Hans Well und seine junge Familienbande machte es Wolfgang Heyder als neuer Spitze der SPD Kultur AG leicht, für eine reibungslose Stabübergabe von Anton Söhnlein und einen gelungenen Auftakt des diesjährigen Ellertaler Kulturherbstes (mit insgesamt zehn Veranstaltungen) zu sorgen. Im ausverkauften Saal der Brauerei Reh offenbarte das oberbayerische Quartett ein sehr freches Mundwerk, erinnerte in der ein oder anderen Szene schon an die ehemalige Biermösl Blosn, kam jedoch sehr viel frischer und spontaner rüber als das Brüder-Trio nach drei Jahrzehnten. Was wiederum nicht verwundert. Nach gut zweieinhalb Jahren haben sich die "Wellbappn" längst aus dem Schatten gespielt und befreit: Der Lohndorf-Auftritt bot viel Spott und Ironie, dazu ein musikalisches Schmankerl nach dem anderen.

Eine neue Well-Ära

Dieses Komplett-Paket mit vielen Facetten aus dem Alltag und der großen Politik ist noch höher einzuschätzen, wenn man weiß, dass Abiturient Jonas immer noch durch die Nachwirkungen einer Mumps-Erkrankung eingeschränkt ist und dessen Schwester Tabea trotz starker Halsschmerzen ihre Sanges- und Geigen-Künste eindrucksvoll unter Beweis stellte. Dem Vater fiel hinterher ein Stein vom Herzen und er verwies darauf, dass die neue Zeitrechnung mit seinen Kindern nun viel spannender sei als die letzten Jahre mit seinen Brüdern ("da wurde nur noch Bewährtes gespielt"). Der 61-jährige Ausnahmetexter ("jeder Abend macht nun tausendmal mehr Spaß") nannte für den neuen Mut zum Risiko das "Haderthauer-Klagelied", das den Jungen überhaupt keine Ängste bereitet. "Ich erlebe jeden Text mit und sehe die Entwicklung der Kinder auf der Bühne. Zuletzt war das Biermösl-Hauptmanko, dass wir der Zeit hinterher waren. Nun sind wir wieder voraus!"

Ja, Vater und Nachwuchs bewiesen auch lokales Wissen in der "fränkischen Toskana": Angefangen von der Litzendorfer Verkehrslawine und Sporthalle über die Bamberger "Chefarzt-Doktorspiele" bis zum Naturschutz im Steigerwald wurde zunächst lokal gelästert, ehe sie ihr "Dahoam" über den Schellenkönig priesen. Unbekümmert nahmen sie Gemeinderats-Sitzungen, Bürgerversammlungen und Berufsgruppen so richtig aufs Korn und banden auch das Publikum mit ein. Sie wechselten im Eiltempo die Themen und Instrumente.

Haßberger oder Haßfurter?

Spätestens als die Sprache auf G9, G8 und den "Bockmist" von Spaenle kam und der Fall Haderthauer nochmals als "Resozialierung" aufgerollt wurde sowie immer wieder "Mautesel" Dobrindt Hohn und Spott ob seiner Mautpläne abbekam, wurde eindrucksvolles Politik-Kabarett geboten. Dass der Ministerpräsident dabei ganz oben auf der Satire-Liste stand ("wennst den Seehofer fragst, dann woast nie, was der Horst dazu socht") und er eine enorme "Wende-Energie" besitzt, war alles andere als überraschend, wenn man die Ironie eines Hans Well kennt. Aber Fehler kann er sich auch als Profi nicht erlauben ("Haßberger statt Haßfurter"), da springen die Jungen lästernd gleich in die Bresche. Spontanität pur der "Wellbappn", die erfrischend wirkt.

Groteske Szenen wie ein Loblied auf Bayern mit einem "Bavarian English" der ganz komischen Art ("bavarian mir san mir, we have the world best beer") und der unübertrefflichen Einigkeit am "Tag der Deutschen Einheit" mit dem Hissen der bayerischen Fahne sorgten für tosenden Applaus. Auch das predigthafte Aneinanderreihen lateinischer Wortakrobatik in Kombination mit urbairischem Dialekt traf ins Mark. Sie nahmen sich aber auch selbst aufs Korn, so suchten sie für das Geschwister-Duo einen "Verehrer mit Grundbesitz", aber keinen Banker, Feldwebel oder Straßenbahnritzenreiniger. Von "privater" Natur war auch die Jodler-Einlage für die (ehemalige) Jonas-Freundin Jacqueline Zitselsberger sowie der total verregnete Pfingsturlaub "dahoam", als Hochwasser die Fahnenweihe wegschwemmte. Angesichts dieses Express-Tempos der jungen "Bappn" waren die reinen Instrumental-Titel der Zeitraum zum Durchschnaufen, ehe die nächste Spott-Satire-Lawine anrollte.

"Well" - ob bairisch oder englisch, das Ellertal erlebte den Beginn einer neuen Ära dieser oberbayerischen Musik-Großfamilie. Die "Wellbappn" mit ihren 18 bis 22 Jahren und ihr Vater sprühen vor Leben!

Die nächste Kulturherbst-Etappe findet bereits am kommenden Sonntagvormittag (11 Uhr) statt: Mit "Lauschliedergeschichten aus dem Einfallsreich" präsentiert Willy Astor sein erstes Kinderalbum und betritt mit dem "Kindischen Ozean" Neuland.