Wenn die Staatsministerin nach Franken lädt, lässt sich die Bundesministerin nicht lange bitten. Am Vormittag noch eine Rosenpatenschaft in Goldkronach begossen, stand Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) gestern Nachmittag schon in Lisberg inmitten von Obstbäumen mit Hagelschäden - bevor es später zur Frauenrunde ins Herz des Bamberger Gärtnerviertels ging.

Initiiert hatte den Besuch Staatsministerin für Gesundheit und Pflege Melanie Huml (CSU). Gemeinsam mit Obstbauer Ulrich Gräb sollte in Lisberg über gesunde Ernährung, Wertschätzung von Lebensmitteln und Regionalität gesprochen werden.

Kritik gleich zu Beginn

Strich durch die Rechnung machte den Koalitionspartnerinnen zwei besonders diskussionsfreudige Gäste unter den Anwesenden - eine Handvoll Bürger und Vertreter aus der Politik hatten sich auf den Hof verirrt. Statt sich dem allgemeinen Wohlwollen bei Themen wie des Schulobstprogramms anzuschließen, fielen Karl-Ludwig Rostock (Bayerischer Erwerbsbauernverband) da andere Worte ein. "Wie viel Gramm Obst und Gemüse da pro Kind und Woche überbleibt, ist beschämend", kritisierte er. Auf eine solche "Mischrechnung" wollte sich Klöckner gar nicht erst einlassen - wichtig sei es, überhaupt anzufangen. "So kann man alles argumentierten", sagte die CDU-Vize. "Nach der Rechnung haben wir aber auch in der Landwirtschaft keine Dürre."

Da wäre der Schwenk zur aktuellen Lage in Deutschland fast geglückt. Hätte Dieter Laufer, Winzer aus Lisberg, nicht das Dauerbrenner-Thema Glyphosat in den Raum beziehungsweise aufs Feld geworfen. Die langfristige Minimierungs- und Minderungsstrategie der Bundesregierung für das Unkrautbekämpfungsmittel, die Klöckner erläuterte, imponierten ihm nur wenig. "Klar ist es aufwendiger und natürlich geht das nicht von heute auf morgen", argumentierte sie. Man könne sich aber Ergebnissen der Wissenschaft nicht entziehen. Bei diesem, wie bei vielen anderen strittigen Themen, müsse auf Selbstkritik eine offene Diskussion und Annäherung folgen - von beiden Seiten aus. "Dann kann man über Dinge wie Präzisionslandwirtschaft und alternative Schutzmittel sprechen."

Gelder vom Staat

Vom Lisberger Obstbauer Ulrich Gräb mit Hagelschaden an den Äpfeln bekam Klöckner nur weniger Gegenwind. "Ich schreie nicht nach schnellen Geldern vom Staat", sagte Gräb zu Beginn. Seinen Wunsch nach besseren Rahmenbedingungen musste er für die Ministerin konkretisieren: Steuerfreie Risikorücklage für Landwirte wünsche er sich. Diesen Aspekt ebenso wie den der Gewinnglättung versprach die Ministerin, mit in Verhandlungen im Herbst zu nehmen.

Im Anschluss ging es in die Hofstadtgärtnerei von Carmen Dechant im Bamberg. Bei "Lounge in the City" - eine von Huml regelmäßig organisierte Veranstaltung für Frauen - sollten dann wieder gesunde Ernährung und ein verantwortungsbewusster Verbraucher im Mittelpunkt stehen. Die Forderungen der Gesellschaft an die Landwirtschaft gingen laut Klöckner nicht mit der Einkaufsrealität in Deutschland zusammen. Der Wunsch nach regionaler und saisonaler Ware sei laut, gleichzeitig kaufe man die Produkte zu Dumpingpreisen. "Isst es der Verbraucher, weil er es will - oder weil es ihm immer oder überall angeboten wird?"

Keine Ernährungsgouvernante

Das Land müsse wieder lernen, wo die Mittel zum Leben herkommen. Dem Nachwuchs Wertschätzung für Lebensmittel beizubringen sei ebenso wichtig, wie in den älteren Generationen aufzuklären oder der Verschwendung von Lebensmitteln entgegenzuwirken. "Ich bin nicht die Ernährungsgouvernante der Nation", stellte sie allerdings klar. Von Verboten oder Sondersteuern, wie zum Beispiel auf Zucker, halte sie nichts. "Stattdessen brauchen wir Wahrheit und Klarheit", so Klöckner. Klare Angaben, um Verbrauchertäuschungen entgegenzuwirken, seien ein Schritt. Der Verantwortung für den eigenen Einkaufskorb könne sich aber keiner entziehen. "Wir als Verbraucher haben in der Hand, was in Zukunft produziert wird."

Ob das überhaupt noch regional - ganz konkret im Landkreis Bamberg - produziert werden kann, zweifelte Vollerwerbslandwirtin Susanne Weidner aus Frensdorf an. Dass alles schön geredet werde, nutze ihr nichts, wenn sie von ihrem Betrieb in Zukunft nicht mehr leben könne. Vor allem das Preis-Dumping mache dem Betrieb zu schaffen. "Als Ministerin mache ich nicht den Milchpreis", konterte Klöckner und wies die Verantwortung der Politik bei diesem Thema von sich.

Wie in jeder anderen Branche würden manche Betriebe eben überleben, andere nicht. "Der Staat ist nicht verantwortlich für einen Betriebserfolg."