In schützende Decken gehüllt schwebte Maria am Alten Rathaus vorbei am Haken eines Kranes, der die knapp eine Tonne wiegende Skulptur aus Schilfsandstein sanft auf den Sockel setzte. Das war Millimeterarbeit. Denn die Bohrlöcher in der Fußplatte der Muttergottes mussten die Dübel treffen.
"Von allein kann die Figur nicht mehr umfallen!", erklärte Steinrestaurator Ulrich Bauer-Bornemann, der das 300 Jahre alte Objekt in seiner Werkstatt für die nächsten Wetter- und sonstigen Kapriolen präpariert hat: "Geklebt, gedübelt, nachmodelliert", beschrieb der Fachmann kurz seine Monatelange Arbeit.
Bei einem Gewittersturm im Juni 2017 war ein starker Ast auf die Kreuzigungsgruppe an der Oberen Brücke gestürzt, so dass die Figur der Maria umkippte und zerbrach. Nach der Bergung wurde die Marienfigur zu Bauer-Bornemann gebracht, begutachtet und restauriert. Jetzt ist die überlebensgroße Skulptur wieder an ihrem angestammten Platz und vervollständigt "das bedeutende Denkmal am Ensemble Altes Rathaus und Obere Brücke", wie Michael Krüger von der Unteren Denkmalschutzbehörde die Kreuzigungsgruppe einordnete. Er hat seitens der Stadt Bamberg die Restaurierung betreut.
Die Kreuzigungsgruppe des Bildhauers Johann Leonhard Gollwitzer wurde 1715 von Johann Philipp Cache und Johann Friedrich Rosenzweig gestiftet. Die "Qualität volle, üppige Gruppe" (Bauer-Bornemann) wurde 2017/18 turnusgemäß restauriert. Sie zeigt auf der unteren Ebene die Evangelisten Lukas, Matthäus und Markus mit flankierenden Engeln. Auf der oberen Ebene steht das Kruzifix im Mittelpunkt, rechts davon Maria Magdalena und der Evangelist Johannes, linkerhand Maria. Mit ihrer Rückkehr ist nun die Sanierung der Kreuzigungsgruppe abgeschlossen.
Die Kosten für die Instandsetzung der Skulptur belaufen sich auf rund 30 000 Euro und werden zunächst von der Stadt Bamberg getragen. Eine Privatspende und Mittel aus der Stiftung Weltkulturerbe Bamberg refinanzieren die Maßnahme.