Mit der Ergebnispräsentation ist noch lange nicht Schluss. Vielmehr soll es dann erst richtig losgehen mit der städtebaulichen Entwicklung von Viereth-Trunstadt.

Seit gut einem Jahr tüfteln interessierte und engagierte Bürger zusammen mit Verwaltung, Gemeinderat und Claudia Roschlau von der Planungsgruppe Baur Consult am "Integrierten städtebaulichen Entwicklungskonzept" (ISEK) für die Gemeinde. Seit der Auftaktveranstaltung im Juni 2012 haben sie über Stärken und Schwächen ihrer Gemeinde gesprochen, bei Ortsbegehungen vertieft und Vorschläge in Ideen- und Planungswerkstätten eingebracht. Was dort an konkreten Vorstellungen zur künftigen Entwicklung von Viereth-Trunstadt geschmiedet wurde, soll nun allen Bürgern am 17. Oktober präsentiert werden.

Große und kleine Projekte

"Die Ergebnispräsentation ist aber keine Abschluss-, sondern ein Auftaktveranstaltung", macht Städteplanerin Roschlau klar. Es soll der Auftakt zur Entwicklung der Projekte sein, die mit dem ISEK angestoßen wurden. Das sind zum einen die großen Herausforderungen an die Kommune, die sich rasch als Schwerpunkte herauskristallisiert haben.

Da ist zum Beispiel die Neuordnung des Straßenraums an der Bundesstraße 26 in der Ortsdurchfahrt von Viereth. Vor allem aber steht die Schaffung von Wohnmöglichkeiten für Senioren sowohl in Viereth als auch in Trunstadt ganz oben auf der Wunschliste der Bürger.

Und nicht nur bei der Frage von Seniorenheimen oder -häusern zeigt sich der demographische Wandel. "Leerstandsmanagement wird zu einer Daueraufgabe in den kommenden Jahren", weiß Bürgermeister Edwin Mahr (BG/ÜWG). In der Vergangenheit wurden an den Ortsrändern zahlreiche Wohngebiete geschaffen, die das Bild von Viereth-Trunstadt als attraktive Wohngemeinde geprägt haben.

Doch in den Ortskernen zeigt sich nun eine gegenläufige Entwicklung. Bewohner sterben oder ziehen weg, Gewerbetreibende oder Geschäftsleute geben auf - und die Gebäude bleiben ungenutzt, weil das Umfeld nicht mehr attraktiv erscheint. Dem will man nun entgegenwirken. Und hier ist nicht nur die Verwaltung gefordert. "Man kann nicht einfach auf Investoren warten. Das läuft nur, wenn Privatleute aktiv werden", hofft Mahr auf eine Initialzündung. Und darauf, dass etwa eine Stärkung des Tourismus oder Seniorenwohnanlagen auch Dienstleistungen nach sich ziehen, die wiederum die Daseinsvorsorge für die gesamte Bevölkerung verbessern.

Zuschuss für Bürger-Initiative

Das sind einige der großen Posten auf der Agenda der städtebaulichen Entwicklung von Viereth-Trunstadt. "Investitionen, die sich auch nicht so einfach aus dem Ärmel schütteln lassen", weiß Mahr. Doch was ihm noch wichtiger ist: "Die Bürger sollen ihre Stadt prägen", wünscht sich der Bürgermeister. Und sie können es auch nach der Ergebnispräsentation noch tun und nachdem der Gemeinderat voraussichtlich am 30. September formal die Erweiterung der in den 90er Jahren definierten innerörtlichen Sanierungsgebiete beschließen wird.

Denn dann sollen die Ergebnisse des ISEK in eine Wettbewerbsausschreibung einfließen. Ein Wettbewerb ist neben der Erstellung des Entwicklungskonzepts eine der Voraussetzungen, dass Mittel aus der Städtebauförderung, zum Beispiel aus dem Programm "Leben findet Innenstadt", fließen.

Bereits die Erstellung des Konzepts wurde gefördert. Und auch für den anstehenden Wettbewerb gibt es bereits entsprechende Zusagen. "Das Konzept wurde insgesamt sehr wohlwollend aufgenommen", stellt Roschlau erfreut fest. So habe es auch bei der Anhörung der sogenannten Träger öffentlicher Belange keinerlei fachliche Einwände gegeben, nur einige spezielle Hinweise, die inzwischen in das ISEK eingearbeitet wurden.

Doch nicht nur Großvorhaben werden gefördert. Auch für kleinere Projekte, die das tägliche Leben der Menschen im Ort berühren, kann es Fördergelder geben. Diese kommen aus dem sogenannten Verfügungsfonds. Ein solcher kann von Gemeinden eingerichtet werden, die Städtebaufördermittel erhalten.

Der Fonds finanziert sich in der Regel zu 50 Prozent aus privaten Spenden und wird zu gleichen Teilen aus Mitteln der Städtebauförderung kofinanziert. Das bedeutet: Jeder Euro, den Privatleute in den Verfügungsfonds einzahlen, wird mit dem gleichen Betrag aus dem Etat der Städtebauförderung bezuschusst. Damit soll privates Engagement für den Erhalt und die Entwicklung zentraler Ortsbereiche aktiviert werden.

Ganz konkret könnte das etwa heißen, dass Vereine, Gewerbetreibende und Privatleute, die sich etwa eine Kneippanlage in Stückbrunn, eine begrünte Ortsdurchfahrt in Weiher oder Bänke und Tische für Spielplätze oder andere Aufenthaltsbereiche im Freien wünschen, für ein solches Vorhaben spenden und dann noch mal die gleiche Summe aus staatlichen oder gemeindlichen Töpfen draufgelegt bekommen.

Sowohl bei der Gestaltung der großen Projekte als auch bei solchen kleineren Vorhaben sehen Roschlau und Mahr den wesentlichen Unterschied zu früheren städtebaulichen Maßnahmen, wie sie in den 90er in Trunstadt und Viereth durchgeführt wurden. "Früher wurden städtebauliche Projekte von der Gemeinde abgearbeitet, heute gibt es viel mehr Spielraum für die Bürger", merkt Mahr an. Und er hofft, dass diese ihn auch nutzen.

Die ISEK-Aktivitäten und Ergebnisse hat die Gemeinde auf ihre Homepage gestellt.