Ein gut gewählter Ort, eine gut organisierte Veranstaltung und ein Ergebnis, das sich nahezu mit dem Spitzenergebnis von vor sechs Jahren - 98,3 Prozent - deckt: Mit 98,17 Prozent küren die CSU-Kreisdelegierten Johann Kalb als ihren Kandidaten, der im kommenden Jahr wieder antreten soll, um in eine zweite Amtszeit als Landrat zu gehen.

Die Steigerwaldhalle, die gute Stube des Marktes Burgebrach, ist geschmackvoll dekoriert und alles für eine Wahl bereitet, die laut Hausherr Johannes Macienjonczyk eine historische werden könnte. Zumindest aber aber sollen die Freunde aus der CSU-Familie ihrem Kandidaten mittels Votum einen richtigen Schub verpassen. Darauf schwört sie sinngemäß der Kreisvorsitzende, MdB und parlamentarische Staatssekretär Thomas Silberhorn mehrfach ein.

Doch die ganz "normalen" Delegierten wissen, worum es geht und formulieren es weitaus pragmatischer: "Kalb soll stark in die Wahl gehen." Deswegen sehen sie diese Veranstaltung als das was sie ist: eine Werbeveranstaltung für den amtierenden Landrat Johann Kalb. Dazu sind von 204 Kreisdelegierten 169 erschienen, ein paar mehr hätten es wohl schon sein dürfen.

Halle gut gefüllt

Egal, die imposante Halle ist gut gefüllt, CSU-Prominenz macht fehlende Delegierte wett: Landtagsabgeordneter Holger Dremel gibt sich die Ehre, dazu der langjährige Stimmengarant und Amtsvorgänger Heinrich Rudrof, der Ehrenkreisvorsitzende und langjährige Bezirkstagspräsident und Landrat Günther Denzler; später stößt auch noch Bundestagsabgeordnete Emmi Zeulner dazu. Von Beginn an anwesend und voll solidarisch mit der Landkreisschwester, Christian Lange, Bamberger CSU-OB-Kandidat. Mit einem CSU-Oberbürgermeister und einem CSU-Landrat wäre vieles um etliches leichter, gibt er zu verstehen.

Mehrfach hätten die Delegierten Gelegenheit, etwas zu äußern, oder gar einen anderen Kandidaten zu benennen - auf dem Stimmzettel ist sogar noch eine Zeile frei unter Kalb - aber in diese Richtung gibt es keinerlei Avancen. Zumindest nicht erkennbar.

Nach einem mehrminütigen epochalen Imagefilm zu den Kalb'schen Landkreis-Errungenschaften der letzten Jahre ergreift der Landrat das Wort, führt im Detail und staatstragend aus, was geleistet wurde, von Bildung, bis Bier, Kultur, Gesundheit, Sicherheit hin zu Mobilität, Demografie, ÖPNV, Integration, Tourismus und etlichem mehr präsentiert er eine Bilanz, die in die Feststellung mündet:

Der Landkreis steht gut da, ist bevölkerungsmäßig auf eine Rekordeinwohnerzahl (147 000) gewachsen, wobei Schulden zurückgefahren wurden und 2020 sogar halbiert werden sollen: "Wir stehen finanziell äußerst gesund da." Dabei ist die Kaufkraft der Bevölkerung gestiegen ist, ebenso die Zahl der Beschäftigten. Dass Wirtschaft Chefsache war und gerade jetzt bleiben muss, zeigt Kalb am Thema Michelin auf. Er möchte den schönsten Landkreis der Welt weiter als Landrat gestalten, schließt Kalb seine Bewerbung.

Bei 169 Kreisdelegierten gibt es 164 gültige Stimmen, davon dreimal "nein", der Rest für ihn, macht 98,17 Prozent. Gerührt und ein bisschen sprachlos bedankt sich Kalb. Zwei Küsse von Gattin Monika und dann eine lange Schar von Gratulanten.

Reaktion bei Herausforderern

Aus Sicht der Herausforderer 2020, so die FT-Nachfrage, war die Nominierung weder für Andreas Schwarz (SPD) noch Bernd Fricke (Grüne) eine Überraschung. Fricke erwartet, dass es eine Stichwahl gibt. Weil Inhalte nicht wesentlich vorangekommen seien - Umwelt, ÖPNV, Strukturwandel. Schwarz wiederum fordert einen neuen Politikstil - die Menschen einzubinden, die Region wetterfest zu machen für die Herausforderungen der Zukunft.

KOMMENTAR:

Den Auftrag erfüllt

Wer auf eine Sensation gewartet hatte, hätte schon die Veranstaltung einer anderen Partei besuchen müssen. Die CSU ist sich bei der Landratskandidatenkür erwartungsgemäß treu geblieben: Immer wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen, schließen sich die Reihen, um dem CSU-Kandidaten den Rücken zu stärken.

Es geht um Signalwirkung, das Signal hat es wunschgemäß gegeben. Alles andere, als den amtierenden CSU-Landrat nicht in eine zweite Amtszeit zu schicken, wäre nach außen wohl auch nicht zu vermitteln, dumm und einfach nur kontraproduktiv gewesen. Die Nominierung war geschickt choreographiert, und falls es Gesprächsbedarf geben sollte, war der zuvor erledigt worden bzw. wird es noch.

Das Bild, das die Veranstaltung vermitteln sollte, Geschlossenheit und Stärke, ist perfekt gelungen. Kalb hat es seinerseits verstanden, staatsmännisch aufzutreten. Dabei hat er nicht versäumt, seine Mannschaft zu hofieren, die Mitglieder als Freunde und CSU-Familie zu beschwören.

Damit die Harmonie hält, wird nun Kreisvorsitzender Silberhorn die undankbare Aufgabe haben, ambitionierten Christsozialen zu vermitteln, dass sie nicht mit auf die Kreistagsliste können. 60 Plätze und bereits jetzt 72 Gesetzte und Mitmüsser: aus allen Gemeinden, Bürgermeisterkandidaten, Frauen, Junge. Die Kunst ist es, alle die nicht berücksichtigt werden, bis März bei der Stange zu halten und zu motivieren. Schließlich, und so hat Emmi Zeulner ein Schreckgespenst beschworen: "Man hat was gekonnt, wenn man der CSU was mitgeben konnte."