50 Jahre ist es her: Am 4. Januar 1963 starb in Burgebrach Geistlicher Rat Dekan Michael Schütz. Ihn prägte sein außergewöhnliches Interesse am politischen Geschehen, speziell an der Parteipolitik, schon vor Beginn des Dritten Reiches. Unerschrocken predigte er schon vor 1933 gegen Hitler und die nationalsozialistische Partei. In "Brandbriefen" rief er seine Pfarrmitglieder auf, der drohenden Gefahr entgegen zu wirken.

"Meine Predigten sind keine Blumensträuße...." wird er oft zitiert. Seine Unerschrockenheit auch während des Dritten Reiches spiegelt sich wider, wenn man den Monatsbericht der Regierung von Ober- und Mittelfranken im März 1936 liest: "Auch Pfarrer Michael Schütz in Burgebrach, in der Kampfzeit einer der streitbarsten Gegner der NSDAP, ist unangenehm aufgefallen.

Er beantragte für sich, seine Haushälterin und seine Sekretärin die Ausstellung von Stimmscheinen mit folgender Begründung: In einer Zeit, in welcher die Ehre im Vordergrund steht, kann man mir billigerweise nicht zumuten, daß ich nach dem Erlebnis vom 26. Juni 1933 mein Wahlrecht ausübe." An diesem Tage wurde er seinerzeit in "Schutzhaft" genommen. Für Pfarrer Schütz hieß Widerstand, dem Christentum in seinem ganz persönlichen Leben den ersten Platz einzuräumen.

Immer wieder wurden Maßnahmen gegen ihn ergriffen: Verunglimpfungen in der Presse, Vorladungen, Verwarnungen, Verhöre durch die Gendarmerie, Hausdurchsuchungen, ab 1933 auch Predigt-, Post- und Telefonüberwachung und persönliche Beschattung. Hinzu kamen zahlreiche Auseinandersetzungen mit den örtlichen Nationalsozialisten. Dass er nicht im KZ gelandet ist, war dem Umstand geschuldet, dass Zeitgenossen und in besonderer Weise die Burgebracher Bevölkerung hinter ihrem Pfarrer standen.

Aber auch nach dem Krieg war er politisch tätig. Er stand Mitte 1945 in regem Schriftverkehr mit dem damaligen Landrat Thomas Dehler, damit die demokratische Parteienlandschaft im Bamberger Land wiederbelebt werden konnte. Als Gründungsmitglied des CSU-Ortsverbandes am 20. Januar 1946 im Burgebracher Sternsaal ist er verzeichnet. Immer wieder schaltete er sich vor Wahlen ein, wobei er vor allem auf die Wahlpflicht hinwies.
Neben seine pastoralen Aufgaben in der Pfarrei und im Dekanat arbeite er seelsorgerisch-journalistisch. Er schrieb für das Bistumsblatt St. Heinrichsblatt sowie für die katholische Tageszeitung, das Bamberger Volksblatt. Man konnte auch immer wieder Leitartikel im Fränkischen Bauernblatt lesen.

Seine Beerdigung wurde zu einem großen Ereignis: In der Pfarrkirche St. Vitus war der Leichnam des verstorbenen Pfarrers aufgebahrt, im großen Ehrengeleite wurde der Verstorbene auf einem von Pferden gezogenen Wagen durch den Ort zum Friedhof geleitet, wo er unter Anteilnahme vieler Gläubiger aus nah und fern im Priestergrab seine letzte Ruhestätte fand.

In Erinnerung an den 50. Todestag wird am heutigen Freitag um 18.30 Uhr in der Burgebracher Pfarrkirche St. Vitus ein Gedenkgottesdienst zelebriert. Anschließend ziehen die Gläubigen zum Priestergrab auf dem Friedhof, um den verstorbenen Priester zu ehren. bog