Vor genau neun Jahren hat der FT Bamberg getitelt: "Maisel-Bräu-Gelände soll bebaut werden". Doch passiert ist seither nichts Greifbares - außer der Verfall des markanten Ziegelbaus an der Moosstraße. Jetzt keimt erneut Hoffnung auf. Dort, wo aktuell ausrangierte Badewannen und Waschmaschinen vergammeln, soll ein Vorzeigeprojekt entstehen. Die treibenden Kräfte: die Postler-Projekt-GmbH, das Don-Bosco-Jugendwerk, Regens Wagner und die federführende Joseph-Stiftung.

Was Reinhard Zingler aus dem Vorstand des kirchlichen Wohnunternehmens im Bausenat des Stadtrates vorstellte, war die Vision von einem urbanen, sozialen Quartier mit vielen Facetten. Laut Zingler sollen rund 70 Wohnungen entstehen, mit und ohne soziale Preisbindung. Außerdem sieht der Plan eine Sozialstation mit Tagespflege und eine Kindertagesstätte vor. Regens Wagner will eine Förderstätte mit Wohnungen und Werkstätten für Menschen mit Schädel-Hirntrauma einrichten. Das Don-Bosco-Jugendwerk will die Bartolomeo-Garelli-Schule für emotionale und soziale Entwicklung ansiedeln. Die Kinder, aber auch Bamberger Vereine sollen in einer Sporthalle Basketball spielen können.

Bleibt noch die Frage: Was soll mit dem denkmalgeschützten Ziegelbau der ehemaligen Maisel-Brauerei geschehen? "Hier sind Büros geplant und auch Praxisräume, zum Beispiel für Physiotherapie oder Ähnliches", antwortete Zingler.

Vorsichtige Euphorie

Wieder einmal gibt es also wohlklingende Pläne für das 25 000 Quadratmeter große Areal, das sich von der Oberen Schildstraße bis Zum Eichelberg hinzieht. Und diesmal ist die Hoffnung im Stadtrat groß, dass davon auch in der Realität etwas ankommt.

Im Bausenat herrschte vorsichtige Euphorie. "Es ist in höchstem Maße erfreulich, dass dort etwas passiert und dass unsere Bamberger Joseph-Stiftung sich hier so engagieren will, wie wir es schon lange nicht mehr erlebt haben", lobte Franz-Wilhelm Heller als Fraktionssprecher der CSU. "Dieses Gebiet schreit regelrecht nach einer Aufwertung." Heinz Kuntke (SPD) sah eine Stärkung der Stadtteile "jenseits der Bahnlinie", wie er es nannte.

"Das wird ein Leuchtturmprojekt", schwärmte Emil Hartmann, Leiter des Don-Bosco-Jugendwerks Bamberg. "Hier entsteht etwas für Menschen, die Hilfe nötig haben." In der Bartolomeo-Garelli-Schule werden aktuell 47 Kinder unterrichtet. "Wir können den Bedarf nicht decken, wir sind sehr eingeengt." Seit 14 Jahren suche er nach neuen Räumen. Sporthalle, Werkbänke, Fachräume: Am Maisel-Gelände könnten die Klassen 1 bis 9 sowie Vorschulkinder betreut werden, freut sich Hartmann, der Stadt und Landkreis sowie Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) für die Finanzierung durch den Staatshaushalt dankt.

Im Bausenat regte Kuntke an, die Stadt solle sich in dem neuen Quartier nach Kräften einbringen. Er mahnte aber auch: Erst wenn eine tatsächliche Konzeption vorliege und das Bebauungsplanverfahren eingeleitet sei, habe man etwas Greifbares.

Aussicht über die Stadt

Denn seit der Maisel-Pleite ist nicht viel passiert. Die Postler-Projekt-GmbH hat damals die Immobilie aus der Insolvenzmasse der Traditionsfirma gekauft. Geschäftsführer Gerhard Haßfurther schwärmt von der Aussicht über die Stadt, von gusseisernen Wendeltreppen und markanten alten Fliesen und Brauerei-Utensilien. Doch trotz des Potenzials ist das Projekt nie über Vorplanungen hinausgekommen. Nun endlich soll das Schmuckstück aus der Mottenkiste gehoben werden - mit der Joseph-Stiftung als Zugpferd.

"Es freut mich, dass die Joseph-Stiftung, die nach dem Krieg die meisten Wohnungen gebaut hat, wieder Interesse hat an Bamberg", sagte Norbert Tscherner (BBB) im Bausenat. Herbert Lauer (BA) sah es ähnlich positiv. Er sitzt selbst im Stiftungsrat. Bedenken hatte Kuntke wegen des Wäldchens im hinteren Bereich des Areals. Eine Steilvorlage für die Grünen: In Zeiten des Klimawandels und einer aufgeheizten Stadt wolle man das Grün nicht missen, sagte Fraktionssprecher Ralf Dischinger. Es brauche in dem urbanen Quartier außerdem einen Nahversorger. "Wir sollten nicht von vorn herein Bedenken schüren", mahnte Daniela Reinfelder (BuB).

Wie geht es jetzt weiter?

Nachdem der Bausenat grundsätzlich grünes Licht gegeben hat, startet das Verfahren. Das Industrie- und Gewerbegebiet soll zu einem Mischgebiet für ein urbanes Quartier werden. Nun müssen die Planer ihre Hausaufgaben machen und konkrete Detail-Konzepte vorlegen. "Wir hoffen, dass im März oder April das Bebauungsplanverfahren starten kann", erklärte Stefanie Henke, die Projektmanagerin der Joseph-Stiftung.

Kommentar des Autors:

Die Bamberger Joseph-Stiftung wurde 1948 für den Zweck gegründet, eine angemessene und sozial vertretbare Verbesserung der Wohnungsversorgung insbesondere im Erzbistum zu schaffen. Zwischen 1000 und 1500 Wohnungen hat sie seither in Bamberg gebaut. Heute hat sie in der Stadt 637 Wohnungen im Bestand, plus 240 Plätze in Studentenwohnheimen. Sie verwaltet außerdem 1650 Wohnungen in Eigentümergemeinschaften plus 160 Mietwohnungen, dazu einige Gewerberäume. In den vergangenen zehn Jahren hat die Joseph-Stiftung 460 Mietwohnungen fertiggestellt - allerdings meist im Raum Nürnberg. In Bamberg nur 29! Die Zahlen zeigen den Einfluss der Stiftung auf den Bamberger Wohnungsmarkt - und wie sehr ihr Engagement zuletzt ruhte. Zum Ruhen gebracht worden ist. Nun steht also eine doppelte Reaktivierung an: die des Maisel-Areals und die der Joseph-Stiftung als Wohnungsbauer.

Info: Maisel

Gründung Die Brauerei Maisel wurde 1894 von den Brüdern Rudolf, Andreas und Thomas Maisel gegründet. Die Abkömmlinge einer bekannten fränkischen Brauerfamilie erworben an der damals noch weit vom Stadtzentrum entfernten Moosstraße ein riesiges Grundstück (22 000 Quadratmeter) und begannen mit dem Aufbau einer neuen Großbrauerei.

Gebäude In den folgenden Monaten entstanden die stolzen Backsteingebäude der "Gebrüder Maisel", wie es in dem Buch "Bamberg - die Hauptstadt des Bieres" heißt. Die Braustätte war ausgerüstet mit der damals modernsten Technik und sogar einem eigenen Gleisanschluss ans Gelände.

Ende Erbstreitigkeiten, mehrfache Besitzerwechsel, Managementfehler: Bis ins Jahr 2000 blieb die Braustätte im Besitz der Familie Maisel, ehe das Unternehmen veräußert wurde. Im Sommer 2008 meldete es Insolvenz an.

Insolvenzmasse Diese kaufte die Postler-Projekt-GmbH mit Hauptsitz in Lauter.