"Der Po" ist heute nicht da. Er hat versprochen, noch ordentlich Rad zu fahren, um sein Gesäß zu optimieren. Für die Optik. Denn es geht ums Detail: ein Po im Stringtanga und darüber Lederchaps... die Mädels haben genaue Vorstellungen. Sie planen voller Vorfreude und in fast verschwörerischer Runde. Die hat heute zum Casting geladen: Die Kremmeldorfer Stall-Girls veranstalten ein Probeshooting für ihr ambitioniertes Projekt - den Stallkalender 2014. "Fränkisches Stallgeflüster" so lautet der Titel... Und "der Po" ist fest eingeplant.

Bevor alle anderen Models - außer "dem Po" auf der Reitanlage eintrudeln, haben sich die Mädels rund um die Biertischgarnitur versammelt. Teresa hat, etwas verlegen, ihren "Stallburschenkalender" auf den Tisch gelegt. Als Anschauungsmaterial sozusagen. CD und Einzelbilder. "Die sind doch schleimig!" Carolin rümpft die Nase. Viel zu schön und zur Stallarbeit wohl absolut ungeeignet, lautet der Kommentar der Mädelsrunde. Die Teilzeit-Kremmeldorferinnen wollen es anders machen. Alles.

Männer waren zu perfekt
Teresa entschuldigt sich fast dafür, dass sie diesen Stallkalender besitzt. Gekauft hat sie ihn jedenfalls nicht. Sondern geschenkt bekommen in einem Pferdeversandhaus, in dem ein Model des "Stallburschen-Kalenders" auf Promotion-Tour war. Teresa wurde mit ihm fotografiert und erhielt wenig später Post: mit "ihrem" Foto und dem Kalender. Den hat sie aufgestellt. Auf der Arbeit. Aber doch eher versteckt, wie sie sagt. Denn irgendwie passen diese Männer nicht, findet sie. Zu perfekt, lautet das übereinstimmende Urteil der Kremmeldorfer Reiterinnen. Das könne man doch besser machen, befanden sie, als man in fröhlicher Runde Ende Juli herumgeblödelt und fantasiert hat. "Wir wollen echte Landjungs," präzisiert Carolin.

Nun jedenfalls soll die Schnapsidee Realität werden. Teresa, Linda, Dorit, Carolin, Michaela, Steffi, Nadine, Sybille und wie sie sonst noch alle heißen, haben einen Aufruf über die Facebook-Seite des Stalles gestartet: Darin wurden attraktive, sportliche Männer, ab 21 Jahren gesucht, Ganzkörperbilder erbeten, Tatoos erwünscht und bei Tierhaar-Allergie vor einer Teilnahme abgeraten. Die Gage? "Bier und Grillgut ist vorhanden", war da zu lesen. Keine zehn Minuten nach dem Post, hatte man bereits den ersten Bewerber, lachen die Kalendermacherinnen. Wer das war, "ein Wildfremder". Viele der Models sind Bekannte der Reiterinnen oder Bekannte von Bekannten, die sie angesprochen haben. Im Radius von bis zu 25 Kilometer um Kremmeldorf. Damit sie für ein Shooting rasch zur Verfügung stehen können. Denn der Zeitpunkt hängt vom Wetter ab.

Mittlerweile sind genügend Männer beisammen, um alle zwölf Monate zu bestücken. Die Kalendermacherinnen haben den Anspruch, für jeden Geschmack einen Mann zu bieten - also groß bis klein, blond bis dunkel, üppige Haarpracht oder glattrasiert, im Alter ab 20 und bis 50. Frank, Dominik, Matthias, Marcel sowie die je beiden Michaels und zwei Andreas bieten in der Tat eine breite Palette.

Teils zögerlich oder betont cool kommen die Kandidaten ins Casting-Zentrum, also zur Biertischgarnitur. Trotz bereit gestelltem Getränkeangebot und Knabberzeug kommen die Formalitäten zuerst: Die Models müssen ihre Verträge unterzeichnen. Worin sie nicht nur persönliche Daten preisgeben, sondern sich auch mit den Konditionen einverstanden erklären.

Mit der studierten Grafikdesignerin Dorit Osang und Fotografin Nadine Sailer haben die Kalender-Macher schließlich Profis in ihren Reihen. Und die beiden hatten zu Beginn gesagt, dass sie das Projekt für machbar halten. Investieren müssen die Mädels aber erst einmal rund knapp 1000 Euro für das Projekt. Ziel ist die Kostendeckung und ein kleiner Überschuss, um Stallprojekte zu fördern und auch noch für einen guten Zweck zu spenden.

Keine 08/15-Bilder
Zurück zum Kalenderprojekt. Wichtig ist allen, es sollen keine 08/15-Bilder werden. Bei den Motiven gibt es auch schon Vorstellungen - Männer bei der Stallarbeit - mit Füttern, Misten, Putzen, aber auch Streicheln oder Führen der Pferde. Kein Problem, signalisieren die Models. Sie müssen maximal den Oberkörper frei machen. Kein Problem. Die Models sind gut drauf. "Wir kommen zum Reiten", versucht sich einer im Scherz.


Dann wird es ernst. Probeaufnahmen mit Pferd. "Männers, mitkommen," dirigiert die Fotografin. Jetzt müssen alle zeigen, dass sie keine Berührungsangst haben - vor Minishetty "Elmo". Die Fotografin braucht die Probebilder, um zu entscheiden, wer sich für welches Motiv eignet. "Soll ich den mal hochheben", fragt Michael mit Blick auf Elmo. Kurz zuvor wollte er noch wissen, ob er noch etwas abnehmen soll... Einer nach dem anderen wagt sich ans "Pferd". Test bestanden. Die Zuschauer jubeln.

Keine Rückzieher
"Noch Fragen", fragen die Casterinnen, "Rückzieher?" Jeweils keine. Wann's weitergeht hängt vom Wetter ab. Nachdem Fotografin Nadine festgelegt hat, wen sie für welches Motiv möchte, werden die Männer über ihre Shooting-Termine per Mail informiert. Mitzubringen sind coole Jeans, Arbeitsschuhe und wenn möglich Latzhose.Den Rest haben die Mädels vor Ort. Ist alles im Kasten, wird gefeiert mit Heimfahrservice für die Männer. Die kriegen als Salär die besten Fotos von sich und einen Kalender. Michael ordert jetzt schon 20, so groß ist das Interesse im Bekanntenkreis des 33-Jährigen. Bei geplanten 250 Kalendern ein guter Anfang, finden die Reiterinnen. Stolz auf das Hobby-Modeln sei ihr Umfeld, geben die künftigen Mister Januar bis Dezember zu verstehen. Noch am Wochenende soll's nach Möglichkeit losgehen. Ob "der Po" da in Form ist?