"Kurzfilme sind wie ein Gedicht", schwärmte Hans W. Geißendörfer im vergangenen Jahr. Mit einer 16-mm-Filmkamera experimentierte der "Vater der Lindenstraße" als Student in diesem Sinne, um sich "auszuprobieren - und natürlich auch anderen zu zeigen, was ich kann", wie der künstlerische Pate der 23. Kurzfilmtage bemerkte. Heuer begleitet das Festival Jochen Alexander Freydank, der mit seinem 14-minütigen Streifen "Spielzeugland" 2009 einen Oscar gewann, nachdem er sich zuvor an der Regnitz profilierte. Die Karriere renommierter Filmemacher beflügelten short subjects - bis hin zu Regisseuren wie George Lucas, Martin Scorsese oder Steven Spielberg, der sich mit "Amblin'" Richtung Hollywood katapultierte. So erinnern wir vor der Kür der Preisträger der 24. Bamberger Kurzfilmtage an kreative Köpfe, für die das Festival seit 1991 zum Sprungbrett wurde. Aber ebenso Größen, die bei den Wettbewerben leer ausgingen.



Regisseur von "Halbe Treppe"

Beginnen wir bei Andreas Dresen, bei dem sich erstmals das Gespür der Bamberger Zuschauer für Filmkunst zeigte. So heimste der Regisseur von Werken wie "Halbe Treppe" oder "Sommer vorm Balkon" den ersten Publikumspreis der Kurzfilmtage ein. Noch während seines Studiums an der Hochschule für Film und Fernsehen in Potsdam-Babelsberg drehte der Geraer die Berliner Ost-West-Romanze "So schnell es geht nach Istanbul" - als Kurzfilm, der auch auf der Berlinale lief und den Prix Europa gewann. Womit die Erfolgsgeschichte des 29-Jährigen gerade erst begann, der später in Cannes, Chicago, Gent und Montréal gefeiert wurde.

Gleich nach Dresen zeichnete das Bamberger Publikum 1993 einen Filmemacher aus, der sich mit der zunehmenden Fremdenfeindlichkeit befasste: Pepe Danquart, heute einer der bekanntesten Dokumentarfilmer der Republik. "Schwarzfahrer" hieß der Streifen des Singeners, der 1994 auch einen Oscar für den besten Kurzspielfilm verliehen bekam, womit Danquart wohl nicht gerechnet hatte: "Wider meiner Erwartung schaffte ich es als dritter deutscher Filmregisseur in der Geschichte des deutschen Films, diese höchste Auszeichnung zu gewinnen", vermerkte der kreative Kopf in seiner Biographie.



Kurzfilm, Langfilm und Serie
Interessant auch die Geschichte zu Peter Thorwarths Kurzfilm, der 1997 den "Bamberger Reiter" aus Schokolade erhielt. So entwickelte der Regisseur aus seiner noch zu Studienzeiten entstandenen Komödie "Was nicht passt, wird passend gemacht" 2002 einen Langfilm, der im gleichen Jahr noch bei der Berlinale prämiert wurde und anschließend zur Serie avancierte. Sechs Jahre später kam "Die Welle" als Kultfilm des Dortmunders ins Kino, der in Bamberg eine seiner ersten Auszeichnungen erhalten hatte.



Leer aus ging Florian Henckel von Donnersmarck 1999 bei den Kurzfilmtagen, der für "Das Leben der Anderen" 2007 einen Oscar gewann. "Dobermann" hieß sein mit dem Max-Ophüls-Preis bedachter Wettbewerbsbeitrag, der von "Real Men Eat Meat" als Maria von Helands Kurzfilm überflügelt wurde. Übrigens widmete sich der Kölner Filmemacher acht Jahre lang short subjects, bis er sein Langfilmdebüt auch als Drehbuchschreiber gab - mit dem "Leben der Anderen".


Kein Preis für Tykwer

Tom Tykwer war 2005 schon bekannt, als er in Bamberg von einer weitaus weniger renommierten Filmemacherin ausgestochen wurde: Neele Vollmar, die sich den Publikumspreis mit "Meine Eltern" sicherte. Auf der Berlinale wurde "True" dagegen prämiert. Und im Jahr darauf gewann der "Lola rennt"-Regisseur mit "Das Parfum" weitere begehrte Auszeichnungen.

In die Röhre schaute in der Domstadt selbst Kultregisseur Detlev Buck, als er einen Kurzfilm präsentierte: Als Filmemacher, der mit "Karniggels" 1991 schon den Bayerischen Filmpreis gewonnen hatte, und dem Publikum später Werke wie "Männerpension", "Sonnenallee", "NVA" und "Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe" bescherte.

Und weitere große Namen verbinden sich mit den Bamberger Kurzfilmtagen, die auch Modell für das 1999 gegründete internationale Münchner Kurzfilmfestival "Bunter Hund" standen. In Kürze wird nun wieder der "Bamberger Reiter" verliehen - wobei man vor allem gespannt sein darf, wie das Publikum "Mr. Hublot" wertet - als Luxemburger Beitrag, der für den Oscar nominiert ist.

Wettbewerb 1: "Alles oder nichts" from Bamberger Kurzfilmtage on Vimeo.



Wettbewerb 3: "Nah und näher" from Bamberger Kurzfilmtage on Vimeo.