Eine Tafel, angebracht an einem Haus an der Nonnenbrücke, weist darauf hin, dass hier das erste Wohnhaus E.T.A. Hofmanns war. Heute verbirgt sich dahinter das Atelier Gudrun Besslein-Bauers. Büsten und Skulpturen ihres Großvaters Anton Bauer und ihres Vaters Robert Haderlein-Bauer empfangen den Besucher im naturbelassenen Garten. Ersterer war es, der in den 1930er-Jahren die ehemalige Druckerei in ein Atelier umgewandelt und so den Grundstein zu einer Bildhauer- und Kunsttradition gelegt hat.

Am Wochenende war das Atelier Gudrun Besslein-Bauers im Rahmen der Tage des offenen Ateliers für Besucher zugänglich. Unter "Artur 16" präsentierten nicht nur in Bamberg, sondern auch in ganz Oberfranken Mitglieder des Berufsverbandes Bildender Künstler zum 16. Mal ihre Werke, gaben Einblick in Arbeitsprozesse und beantworteten Fragen. Und es war nicht nur die Malerei vertreten, sondern auch Fotografie, Bildhauerei und Textilkunst, Keramik und Grafiken.

Gudrun Besslein-Bauer stellte von Anfang an mit aus. Ihre Werkstatt befindet sich im früheren Entwurfsatelier. Die alten Holzschränke sind noch angefüllt mit Entwürfen zu bekannten Kunstwerken Bambergs und enthüllen somit ein Stück Stadt- und Kunstgeschichte.

Platz für eigene Ideen

Rechter Hand betritt man die Ausstellungsräume. Mit Tusche, Kohle, Tinte und Grafit auf Papier hat sie Zeichnungen und Grafiken geschaffen, die in Gold- und Brauntönen aller Schattierungen glänzen. Fragmente und Ergänzungen sind bisweilen aneinander gefügt. Und manchmal ergeben erst drei Bilder eines.

"Man sieht dann was, man legt was frei, man ergänzt was. Dann fügt man wieder eine Schicht hinzu, nimmt eine Schicht wieder ab. Und teilweise ist es auch ein destruktiver Vorgang",erklärt Gudrun Besslein-Bauer ihre Arbeitsweise.

Das Ergebnis der teils monate - und jahrelangen Arbeit sind vielschichtige Werke, die, ähnlich einem Hologramm, ihren dreidimensionalen Inhalt je nach Standpunkt des Betrachters ändern. Auf einmal zeigen sich Strukturen da, wo eben noch eine einheitliche Farbfläche war.

Gudrun Besslein-Bauer selbst sagt, ihre Kunst sei "nicht zu Ende gedacht" und gibt damit Platz für eigene Ideen. "Meine Kunst soll Raum geben für eigene Interpretation, dass man nach Tagen auch noch etwas Neues entdeckt.

Es ist eine Aufforderung, selber zu sehen." Immer wieder kommen Besucher, betrachten die Bilder, gehen nahe an sie heran, um Details zu erkennen, treten dann einen Schritt zurück um das Gesamtkunstwerk auf sich wirken zu lassen. Dann meint man einen römischen Torbogen zu erblicken, eine Wüstenlandschaft, vielleicht sind das auch Feldzeichnungen. Und immer wieder die Andeutung von Architektur: ein römischer Bogen, eine Mauer, geometrische Formen.

Auch im Atelier von Mathias Börner ist ein ständiges Kommen und Gehen. Der gebürtige Coburger hat seine Werk- und Ausstellungsräume in der Nürnberger Straße. Tritt man durch den ein wenig unscheinbaren Eingang, offenbart sich im hinteren Teil des Gebäudes eine wahre Farbenvielfalt. Spektralwelten nennt er seine Arbeiten, denen er sich seit einigen Jahren widmet.

Und man sieht sofort, was er damit meint. Seine groß- und kleinformatigen Arbeiten führen in die Welt der Farben, nehmen den Betrachter mit auf eine Reise zum Mittelpunkt des Lichts. Man wird ein wenig an die Farbfeldmalerei Marc Rothkos oder Arbeiten Gerhard Richters erinnert.

Unschärfe in Szene gesetzt

Aber nur fast: Denn Mathias Börner hat etwas Neues geschaffen, in dem er das Lichtspektrum nicht nur aufspaltet, sondern es gleichzeitig in Schichten und Unterbrechungen wieder miteinander mischt, entsteht gleichzeitig etwas, das über Farbfeldmalerei hinausgeht.

Diese Technik ist eine eigene Welt, denn Mathias Börner setzt hier die Unschärfe in Szene. "Das Thema Unschärfe habe ich früher schon für mich entdeckt. Das war für mich ein Schlüsselerlebnis." Mit jeder Schicht, die das Auge abwärts oder von links nach rechts wandert, geschieht so eine Veränderung, entfaltet sich eine schillernde, unbekannte Welt. Hier wird nichts Gegenständliches dargestellt, es ist alles rein abstrakt. Dennoch wirken die großformatigeren der Bilder beinahe holografisch.

Das Grundelement dieser Illusion ist die Unterbrechung von Farbketten. Die Bilder erscheinen so dreidimensional und erzeugen die Ahnung von Gegenständlichem. Es sind hier zwar auch die Farbwellen der kleinformatigeren Bilder, aber sie unterbrechen sich in sich selbst und erzeugen so die Illusion von Dreidimensionalität.

Sieht man länger hin und versenkt sich in die Magie der Farben und Formen, so verschwimmen sie vor den Augen. Das Auge kann sie kaum greifen, obwohl sie doch von strengen geometrischen Mustern geformt sind. Durch die Verwendung von Acryl auf Leinwand schimmern die Farben zusätzlich fast metallisch und geben zusätzlichen Glanz wieder.

Innerhalb eines Wochenendes die Möglichkeit zu nutzen alle Ateliers im Rahmen von "Artur" zu besuchen und sich die Vielfalt an unterschiedlichsten Arbeiten anzusehen, ist kaum möglich. Zu groß ist die Auswahl. Aber zum Glück wird auch nächstes Jahr wieder ausgestellt. Und wer will, der kann sich bis dahin, auf Nachfrage, auch so die Formen- und Farbenvielfalt oberfränkischer Kunstwerke ansehen.

Von Claudia Heitz