50 000 Euro für eine Potenzialanalyse zum Kesselhaus, 10 000 Euro für Chapeau Claque - und der Globalbetrag für Kultur wird wie im Vorjahr mit 225 000 Euro angesetzt - "einen guten Tag für die Kultur in Bamberg" hat Kulturbürgermeister Christian Lange (CSU) bei den Haushaltsberatungen im Finanzsenat erlebt. "Ich bin sehr dankbar für diese wichtigen Investitionen und hoffe, dass dem auch der Stadtrat zustimmt." Auch an den Planungen für das Kulturquartier Lagarde mit seinen unterschiedlichsten Nutzungsmöglichkeiten werde weitergearbeitet, auch wenn sie nicht Gegenstand der Haushaltsgespräche waren. "Dafür gibt es noch ausreichende Mittel im Konversionstopf", sagt Lange. Bevor es an Post- und Reithalle sowie am Platz dazwischen weitergeht, müssten aber erst die Tiefgaragen-Arbeiten abgeschlossen sein. Wie Oberbürgermeister Andreas Starke (SPD) stehe er im regen Austausch mit der Interessengemeinschaft (IG) Freie Darstellende Künstler.

Deren Vorsitzender Hans-Günter Brünker sieht die Entwicklungen noch nicht so rosig: "Für unsere mehr als 30 freien Gruppen und 20 Einzelkünstler stehen weiterhin insgesamt nur 40 000 Euro zur Verfügung. Und wenn wir nicht aktiv geworden wären, würden davon sogar noch 40 Prozent gekürzt." Brünker spielt auf die 15 000 Euro an, mit denen freien Künstlern die Anmietung der Alten Seilerei bezuschusst worden war. Weil es die nicht mehr als Spiel- und Probenort gibt, werden mit dem Geld nun auch Anmietungen anderer Lokalitäten gefördert. "Aber grundsätzlich hat sich an unserer Situation noch nicht viel verändert. Was nutzt uns der Globalbetrag, wenn davon bei den Künstlern nicht viel ankommt?" Es fehle den freischaffenden Künstlern an einer Lobby im Stadtrat. Entsprechend ist die IG auch noch nicht ihrem Wunsch nähergekommen, jährlich 150 000 Euro (fünf Prozent der städtischen Förderung fürs E.T.A.-Hoffmann-Theater) zu bekommen.

Einem Kulturzentrum steht Brünker sehr offen gegenüber, "wenn es die verschiedenen Sparten auch wirklich vereint". Wenn es am Ender aber vorrangig um Ausstellungsräume gehe, hätten die darstellenden Künstler kaum etwas davon. Aber Kesselhaus wie Kulturquartier Lagarde bleiben für ihn zunächst Versprechen in die Zukunft, während in der Gegenwart konkrete Geld- und Raumprobleme drängten: "Wir leben in Zeiten mit wenig Geld, wie gehen wir damit am Sinnvollsten um?" Der IG-Vorsitzende würde unter anderem auf eine erweiterte Zusammenarbeit mit dem Stadttheater setzen, das allein von der Stadt Bamberg jährlich mit drei Millionen Euro bezuschusst werde.

Ausgelastetes Theater

"Es gibt eine Öffnung des ETA-Hoffmann-Theaters auch für freie Theatergruppen und Künstler", sagt Kulturbürgermeister Lange. Es gebe genug Beispiele, wo das gelungen sei. "Voraussetzungen sind allerdings, das der laufende Betrieb möglich bleibt, Mietkosten gezahlt werden und die Darbietungen den inhaltlichen und qualitativen Vorstellungen der Intendanz entsprechen." Wer interessiert sei, solle ruhig einen entsprechenden Antrag stellen.

Das hat Melanie Day getan. Die Gründerin der MDance Company wäre mit einer Wiederaufnahme ihres erfolgreichen Tanzspektakels "Tan-Go Nights" und einer neue Inszenierung gern ins Studio des Theaters gegangen, nachdem ihr die Alte Seilerei als Spielort unerwartet weggebrochen war. "Mir wurde aber nach einigem Mailverkehr vom Intendanzbüro mitgeteilt, dass mein Programm dort nicht ins Portfolio passt." Sie könne zwar nachvollziehen, dass die Intendantin entscheide, was ihrem künstlerischen Anspruch entspricht. Brünker kann das nicht nachvollziehen: "Das ist doch öffentlich geförderter Raum." Auch Day findet es "schade, dass in einer solchen Notlage in einer Stadt wie Bamberg feste und freie Ensembles nicht zusammenhalten und gemeinsam Kompromisse suchen können". Weil Day für ihre Kunst eine gewisse Bühnengröße braucht ("Acht mal acht Meter, besser noch zehn mal zehn"), will sie nun in die Konzerthalle gehen. "Dafür muss ich nun tief in die Tasche greifen und ich suche noch Unterstützer."

Die Mietkosten möchte sich Day auch von der Stadt fördern lassen, aber wieviel aus dem Gesamttopf von 40 000 Euro für den einzelnen Antragsteller bleibt, muss sich zeigen. Bis es nun neue Kulturzentren in Bamberg geben kann, zieht einige Zeit ins Land. "Aber ich muss jetzt präsent sein, sonst kann sich in sechs Jahren keiner mehr an mich erinnern", sagt Day.

Für das ETA-Hoffmann-Theater weist Pressesprecher Dominik Huß darauf hin, dass die dortigen Proben- und Aufführungsräume die allermeiste Zeit des Jahres für die dortigen zwölf Neuproduktionen belegt seien. Das Stadttheater habe "genau diese zentrale Aufgabe, mit eigenem Ensemble künstlerisch hochwertige und interessante Theateraufführungen zu erfinden". Das Theater sei keine Stadthalle oder ein Gastspielhaus, sondern ein von der Stadt eingerichteter Ensemblebetrieb. "Unsere Räume stehen auch an vorstellungsfreien Tagen nicht leer. Wir proben das ganze Jahr über unsere Produktionen vormittags und abends, auch im Studio und im Gewölbe", betont Huß. "Damit ist unser technisches Personal, das für die Sicherstellung eines reibungslosen Proben- und Vorstellungsbetriebs, auch für Gastspiele, zwingend erforderlich ist, voll und ganz ausgelastet."

Langfristige Perfektive als Ziel

Jeder Raumanfrage folge ein sorgfältiger künstlerischer Abwägungsprozess. Das liege auch daran, dass die Intendantin gemäß ihres Dienstvertrags die künstlerische Ausrichtung des Hauses insgesamt vertrete, also auch für Gastveranstalter. Die wenigen Kapazitäten, die vorhanden seien, "vergeben wir deswegen an Gruppen, mit denen wir sinnvolle künstlerische und inhaltliche Synergien eingehen können". Dazu gehörten unter anderem Ernst von Leben, Villa Wild und das Studierendentheater UniOn. "Wir alle arbeiten sehr fleißig das ganze Jahr daran, interessante Kunst für die Stadt auf die Bühne zu bringen, und die überwältigend positiven Rückmeldungen bestärken uns in unserem Schaffen", erklärt Huß für das ETA.

Hans-Günter Brünker wünscht sich hingegen eine langfristige Perspektive für die freien Kulturschaffenden in Bamberg. "Es tut sich viel in Sachen Kultur", betont Christian Lange. Gespannt könne man auf die aktuelle Kulturentwicklungsplanung sein, die im ersten Halbjahr 2020 festgezurrt sein soll.

Chapeau Claque gelingt der Neuanfang am alten Ort

Es war ein turbulentes Jahr für Chapeau Claque. Doch mittlerweile ist der Verkauf der Alten Seilerei, wegen der der Verein in große finanzielle Schwierigkeiten geraten war, über die Bühne gebracht worden. Ein neuer Vorstand hat sich formiert, für den Geschäftsführerin Stefanie Buld verkünden kann: "Wir stehen wieder solide da." Der neue Vorsitzende Michael Feulner verspricht mit seinem Stellvertreter Hermann Hinterstößer nun "etwas Neues bewegen" zu wollen.

"Der alte Vorstand hat das mit dem Verkauf wirklich gut hingekriegt und seine Mitglieder bleiben uns als Beisitzer erhalten", sagt Buld, die seit 2010 bei Chapeau Claque ist. Als Auftrittsort wurden nun wieder die Räume in der Grafensteinstraße aktiviert: "Wir haben viel gemacht und für jetzt ist das wunderbar." Das Kindertheater solle ein starkes Standbein bleiben, die Theaterpädagogik noch ausgebaut werden.

Feulner lobt die Zusammenarbeit mit der Stadt, durch das Spielmobil sei ein enger Kontakt entstanden. Freilich sei das Auto mittlerweile in die Jahre gekommen. "Wir bräuchten dringend ein Ersatzfahrzeug", sagt Hinterstößer.

"Wir mussten das Beste draus machen, dass es die Seilerei nicht mehr gibt", sagt Feulner. Wichtig sei nun, dass der Verein wieder in ruhigeren Fahrwassern bleibe. Sicher bleibt auch Wehmut, was den alten Spielort angeht: "Das war schon großartig", sagt Buld. Doch nun gehe der Blick nach vorn, im Kindertheater folgt auf die "Katze mit Hut" gerade "Armstrong - die abenteuerliche Reise einer Maus zum Mond". Die bisherigen Vorstellungen waren meist ausverkauft. Im September wird Chapeau Claque dann 30 Jahre alt und die neue Geschäftsführerin verspricht: "Da lassen wir uns was einfallen."