"Es gab nicht viel Diskussion", erzählt der Berliner Schriftsteller Sherko Fatah. Schnell waren sich die beteiligten Autoren, Lektoren und Karin Lange vom Literaturhaus München einig. 20 Studierende aus sechs bayerischen Universitäten überzeugten mit ihren Bewerbungstexten zum Thema "Sucht und Traum". Auch drei Studenten der Uni Bamberg hatten sich für die "Bayerische Akademie des Schreibens" qualifiziert.

Am Freitagabend präsentierten sie und die 17 anderen ihre Texte bei einer Lesung in der Villa Concordia. Voraus gegangen waren drei Blockseminare, in denen die Teilnehmer ihre Arbeiten vorgelesen und untereinander diskutiert hatten.



Der Weg dahin war lehrreich. "Unsere Dozenten haben uns wirklich ernst genommen", erzählt Amelie Reichenbecker von der Universität Bamberg. Immer im Abstand von drei Monaten kamen sie wieder zusammen.

Für Amelie war besonders die offene Kritik in den Seminaren hilfreich. Auch Autor Sherko Fatah zeigt sich von der Zusammenarbeit begeistert: "Wenn uns auffiel, dass ein Text irgendwo Schwächen aufweist, dann haben wir darüber geredet." Die Anregungen stießen auch nicht auf taube Ohren, vielmehr begegnete Fatah dialogbereiten Teilnehmern.

Schon bei den Bewerbungen hatte für die Organisatorin Karin Lange vor allem eins gezählt: "Der Umgang mit Sprache." Bereits zum zweiten Mal war es Karin Lange vom Literaturhaus München gelungen, Autoren, Lektoren und einen Literaturkritiker für das Projekt zu gewinnen. Auch das Bayerische Kunstministerium fördert die Akademie.

Sherko Fatah suchte bei den Bewerbern nach einem "individuellen Ausdruck und nach vorhandenen gestalterischen Mitteln".

Literaturbetrieb kennenlernen
Bei seiner Arbeit mit den Studenten hatte er sich ein weiteres Ziel gesetzt: "Wir wollten die Teilnehmer über die Mechanismen des Literaturbetriebs aufklären."

Zu Beginn seiner eigenen Autorenkarriere hatte er Unterstützung vom "Literarischen Colloquium Berlin" erfahren. In einem halben Jahr erhielt er dort das notwendige Rüstzeug in einer Schreibwerkstatt. Die Erfahrungen von damals helfen ihm auch heute als Dozent für die Schreibakademie.

Genau wie für Amelie steht für Jasmin Elagy und Severin Spies von der Uni Bamberg aber die Arbeit an den Texten und der Austausch untereinander im Vordergrund. Sie wollen sich offen halten, wohin es beruflich in der Zukunft hingehen wird. "Es war auf jeden Fall eine lohnende Erfahrung. Egal, ob sich daraus noch etwas entwickelt", resümiert Severin kurz vor Beginn der Lesung, die für viele die erste öffentliche Präsentation ihrer Texte ist.

Für Amelie ist es eine Lebenseinstellung: "Wenn man schreiben will, dann möchte man es eigentlich nonstop tun. Ich könnte damit einfach nicht aufhören." Doch auf der anderen Seite ist allen die schwierige wirtschaftliche Situation von Autoren bewusst. "Man muss realistisch bleiben. Es können eben nur wenige von diesem Beruf leben", fasst Amelie zusammen.

Staunen in der Fremde
Momentan schreibt sie Kurzgeschichten. In ihrem Text, den sie in der "Villa Concordia" vorstellt, geht es um eines ihrer zentralen Themen. "Bei mir geht es oft um das Staunen, wenn eine Person in einen komplett anderen Kulturkreis hineinkommt. Um das Arrangieren in einem neuen Lebensumfeld."

In den Seminaren hat sie sich bereits weiterentwickelt. "Man reift ja über die Zeit. Ich bemerke, dass mein Handlungsfaden immer länger wird", erklärt Amelie. Auch wenn ein Roman nicht ihr erklärtes Ziel ist, wäre das eine Herausforderung für sie: "Wenn es sich eben ergibt."