600 Arbeiter schuften täglich, verteilt auf 5,8 Hektar Fläche. Irgendjemand arbeitet immer, es soll zügig vorwärtsgehen. Denn bis 2015 soll alles fertig sein: Aus der Industriebrache des Schaeffler-Firmengeländes soll ein neues Stadt-Quartier werden, mit Wohnungen für Studierende, Singles, Paare, Familien und Senioren.
"Derzeit wird an jedem Gebäude parallel gearbeitet, wir sind in der Hochphase des Baus angekommen", sagt Thomas Scherer, Gesellschafter des Bauträgers, der "Denkmalneu-Gruppe", vor Ort. Entsprechend schaut es hier auch aus: meterhohe Schutthaufen, tiefe Baggerspuren im Matsch, Diesel- und Lackgeruch in der Luft und überall Gerippe von zukünftigen Häusern.

Vor einem bleiben Thomas Scherer und Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) stehen. Hier wachsen Reihenhäuser für Familien aus dem Boden. Teilweise werden sie neu gebaut, teilweise innerhalb historischer Stahlkonstruktionen errichtet. "Mir gefällt der Denkmalaspekt, alte Gebäude werden hier revitalisiert", sagt Starke. Das gilt nicht nur für die Reihenhäuser.

Auf dem gesamten Areal sollen historische Gebäude in ihrer Grundstruktur erhalten bleiben und einer neuen Nutzung zugeführt werden, wie Scherer erklärt. "Es wäre einfacher gewesen, das Alte plattzumachen."
Doch genau das passiert bei "Schaeffler 2.0", wie das Projekt offiziell heißt, nicht. Wer sich zum Beispiel für eine der sanierten Eigentumswohnungen im Reihenhausstil interessiert, hat in der Dachkonstruktion noch den alten Stahl. Aktuell hat der Verkauf der Häuser begonnen, Thomas Scherer erläutert: "Sie werden Anfang 2015 fertig. Ein Drittel der Häuser wird gefördert." Der Quadratmeterpreis liegt bei 2790 Euro.

OB Starke betont: "Es ist eines unserer städtebaulichen Ziele, bezahlbaren Wohnraum für junge Familien zu schaffen. Deswegen erhalten sie im Rahmen des Wohnbaulandmodells Vorzug und preisliche Vorteile."
Ein weiteres Ziel, nämlich studentischer Wohnraum, ist zum Teil schon verwirklicht: In der "Alten Schlosserei" wohnen bereits seit einem Jahr Studierende in 121 Wohnungen. Auch in der "Alten Werkshalle" und im "Spitzeck-Haus" werden Studierende einziehen.

Die "Townhouses" sind dagegen allgemein für "Junges Wohnen" ausgelegt, die "Schaeffler 2.0-Lofts" für gehobenes Wohnen, ebenso "Villa und Kantine". Die Wohnungen im "Kraftwerk" sind barrierefrei und so konzipiert, dass sie sich für betreutes Wohnen eignen. Wo sich die einzelnen Gebäude auf dem Gelände befinden, zeigt untenstehende Grafik.

"Die Grundidee von uns und der Stadt war: keine Monokultur, sondern eine gemischte Nutzung", sagt Thomas Scherer von der "Denkmalneu-Gruppe". Die Investitionssumme des Immobilienunternehmens liegt bei rund 100 Millionen Euro. Weitere Zahlen: insgesamt 30 000 Quadratmeter Nettowohnfläche auf dem Areal, 750 Stellplätze, ein Bürogebäude mit 3500 Quadratmetern Fläche und vier öffentliche Plätze.
Außerdem soll "Schaeffler 2.0" komplett autofrei gehalten werden. Dafür sollen zwei Parkhäuser sorgen. Zur zentralen Parkanlage in der Mitte des Geländes erfolgt die Zufahrt unterirdisch.
Eine zweite Parkgarage liegt direkt an der Lichtenhaidestraße. Sie ist lang gezogen, "damit eine Abgrenzung zum Industriegebiet besteht", wie Scherer erläutert.

Laut seiner Aussagen sind bereits 80 Prozent des Geländes an Einzeleigentümer veräußert, auch die verbliebenen 20 Prozent sollen noch verkauft werden. "Aber wir überlegen gerade, das Bürogebäude und die Parkgarage zu behalten", sagt der Geschäftsführer der "Denkmalneu-Gruppe".
Ende 2015 will er nach rund viereinhalb Jahren Bauzeit fertig sein mit dem neuen Stadt-Quartier mit historischen Wurzeln. Der Termin soll eingehalten werden - "denn unser Ziel ist es, fertig zu sein, bevor wir mit dem Konversionsgelände beginnen", wie Oberbürgermeister Andreas Starke sagt.

Die beiden Männer stehen mittlerweile vor den zukünftigen "Lofts", jenem Gebäude mit dem markanten Schaeffler-Schriftzug, das von der Straße aus gut zu sehen ist. Der große Zentrumsbau ist bereits komplett verkauft. Aktuell ist noch nicht viel mehr zu sehen als ein Stahl- und Betonskelett. Die Studentenwohnungen in der "Alten Werkshalle" sind dagegen so gut wie fertig. Ab 1. Februar können die ersten Studierenden einziehen. Sie werden in Zimmern mit neuen Bädern, Böden und Möbeln wohnen - und in vier Wänden, die den Blick auf das alte Backsteinmauerwerk der ehemaligen Werkshalle frei geben.