Ein nahezu leeres, schwarzes Blatt erzeugt Gänsehaut: "Death", Tod, titelt es, darauf nur in weißer Kreide das Datum 9.4.1945, eine dünne blaue Linie, darüber der Name "Maria". An jenem Apriltag wurde Dietrich Bonhoeffer durch Erhängen mit Klaviersaiten exekutiert. Maria von Wedemeyer war seine Verlobte.

"Aus der Leere entsteht Fülle", entstehe Verbindung zwischen Menschen, deutete Alexander Ochs-Barwinek, Kurator der aktuellen Ausstellung "Circles" in Bamberg, dieses Tafelbild des chinesischen Künstlers John Young.

Es ist Teil der Werkreihe Youngs, die am Sonntag erstmals in der Erlöserkirche präsentiert wurde: als Hommage an den evangelischen Theologen Dietrich Bonhoeffer, eine zentrale Figur des deutschen Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und Mitträger der Bekennenden Kirche. "Bonhoeffer in Harlem" steht über dieser Ausstellung und erinnert an dessen Studienaufenthalt 1930 in New York.

An seine Erfahrungen mit sozialer und politischer Diskriminierung der farbigen Bevölkerung durch die amerikanische Gesellschaft. Für Bonhoeffer waren diese Erlebnisse eine Basis seines Kampfes gegen die nationalsozialistische Rassenideologie.

Bonhoeffer nahm dabei die "Perspektive Jesu ein", habe "Christsein als Dasein für andere, Kirche als Kirche für andere interpretiert", ging Pfarrerin Dorothea Münch auf eine "Kraftquelle" des Widerständlers ein. In ihrer Dialogpredigt - ein Abendmahlgottesdienst ging der Ausstellungseröffnung voraus - machte die Pfarrerin abwechselnd mit Alexander Ochs-Barwinek deutlich, wie intensiv Bonhoeffer durch ein "befreiendes und aufrichtiges Handeln an den Ausgegrenzten, Verachteten und Leidtragenden" das Leben gefüllt habe.

In Hongkong geboren, in Melbourne zu Hause

Ochs-Barwinek ging auf Lebensstationen des anwesenden Künstlers ein. Young lebt mit seiner Familie im australischen Melbourne. 1956 in Hongkong geboren wurde er von seinen Eltern während der Großen Kulturrevolution zu einer Tante nach Sydney gebracht, besuchte dort die Schule, kam mit einem Franziskaner und durch ihn "mit westlichen Inhalten" in Kontakt.

Nach einem Studium der Philosophie wandte sich Young der Kunst zu. Bei einem Besuch der Berliner St. Matthäuskirche, in der Bonhoeffer 1931 zum Pfarrer ordiniert worden war, kam ihm die Idee zu einer Arbeit über den Theologen.

Werkreihe voller Aussagekraft

Das Ergebnis ist nun in der Erlöserkirche zu sehen. Neben den fast minimalistischen Tafelbildern zu Bonhoeffers Vita steht ein Seidenteppich, den eine tibetische Buddhistin in Nepal nach dem Entwurf von John Young geknüpft hat.
Für diesen Entwurf verwendete Young afrikanische Farben, die er in den Glasfenstern der Abyssinian Baptist Church, der ältesten "schwarzen" Kirche, in Harlem/New York fand. Bonhoeffer hatte die Kirche mehrfach besucht.

Der Kurator spannte den Bogen vom Thema des Künstlers zur Erlöserkirche, die 1934 im Kampf der Kirche gegen die Interventionen der Nationalsozialisten und der pro-faschistischen "Deutschen Christen" unter schwierigen Umständen geweiht wurde.

Julius Schieder, Rektor des Nürnberger Predigerseminars und einer der führenden Köpfe der "Bekennenden Kirche" predigte. Er hatte Vikare mitgebracht, die sich während der Einweihungsfeier vor der Kirchentüre aufstellten, um Kirche und Feier vor der Übernahme durch den Reichsbischof Ludwig Müller zu schützen.

John Young selbst würdigte die Kirche als "besonderen Ort für Künstler, wo sie ihre Werke neu vorstellen und neu schaffen können". Als katholischem Christen habe ihn das "Mitgefühl, das Bonhoeffer anderen Menschen gegenüber aufbrachte", besonders bewegt, bekannte Young. Der Wandteppich, der durchaus Rätsel in sich trage und verschiedene Deutungen zulasse, wolle dieses "Mitgefühl und Mitleid" ausdrücken.

OB Andreas Starke (SPD) sagte in seinem Grußwort, dass es sich lohne, "diese wunderbare Ausstellung Circles" zu besuchen. Er dankte dem Kurator für dieses "Geschenk an dessen Heimatstadt" und der evangelischen Kirche, die "dieses Gotteshaus für die Werkreihe Bonhoeffer in Harlem geöffnet hat".