Ein Jahr nach dem Spritzmittelunfall am Leitenbach sind zumindest die wirtschaftlichen Folgen des Fischsterbens geklärt. Nach einigem Hin und Her erhalten die Fischerei berechtigten von der Versicherung des Verursachers Geld für einen Neubesatz des Gewässers, wie Thomas Speierl, Fischereifachberater des Bezirks Oberfranken auf Nachfrage berichtet. Doch bis Äschen, Forellen und Edelkrebse den Leitenbach zwischen Wiesengiech und Hallstadt wie vor dem Unglück im Mai 2017 bevölkern werden, wird es noch drei bis fünf Jahre dauern, schätzt der Experte. Das habe unter anderem aber auch damit zu tun, dass die Verfügbarkeit von Satzfischen nicht allzu groß sei. Auf den Produzenten laste ein hoher Druck durch Kormoran und Otter. Der Neubesatz könne nun aber nach und nach beginnen.

Ist damit am Leitenbach schon wieder alles im grünen Bereich? Wie Georg Seidl, beim Wasserwirtschaftsamt Kronach für Bamberg zuständiger Abteilungsleiter, dazu ausführt war die Wasserqualität am Leitenbach sechs Tage nach dem Vorfall in Ordnung. Die vom Wasserwirtschaftsamt veranlasste gewässerbiologische Untersuchung wurde zusammen mit der Regierung an vier Messstellen oberhalb und unterhalb der Unfallstelle vorgenommen.
An allen Stellen, so Seidl, kamen Arten wirbelloser Kleintslebenwesen vor, ebenso robuste Arten wie einzelne Bachflohkrebse, Eintagsfliegenlarven, Köcherfliegenlarven, Egel und Asseln.

"Oberhalb und unterhalb der Einleitungsstelle konnte kein signifikanter Unterschied in den Individuenzahlen festgestellt werden." Es seien gute Bedingungen für eine Wiederbesiedlung gegeben.

Drei Tage nach der gewässerbiologischen Untersuchung beprobte das Amt den Leitenbach und untersuchte diesen speziell auf Fungizit-Rückstände und zwar an fünf Stellen oberhalb und unterhalb der Unfallstelle. Der Befund des Landesamtes für Umwelt,so Seidl weiter, wies Rückstände von Fungiziden in allen Proben unterhalb Wiesengiechs nach. Die Umweltqualitätsnormen beziehungsweise gesundheitliche Orientierungswerte des Bundesumwelltamtes seien jedoch nicht überschritten worden. "Insgesamt wies der nachgewiesene Pflanzenschutzmittelcocktail auf den Einsatz weiterer- Fungizide und Herbizide in der Region hin." Das solle zwar nicht ein, finde aber statt.

Zurück zum Unfall: Bei diesem waren 1000 Liter eines landwirtschaftlichen Spritzmittelcocktail bei Wiesengiech in den Leitenbach gelangt. Danach wurde bis hinunter in den Main ein massives Fischsterben beobachtet. Zwar konnte ein Großteil des vergifteten Wassers am Wehr bei Drosendorf von Feuerwehren gestoppt und abgepumpt werden. Doch sechs Tage später fanden Mitarbeiter der Fischereiberatung bei einer Kartierung zwischen Wiesengiech und Gundelsheim keinen einzigen lebenden Fisch vor.

Nach einem Monat war zumindest bis zum Wehr in Gundelsheim ein reges Fischleben zu beobachten. Und eine Untersuchung des Wasserwirtschaftsamtes ergab damals, dass Kleinstlebewesen wie Eintagsfliegen, Asseln, Bachflohkrebse und Egel die Giftwelle überlebt hatten, das Nahrungsspektrum für Fische also nahezu unversehrt geblieben war.

Könnte sich der Leitenbach also auch durch natürliche Zuwanderung aus dem Main und dem unbelasteten Oberlauf selbst regenieren? Zumindest die Durchlässigkeit wäre gegeben. Mit den Fischpässen an den Wehren in Gundelsheim und Drosendorf, die in den vergangenen Jahren geschaffen wurden, können dem Wasserwirtschaftsamt zufolge auf einer Länge von 15 Kilometer Fische von der Mündung in den Main bis Wiesengiech frei wandern.

Doch Fischereifachberater Speierl winkt hier teilweise ab, vor allem, was den Main betrifft. Der Leitenbach sei ein sogenanntes sommerkaltes Salmonidengewässer. Das bedeutet, dass das Wasser hier so gering belastet ist, dass auch empfindliche Fischarten wie Forellen, Äschen - und theoretisch auch - Lachs leben können. Der Main sei dagegen ein sommerwarmes Salmonidengewässer, in dem vor allem andere Fischarten heimisch sind.

Man wird wohl weiter warten und beobachten müssen. "Wie sich die Fischpopulation entwickelt hat, ist dem Wasserwirtschaftsamt nicht bekannt", so Seidl. Nachdem die Wasserqualität Tage nach dem Unfall wieder in Ordnung war, sei derzeit keine spezifische Beprobung geplant.