Ein Nachtwächter mit schwarz-rot-gelber Vuvuzela und Besenstiel betritt die Bühne der Haas-Säle. Er entwirft eine düstere Zukunftsvision: Wir schreiben offensichtlich das Jahr 2063, Deutschland ist zum achten Mal zum Land der Senioren gekürt worden, die FDP hat sich aufgelöst und der steigende Meeresspiegel verschluckte Holland. Die emigrierten Bewohner haben sich deshalb mit ihren Wohnwägen entlang deutscher Autobahnen angesiedelt, so dass der Gouda nun aus Haßfurt kommt.

So begrüßt Mäc Härder das Premierenpublikum in seinem neuen Programm "Die Radieschen von oben". Allerdings: So wirklich neu waren diese Ideen nicht. Wer sich an sein zurückliegendes Programm, "Bamberg all inclusive" erinnert (oder einmal in den Archiven blättert), bemerkt da doch erstaunliche inhaltliche Parallelen. Hier wie da verschwindet der Nachtwächter nach einem kurzen Gastspiel auf Nimmerwiedersehen - was eigentlich schade ist, denn die Idee eines Blickes in die Zukunft hätte sich sicherlich noch ausbauen lassen -, und Mäc Härder macht im ebenfalls bereits bekannten silbernen Anzug mit roten Schuhen weiter.

Dabei springt er munter von einem Thema zum nächsten, um nie lange bei einem zu verweilen: Die lange Liste nationaler und internationaler Gedenk- und Aktionstage nimmt er aufs Korn, aber ebenso den zunehmenden Gebrauch von Anglizismen im Deutschen wie auch den Sprachwandel im Allgemeinen. Das ist bisweilen durchaus originell und kurzweilig, gerade wenn er über den Ursprung des Fränkischen sinniert, allerdings gleicht es mitunter auch einer einfachen Aneinanderreihung von Sprachspielen und Witzen. Ebenfalls immer für einen Lacher gut und von daher beliebte Kabarett- und Comedy-Themen: Kinder (die eigenen), Kindheitserinnerungen (ebenfalls die eigenen), Klischees und Vorurteile (über andere) und der Klassiker: Männer und Frauen.

Dem Publikum jedoch gefiel's, sogar der nach Aussage des Comedian am tiefsten im Niveau gesunkene Witz des Abends - welcher das ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten, es soll ja spannend bleiben - und so verlangte es am Ende ganz artig nach einer Zugabe. Die bekam es auch, wobei Härder hier von Anfang an zugab, bei sich selbst geklaut zu haben.

Mit solchen Geständnissen war er während des etwa zweistündigen Programms allerdings nicht ganz so großzügig: Über skurrile Todesanzeigen gibt es immerhin nicht erst seit gestern ganze Bücher. Und die Sache mit der geschiedenen Barbie...Facebook lässt grüßen.

Das Politische, Gesellschaftskritische, das Kabarett doch sonst oft ausmacht? In "Die Radieschen von oben" nimmt es nicht viel Platz ein und bleibt recht oberflächlich. Vielleicht ist Mäc Härder ja selbst ein wenig altersmilde geworden; es würde zu der Vision des Nachtwächters einer überalterten Gesellschaft passen. Darauf muss man sich jedenfalls einstellen, wenn man den Besuch einer Vorstellung dieses Programms in Erwägung zieht. Und die Zuschauer schienen darauf eingestellt, oder doch zumindest froh darüber, nicht mit der harten Realität konfrontiert zu werden. Insofern waren nach dieser Premiere also alle zufrieden.