Es begann mit dem Abzug der Amerikaner. Um 18 Prozent sei der Umsatz eingebrochen, sagt Michael Fiegl, Vorstand der Bamberger Taxigenossenschaft. Unter der Woche könne man seitdem das Geschäft nachts "vergessen".

Wartete ein Taxi vorher in der Regel durchschnittlich eine dreiviertel Stunde auf den nächsten Kunden, seien es jetzt bis zu zwei Stunden, erzählt er.

Aufgefangen habe den Verlust bisher allein die Tourismuswirtschaft der Stadt. Fiegl schätzt, dass ohne die Touristen das Geschäft wohl um bis zu 25 Prozent eingebrochen wäre.

Für den ab Januar geltenden Mindestlohn können die Amerikaner nun zugegebenermaßen nichts. Sauer ist Fiegl dennoch: auf den Staat, der die Taxiunternehmen mit immer neuen Gesetzen immer weiter einschränke. Vom möglichen Fahrdienst-Konkurrenten Uber ganz zu schweigen.

Es beginnt bei den Preisen

Andere Anbieter wie Johanniter, Mietwagenservice oder Uber, sagt er, hätten viel mehr Möglichkeiten, vor allem durch flexible Preisgestaltung. Er könne sich aber nicht hinstellen und sagen: Bis 21 Uhr kosten am Donnerstagabend alle Fahrten vom Bahnhof in die Innenstadt nur fünf Euro. Das erlaubt die Taxitarifverordnung nicht.
Und dann sind da immer noch die Standzeiten. In den starken Zeiten sei es kein Problem, den Mindestlohn zu zahlen, die schwachen Zeiten zehrten aber am fixen Gehalt. Umgerechnet auf die Standzeiten, die derzeit nicht bezahlt werden, lag der Stundenlohn bisher bei durchschnittlich 6,50 Euro. Zwei Kilometer fährt der Bamberger im Schnitt mit dem Taxi.

Nachtzuschläge gibt es keine, der Mindestfahrpreis betrug 3,10 Euro. Für den ersten Kilometer fielen zwei Euro an, danach 1,80 Euro. Die Taxi-Tarife stammen aus dem Jahr 2012.

Ende November hat die Genossenschaft der Stadt ein neues Tarifangebot unterbreitet. Die hat dem Vorschlag der Taxigenossenschaft zugestimmt.

Mehr wäre angemessen

"Die Erhöhung hätte für Mehrwagen-Unternehmer höher ausfallen können", sagt Peter Thomalla, Inhaber von City Taxi, Bambergs größtem Taxiunternehmen. "Einzelunternehmer ohne angestellte Fahrer sind vom Mindestlohn nicht betroffen", fügt er hinzu. Thomalla beschäftigt 25 Fahrer, mit Einführung des Mindestlohns würden seine Personalkosten um 40 Prozent steigen. Zwei Fahrer hat er bereits im Vorfeld entlassen.

Der Deutsche Taxiverband hatte eine Erhöhung der Tarife um 25 Prozent gefordert. Für Fiegl von der Taxigenossenschaft, liegt die Schmerzgrenze bei zwölf Prozent - alles darüber hinaus, befürchtet er, wären die Kunden nicht bereit zu zahlen. Thomalla hätte 20 Prozent für angemessen gehalten.

15 Prozent mehr

15 Prozent sind es am Ende geworden. Der Mindestfahrpreis beträgt seit dem 1. Januar 3,60 Euro, für den ersten Kilometer fallen 2,60 Euro an, danach bleibt es bei den 1,80 Euro.

Auch wenn es weniger ist, als Thomalla sich für Mehrwagen-Unternehmer gewünscht hätte, sei er mit der Erhöhung zufrieden, schließlich könne es auch bei unterschiedlicher Interessenslage nur einen Tarif für Einzel- und Mehrwagen-Unternehmer in Bamberg geben.

Am Ende, so sagt Thomalla, höre sich die Erhöhung prozentual dramatischer an als sie es ist: "Wenn ich für eine Fahrt bisher zehn Euro bezahlt habe, sind es jetzt 11,50 Euro." Es werde sich aber zeigen, sagt er noch, ob die Erhöhung ausreichend war.

Weniger Taxis in Bamberg

Vielleicht, sagt Fiegl, werde sogar das Wort "Dienstleister" mit dem Mindestlohn wieder ein wenig mehr in die Köpfe der Fahrer zurück kommen.
63 Fahrzeuge sind in der Taxigenossenschaft zusammengefasst, insgesamt gibt es in Bamberg rund 90 Taxis.
Die Taxidichte, sagt Fiegl, die werde sich verringern. "Jetzt können wir garantieren, dass in fünf Minuten ein Taxi da ist, in absehbarer Zeit werden es wohl eher zehn Minuten sein".
Es wird aber wohl auch Zeiten geben, sagt Thomalla, zu denen es schwierig sein wird, ein Taxi zu bekommen. Montagmorgen um halb fünf beispielsweise. Diese Schichten würden nicht mehr besetzt werden.
Für die Taxifahrer bedeute die Lohnerhöhung vor allem eines: Bedarfsgerechtere und damit effizientere Einsatzzeiten müssten her, sagt Fiegl. Die Unternehmen müssen umdenken: unwirtschaftliche Standzeiten vermeiden, Stoßzeiten suchen.
Siegfried Eichelsdörfer, Vorsitzender des Aufsichtsrats der Taxigenossenschaft, zuckt jedesmal ein wenig zusammen, wenn es um konkrete Tariferhöhungen für die Kunden geht. Er befürchtet, das werfe ein schlechtes Licht auf die Taxibranche. Peter Thomalla sieht das ganze nicht so kritisch. Die Fahrgäste hätten Verständnis. Und am Aufkommen der Fahrten werde sich nicht viel ändern, glaubt er. Fiegl sieht das anders, er fürchtet um seine Kundschaft und setzt nun erstmal seine Hoffnungen auf das Wetter: Wenn es einen strengen Winter gebe, sagt Fiegl, dann werde es eine weiche Landung geben.

"Setzen auf Vertrauen"

Er sieht aber noch ein ganz anderes Problem, wenn der Unternehmer seinem Fahrer 8,50 Euro die Stunde zahlen muss: Er kann den Fahrer nicht kontrollieren. "Wie weiß ich denn, dass er arbeitet und nicht nur drei Stunden an der Promenade steht?", sagt Fiegl. GPS-Aufzeichnungen sind verboten.
"Wir setzten Vertrauen voraus", sagt Thomalla. Dafür kenne er seine Fahrer schon lange genug. Ginge es nach Fiegl, er hätte für den Mindestlohn eine andere Lösung bevorzugt: "Erstmal rauf auf 7,50 Euro, dann hätte man den Markt beobachten können, und erst später auf 8,50 Euro erhöhen". Für den Berufsstand der Taxifahrer, sagt Thomalla noch, sei die Mindestlohn-Regelung nicht unbedingt geeignet.