Es ist ein riesiges Luftbild in der Mitte des Amtszimmers von Christian Lange. Der Zweite Bürgermeister und Kulturreferent fährt wie ein Feldherr mit der Hand über die Flächen, wegen denen es in der Sitzung im Finanzsenat lautstarken Protest gab.

Ihm geht es, wie er sagt, ums Ganze: Auf dem Areal zwischen dem künftigen Digitalen Gründerzentrum und der heutigen Bereitschaftspolizei soll in den nächsten Jahren ein Vorzeigequartier für die Stadt Bamberg entstehen. Mit 1000 Wohnungen, einer Markthalle und einer kulturell belebten Mitte.

Umstritten ist derzeit noch das Schicksal der Blockrandbauwerke entlang Weißenburg- und Zollnerstraße. Geht es nach den Vorstellungen von Bambergs Grünen, dann soll der geplante Verkauf an einen von zwei nicht aus Bamberg stammenden Investorengruppen erst einmal vertagt werden, um den Wünschen des Vereins "Kontakt - das Kulturprojekt" Gehör zu verschaffen. Doch dafür ist keine Mehrheit in Sicht. Die Bamberger GroKo spricht sich für den Verkauf des gesamten Areals aus, damit möglichst schnell möglichst viele Wohnungen entstehen. Erklärtes Ziel ist "finanzierbares Wohnen" in Bamberg. Ende Juli soll die Entscheidung fallen, wer den Zuschlag erhält.

Doch unabhängig davon, was unter dem Begriff "finanzierbar" zu verstehen ist und ob der Wunsch nach erschwinglichen Immobilien angesichts davongaloppierender Grund- und Baukosten überhaupt zu erreichen ist, hat sich ein Streit um zwei Häuser dieser Gebäudezeile entwickelt. Die Macher von "Kontakt - das Kulturprojekt" hatten sich Hoffnungen darauf gemacht, diese Immobilien selbst erwerben zu können, um hier ihre Vorstellung alternativer Kultur verwirklichen zu können.
Weil sie mit privaten Investoren auf der Erba-Insel schon schlechte Erfahrungen gemacht haben, misstrauen sie nun den Versprechungen der Stadt, dass der Zugang zu den Gebäuden auch nach einem Verkauf an einen privaten Investor 2019 noch uneingeschränkt möglich sein soll. "Wir würden gerne weitermachen", sagt Michael Schmitt auf Nachfrage. Dennoch sei es derzeit nicht mehr ausgeschlossen, dass das Kulturfestival mit zuletzt 20 000 Besuchern 2019 ausfallen könnte.

Bambergs Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) wirbt unterdessen für eine Kombination mehrerer Ziele. Die Existenzfähigkeit bestehender und sich etablierender Kultureinrichtungen soll nicht gefährdet und die finanzielle Potenz der Stadt nicht überfordert werden. Er spricht von einem Betriebskonzept, das Gemeinwohl-Interessen mit dem Wunsch nach möglichst vielen Wohneinheiten in Einklang bringt. Im Moment sind die Überlegungen dafür noch nicht abgeschlossen. Sicher ist, so sagt Lange, dass schon der dauerhafte Betrieb der ehemaligen Posthalle samt des Platzes davor die Stadt finanziell enorm beanspruchen wird. Gedacht wird an eine Veranstaltungshalle für die Vereine im Bamberger Osten, Filialen von Musikschule und VHS, aber auch Kapazitäten für die alternative Kultur.

Lange fürchtet auch, dass eine zu viele Kulturflächen im Lagarde-Quartier eine ungute Konkurrenzsituation für andere bestehende oder sich etablierende Kultureinrichtungen in der Stadt bedeuten würden. "Wir stabilisieren derzeit die Alte Seilerei mit festen Zuschüssen für Chapeau Claque. Wir stabilisieren das Kesselhaus, wir unterstützen das Kulturcafé im Krackhardhaus am Maxplatz."

Einfluss auf das Kulturentwicklungskonzept, an dem im Referat Langes gearbeitet wird, haben auch neu hinzukommende Veranstaltungsflächen: So entsteht laut Lange eine Bühne beim Neubau der Mensa in der Austraße. Neu hinzukommen wird durch den Neubau des Pestalozziwohnheims ein 200 Quadratmeter großer Veranstaltungsraum mit eigenem Stuhllager. Frank Tegtmeier vom Studentenwerk Würzburg/Schweinfurt hofft darauf, dass er 2021, spätestens aber 2022 zur Verfügung steht.

Ob das eine Alternative für "Kontakt - das Kulturprojekt" sein könnte, ist aber eher fraglich: Den Mitgliedern des rund 40 Personen zählenden Organisationsteams, das sich nicht mehr nur als studentische Initiative versteht, geht es nach sechsjährigem Vagabundieren um dauerhafte Räumlichkeiten, die den Aufwand für das Auf- und Abbauen in Grenzen halten, ein kontinuierliches Arbeit ermöglichen. Dass dieser Wunsch die Alte Seilerei bedrohen könnte, sieht Michael Schmitt nicht. Er glaubt eher an eine "Ergänzung."

Aktuell hatte die Gruppe eine Zwischennutzung der beiden Backsteingebäude in der Lagardekaserne von November 2018 bis zum nächsten Kontaktfest im Frühling 2019 für Konzerte und Workshops beantragt. Nun ist die Enttäuschung groß, nachdem der Grund für die Verzögerung auf der Hand liegt: "Das Objekt soll verkauft werden und uns speist man mit Versprechungen ab.