Wetter, um auf Streife unterwegs zu sein. Sennefelder zieht seine Schildmütze weiter ins Gesicht. "Wir sind seit dem 4. Dezember täglich hier, auch in der Nacht. Wir bewachen das Gelände rund um die Uhr." Seit dem 4. Dezember ist das Konversionsgelände in Besitz der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), der Auftraggeberin von Sennefelder.



"Wir wollen nicht, dass unberechtigten Personen hier sind und die Gebäude beschädigt werden könnten", sagt Sicherheitsmann Sennefelder. Im Hintergrund rütteln Dietrich Patberg und Christine Sennefelder, die Tochter des Chefs, an den Türen, klopfen gegen die Fenster, schauen, ob diese offen sind. Wenn das der Fall ist, ruft der Sicherheitsdienst den zuständigen Hausmeister, der dann absperrt. Doch das braucht es hier nicht: "Alles okay?", fragt Boss Sennefelder. "Alles in Ordnung", nickt die Juniorchefin. Auf einer Liste haken die Mitarbeiter das Gebäude ab. Alles wie bei der letzten Kontrolle. "Bestens", sagt Sennefelder.

Erinnerungen an früher
Die Sicherheitsleute steigen wieder in den Geländewagen. Es geht weiter Richtung A73 über die leeren Straßen der US-Kaserne. Im Kofferraum bellt Hündin Zoe. Chef Sennefelder fährt auch durch die Vergangenheit. Seit 1980 ist er im Wachdienst. 2001 gründete er gemeinsam mit seiner Frau Carola die eigene Firma. Der Trunstadter hat schon viel bewacht: Fabriken und Solarfelder. Die Kaserne in Bamberg aber ist sein emotionalster Auftrag. Hier war er früher unter anderem für Übungen als Kommandant der Trunstadter Feuerwehr. Er war mit seiner Familie bei Neujahrsempfängen und an Weihnachten eingeladen. "Ich häng' mich voll rein", sagt Sennefelder deshalb.

Jahrelang hat sein Sicherheitsdienst die Geldtransporte aus der Kaserne übernommen. Wie oft er das Tor passierte, weiß er gar nicht mehr. Dass er einmal selbst den Schlüssel zu den 200 Hektar großen Warner Barracks in der Hand halten würde, hätte er nicht für möglich gehalten.

Schlüssel steckten noch
Jede Menge Schlüssel musste der Wachdienst am ersten Kontrolltag auch einsammeln. Die Amerikaner hatten viele in ihren Wohnungstüren stecken lassen. Sie brauchten sie ja nicht mehr. Jetzt liegen die Schlüssel in Tresoren. Alles ist verschlossen.

Der Geländewagen hält vor dem Tor, das zur Panzerwaschanlage auf der anderen Seite der Autobahn führt. Manuela Schorsch und Alessandro Grifo - die zweite Streife öffnet die Gittertür. "Wir kontrollieren immer die Außenhaut." Sennefelder meint den Zaun um das Areal. Erst in der Nacht haben sie einen abgezwickten Stacheldraht entdeckt. "Wir melden das der Polizei." Die Zusammenarbeit funktioniere gut. Auch mit den Stadtwerken, die nach der Heizanlage für einzelne Gebäude schauen. Sonst darf niemand rein: "Hausfriedensbruch wird zur Anzeige gebracht." Schwere Steine stehen wie Panzersperren vor den Toren. Fahrzeuge passen hier nicht durch.

Sennefelder fährt wieder Richtung Zollnerstraße. Er will die Sporthalle am Berliner Ring überprüfen, dann ist der Kontrollgang beendet. Mit dem Auto kommt er an einer Tafel am Straßenrand vorbei: "Auf Wiedersehen Bamberg" steht da. Ein Dank der Amerikaner. Ein Beweis, dass hier mal echtes Leben herrschte.




Tag der offenen Tür
Die Bima will am Dienstag, 16. Dezember, eine Möglichkeit zur Besichtigung der Warner Barracks geben. Um 11 und 13 Uhr werden je drei Bus-Touren angeboten. Eine Anmeldung ist unter Besichtigung-Bamberg@bundesimmobilien.de oder telefonisch unter 0911/99261-118 erforderlich.