Und wenn dann die Zeit gekommen ist und Georges, der Anne gerade noch mit einer alten Kindergeschichte in den Schlaf gesprochen hat, seine Frau in einem letzten endgültigen Liebesakt fest an sich drückt - fühlt man mit, erlebt einen der ganz großen Augenblicke der Kinogeschichte.

Mit Seniorenerotik hat der preisgekörnte Film "Liebe" von Michael Haneke aber absolut nichts zu tun. Wohl mit einer tiefen, zärtlichen Liebe eines alten Ehepaares, die sich in schwerster Krankheit und im Sterben bewährt. Der Film thematisiert die Verzweiflung, die durch Überforderung in der Pflege eines Angehörigen entstehen kann, den hohen körperlichen und psychischen Einsatz aller Beteiligten, die Scham der Bedürftigen aufgrund ihrer Gebrechlichkeit. Der Bamberger Hospizverein ermöglicht es, diesen Film so auszuhalten, dass förmlich die letzten Schritte von Georges und Anne mitgegangen werden können. Unter dem Motto "Lebenswege - Ich geh ein Stück mit dir..." lädt der Hospizverein anlässlich des Welthospiztages (12. Oktober) zu diesem Kinoabend am Mittwoch, 16. Oktober, ein - mit anschließender Gesprächsrunde.

"Wir wollen mit dieser Veranstaltung sensibel machen für die Frage, was Menschen in schwierigen Lebenslagen und in ihrer letzten Lebensphase brauchen, und was wir tun können", erklärt Konrad Göller, Vorsitzender des Hospizvereins. Zugleich solle Mut gemacht werden, den Blick zu den Mitmenschen zu wagen. Manchmal bestehe der Bedarf zum Helfen direkt nebenan, so Göller: "Wir brauchen einen achtsamen Nachbarn", gerade auch in den schwer erreichbaren ländlichen Regionen, in denen eine Flächendeckende Palliativversorgung kaum möglich sei.

Der Kinoabend mit Fachleuten könne dazu beitragen, den Blick auf Handlungsmöglichkeiten bei eventueller eigener Betroffenheit zu weiten und die Solidarität in Gemeinschaft zu fördern. Denn "Einsamkeit und Verzweiflung von Betroffenen in schwerer Krankheit und am Lebensende kann durch die Achtsamkeit der Gemeinschaft gelindert oder sogar verhindert werden", ist sich Konrad Göller sicher. Flammend klingt sein Appell: "Wir dürfen nicht wegsehen - schwerstkranke und sterbende Menschen gehören in die Mitte unserer Gesellschaft." Das Sterben als ein Teil des Lebens "geht alle an". Nicht nur die ehrenamtlich Mitarbeitenden in der Hospiz-Bewegung, die "ein Vorbild für einen würdigen Umgang mit Bedürftigen in unserer Gesellschaft sind", sagt der Vereinsvorsitzende.

Natürlich wolle der Kinoabend auch Interesse an der Hospizarbeit wecken, die im Christine Denzler-Labisch-Haus geleistet werde: "Hospizarbeit hilft im Leben, schenkt Zeit, versucht Normalität im Alltag zu stärken, indem sie Alltägliches unterstützt", wirbt Konrad Göller für ein persönliches Gespräch im Kino-Café mit Hospizhelfern. Bereits am Vormittag läuft der Generationenfilm "Und wenn wir alle zusammenziehen" für Schüler in der Altersgruppe 15 bis 18. Auch für sie stehen Gesprächspartner aus Medizin, Seelsorge und Hospiz zur Verfügung. Die Schulklassen mussten sich anmelden, das Kino ist völlig ausgebucht.

Film Der Bamberger Hospizverein lädt alle Interessierten (FSK 12) am Mittwoch, 16. Oktober, 18 Uhr, in das Odeon-Kino, Luitpoldstraße 25, ein. Dank der Unterstützung der Firma Bosch Bamberg ist der Eintritt frei. Gezeigt wird der Film "Liebe" von Michael Haneke mit Jean-Louis Trintignant, Emmanuelle Riva und Isabelle Huppert in den Hauptrollen. Der Film gewann 2012 die Goldene Palme der Internationalen Filmfestspiele in Cannes und 2013 einen Oscar sowie weitere Auszeichnungen.

Gespräch Nach der Filmvorführung stehen mehrere Gesprächspartner zur Verfügung: Dr. Brigitte Lotter (Palliativmedizinerin), Markus Starklauf (Diplom-Theologe, Seelsorger der Spezialisierten ambulanten Palliativversorgung SAPV), Konrad Göller (Vorsitzender Hospizverein), Silke Kastner und Priska Lauper (Koordinatorin im ambulanten Hospizdienst), Anegret Schubothe (Hospizmitarbeiterin der Arbeitsgruppe Trauer), Marlene Groth, Monika Schauer, Margaretha Wagner (Hospizhelferinnen).