Nach 50 Jahren kann die Bamberger Lebenshilfe auf eine beeindruckende Erfolgsgeschichte zurückblicken: So besuchen aktuell 240 Kinder und Jugendliche die Bertold-Scharfenberg-Schule, die Heilpädagogische Tagesstätte fördert 180 Kinder und in den Werkstätten der Lebenshilfe finden rund 600 erwachsene Mitarbeiter Arbeit. Ferner bietet die Offene Behindertenarbeit ein breit gefächertes Angebot und in den Wohnheimen der Lebenshilfe finden 132 Erwachsene eine Wohnheimat. Dies berichtete Klaus Gallenz, Vorstandsvorsitzender Lebenshilfe Bamberg e.V., im Rahmen der Feierlichkeit im E.T.A-Hoffmann Theater.

Doch das war nicht immer so: "Die Geburtsstunde der Lebenshilfe Bamberg im Jahr 1964 war geprägt von dem Bemühen der Eltern behinderter Kinder, dass ihre Lieben überhaupt eine Einrichtung wie Kindergarten oder Schule besuchen durften", erinnerte sich Gallenz. Bis zu den 60er-Jahren wurden geistig behinderte Kinder sogar als bildungsunfähig erklärt und von fast allen Fördermöglichkeiten ausgeschlossen. Behinderte Kinder waren für viele ein Makel. Scham und Verstecken waren die Folge. "Es gab auch nur ganz wenige Stellen, die mit Rat und Tat zur Seite standen. Derart betroffene Eltern gab es auch in Bamberg", berichtete Gallenz.

Daher habe man am 7. Februar 1964 die Eltern- und Selbsthilfevereinigung "Lebenshilfe für geistig Behinderte in Bamberg" gegründet. Diese sollte Hilfen für das gesamte Leben entwickeln und anbieten. Allerdings sei dies kein leichtes Unterfangen gewesen, da man so gut wie mittellos dagestanden hätte. Erst im Laufe der Jahre sei es gelungen, mit Unterstützung der Stadt Bamberg, der Regierung, des Bezirks und der "Aktion Sorgenkind" die Isolation zu durchbrechen und den Menschen mit Behinderung die vielfältigsten Hilfen für alle Altersstufen anbieten zu können.

Die Präsidentin des Bayerischen Landtages und Erste Vorsitzende der Lebenshilfe Bayern, Barbara Stamm, würdigte in ihrer Festansprache die Verdienste der Bamberger Lebenshilfe: "Zu Recht feiern wir heute die Lebenshilfe Bamberg, die eine der größten Einrichtungen für Menschen mit Behinderung und psychischer Erkrankung in Oberfranken ist."

Bewährtes bewahren

Die Lebenshilfe sei aber auch eine echte Hilfe im Leben, weil sie zum einen schon immer Bewährtes bewahrt und zum anderen Menschen mit Behinderung und deren Familien immer wieder neue Wege der sozialen Teilhabe erschlossen habe. Und sie begleite die Familien von Anfang an ein Leben lang.

Barbara Stamm lobte auch das Engagement von Hans Müller, der seit Gründungsbeginn an der Bamberger Lebenshilfe aktiv ist, und von Klaus Gallenz, der seit 34 Jahren den Vorsitz innehat.

Hans Müller, der im Namen der Eltern sprach, blickte zurück auf die unterschiedlichen Domizile, welche die Bamberger Lebenshilfe in den letzten fünf Jahrzehnten bewohnt hatte. Dabei erinnerte er an die zwei kleinen Räume an der Promenade, wo es nur einen Schreibtisch und ein paar Stühle gab, sowie an die Unterkunft am Kaulberg, der heutigen Jugendherberge. Aktuell könne man durchaus stolz sein auf den Bau in der Moosstraße.

Ihre Verbundenheit mit der Bamberger Lebenshilfe unterstrichen in einem kleinen Podiumsgespräch auch die bayerische Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU), die beiden Dekane Günter Höfer und Otfried Sperl, Landrat Johann Kalb (CSU), Bezirkstagspräsident Günther Denzler und der Sozialreferent der Stadt Bamberg, Ralf Haupt. Für die nächsten 50 Jahre wünschten sie sich dabei, dass die Lebenshilfe in ihrer jetzigen Form nicht mehr gebraucht werde, da die Inklusion so weit fortgeschritten sei. "Ich wünsche mir, dass wir in Zukunft gleichberechtigt miteinander umgehen und unsere Gesellschaft noch bunter wird", sagte Gesundheitsministerin Melanie Huml.

In einem kleinen Theaterstück zeigte die Laienschauspielgruppe der Lebenshilfe mit dem Stück "Tobak" ihre Vision von Inklusion und einem gemeinsamen Miteinander.