No Means No zog der Morphclub nach Bamberg. Das New York Ska Jazz Ensemble spielte in der Luitpoldstraße 17. Legendäre Bands wie die Fehlfarben punkteten beim Publikum: Ja, "Keine Atempause, Geschichte wird gemacht, es geht voran", hieß es lange in dem Szeneclub, der sein kulturelles Angebot mit Konzerten, Kabarettveranstaltungen,Theater, Lesungen, Slams und manchem mehr von Jahr zu Jahr zu steigern suchte. Damit aber ist's vorbei. Günther Oppel tritt als Betreiber auf die Bremse, "weil wir uns finanzielle Risiken und Künstler ab einer bestimmten Größenordnung nicht mehr leisten können".



Woran liegt's, nachdem sich die Location über mangelnde Publikumsresonanz im Grunde nicht beklagen kann? Die Sperrzeitenregelung macht dem Club zu schaffen, wie Oppel berichtet. Bekanntlich reagierte der Stadtrat auf Beschwerden von Anwohnern 2011 mit einer Sperrzeitverlängerung. "Bis Ende 2012 gab's jedoch noch Ausnahmegenehmigungen, die seither ebenfalls vom Tisch sind", so der Betreiber. Auf diese Weise enden Partyveranstaltungen werktags um zwei Uhr und an den Wochenenden um vier Uhr, was die Erlöse erheblich schmälert. "Über die Partys aber finanzierten wir Kulturveranstaltungen mit und federten finanzielle Risiken ab, was nun nicht mehr möglich ist."


Von 112 auf 58 Kulturveranstaltungen
Auf diese Weise werden Kabarettabende ganz aus dem Programm des Morphclubs gestrichen. Weniger Konzerte, Lesungen, Slams: Von 112 Kulturveranstaltungen im vergangenen Jahr sank die Zahl heuer auf gerade noch 58 - "Tendenz weiter fallend", so Oppel, der die "dramatischen Einschnitte" bedauert. So vergrößerte der Betreiber das Angebotsspektrum in den vergangenen Jahren ja, um ein möglichst breit gefächertes Publikum anzusprechen. Aber jetzt regiert auch in der Luitpoldstraße der Rotstift.


Wenig Hoffnung
Eine Lösung ist Oppel zufolge nicht in Sicht. Zuschüsse, die das Kulturamt bislang leistete, könnten die Auswirkungen der Sperrzeitenregelung kaum ausgleichen. "Wir bekommen schließlich nur einen Bruchteil der Summe, die die Stadt Erlangen beispielsweise fürs E-Werk ausgibt." Hier stimmte der Stadtrat zum Jahresanfang für eine kräftige Zuschuss-Erhöhung um 218.000 Euro auf 591.200 Euro, um das finanziell angeschlagene Kulturzentrum zu unterstützen. "Haben aber nicht auch wir in den vergangenen Jahren deutlich gemacht, dass sich der Morphclub gegenüber etlichen auswärtigen Diskotheken mit Billig-Angeboten, Doppeldeckern und Pornofasching unterscheidet?"



Mit angezogener Bremse geht's also erstmal weiter, obwohl sich der Morphclub gerade erfolgreich auf neues Terrain wagte. Nachdem das Zapfendorfer Top Act schloss, experimentierte Oppel mit der Dark-Music-Sparte. "Schließlich gibt's hier dafür keine andere vergleichbare Plattform. Und tatsächlich gewannen wir Fans mit Veranstaltungen wie der ,Fête Obscure' (wieder am 4. Oktober) oder ,Frau Schwarz und Herr Weiß' (wieder am 26. Oktober)." Nur blieben Konzerte vorerst Zukunftsmusik angesichts des finanziellen Backgrounds.


Filmfestival im Club
Der Oktober beginnt im Morphclub mit dem Uranium Film Festival, das darüber hinaus im Lichtspielkino läuft. Ab 20 Uhr hebt sich in der Luitpoldstraße 17 am 1. 10. der Vorhang für die Kurzfilme "Moab", "Abita. Die Kinder von Fukushima", "Bombensicher", "Slouching Towards Yucca Mountains", "The Last Flower - Die letzte Blume" und "Herr Hoppe und der Atommüll". Beleuchtet wird die gesamte "Atomkette" - vom Uranbergbau bis zum Atommüll, von Hiroshima bis Falluja & Fukushima -, um zur Aufklärung über atomare und radioaktive Gefahren beizutragen. Eine Butoh-Performance von Michael Huth ("Die Ameise trinkt aus dem Wasserfall") schließt sich an. "Und danach wird getanzt bis zum Glühen, zu den Klängen von DJ Rexdanny".

Das nächste Konzert steht am 12. Oktober mit Fei Scho auf dem Programm: Alpine Weltmusik zwischen Landler und Funk erwartet Besucher ab 21 Uhr. Als britische Indie-Folk-Gruppe folgen am 15. Oktober Rue Royale, woraufhin die schwedischen Indie-Pop- und Postrock-Kollegen von Hunt den Monat am 30. ab 21.30 Uhr ausklingen lassen.

Die Morphclub-Art-Reihe setzen die nächsten Poetry-Slams am 7. und 21. Oktober fort, wenn das Städtebattle Bamberg versus München steigt. Kunst gegen Bares gibt's am Tag darauf ab 20 Uhr.


Musikalische Kostproben
Wer sich in die Musik von Fei Scho vor dem Konzert einhören möchte, wird übrigens unter der Web-Adresse der Band fündig.