In die Jahre gekommen sind die Spielgefährten, die gerade die Altendorfer "Klinik" erreichen: Patienten aus dem Regensburger Raum, die Robert Lukowiak und Barbara Blöcker in die fränkische "Notaufnahme" begleiten. Günter Geier untersucht die Neuankömmlinge, die unter altersbedingten Gebrechen leiden: Gelenkschäden, offene Stellen an Armen und Beinen, die mit Salben nicht zu behandeln sind. Helfen könnten Operationen und Transplantationen, was Hasi, Teddy und eine graue Maus klaglos akzeptieren. "Kein Problem", beruhigt der 73-Jährige das besorgte Paar, das sich um die greisen Kuscheltiere sorgt.

Zumal gerade auch für alle Fälle "Schwester Steffi" zur Stelle ist: "Ja, endlich habe ich eine Nachfolgerin", schwärmt der Puppen- und Bärendoktor, der danach jahrelang vergeblich suchte - per Zeitung, Radio, Fernsehen und Internet, wie sich der Franke erinnert. Und wo fand Dr. med. Pupp die Frau, die seine Praxis in einigen Monaten übernimmt? "In einer Notaufnahme, in der man mich nach einer Herzattacke behandelte." Glück im Unglück.


Ein Herz für Not leidende Kinder
So machen Geier Herzprobleme zu schaffen, der auch im humanitären Bereich ein "Herz für Kinder" zeigte. Zur gleichnamigen Spendengala im ZDF lud man den Franken vor einigen Jahren, nachdem er zahllose Hilfstransporte für Not leidende Menschen in Kroatien und Bosnien initiierte. "Aber zuletzt musste ich mein soziales Engagement aus gesundheitlichen Gründen einstellen", so der 73-Jährige, der dank Steffi Simon in einigen Monaten auch als Dr. med. Pupp in den Ruhestand gehen kann. Zuvor aber gibt es für die 34-Jährige noch viel zu lernen, deren "Umschulung" von menschlichen Patienten auf Papp(maché)kameraden, Spielgefährten aus Porzellan, Zelluloid, Stoff und Stroh erst begonnen hat.


Wie aber überzeugte Geier die sächsische Krankenschwester, seine Praxis mit über 15 000 Ersatzteilen (vom Puppenkopf bis zum Bärenfuß und allein über 400 Perücken) zu übernehmen? Vom "Notarzt"-Wagen ganz zu schweigen, über den derzeit noch verhandelt wird. "Ich kam in Günters Krankenzimmer, der mich anblickte und sagte: ,Sie sind's!'", erinnert sich Steffi Simon an die ersten Worte des Herzpatienten, auf die sie sich zunächst noch keinen Reim machen konnte. Tatsächlich gelang es dem Franken aber, die zweifache Mutter für seinen Kreativberuf zu begeistern. "Mal was ganz anderes zu machen, hatte ich mir davor schon vorstellen können", berichtet die 34-Jährige, die sich für den künstlerischen Bereich interessiert. Und warum sollte sie beim Umgang mit Plüschkameraden nicht ebenso viel Geschick wie beim Umgang mit Menschen zeigen? Zumal "Puppen und Bären doch viel geduldiger sind", wie die Krankenschwester mit einem Schmunzeln bemerkt.


Ab Oktober
In ihrer Freizeit ging Steffi Simon mit dem Puppendoktor im Oktober erstmals auf Tour. So fährt Geier seit fast einem Vierteljahrhundert von Ort zu Ort quer durchs Bundesgebiet und Teile Österreichs, um mit seinem Truck bei Edeka, Globus und Marktkauf Station zu machen. Auf Parkplätzen hält der Franke seine "Sprechstunde" ab, bei der er abgetrennte Gliedmaßen annäht, Köpfe zurechtsetzt und Patienten auf andere Weise ambulant behandelt: Eine Tätigkeit, die Steffi Simon nach ihrer Ausbildung vom Chemnitzer Raum aus übernehmen möchte. Natürlich können ihr Franken dann auch "kranke Kuschelfreunde" per Post senden, um sie nach einer entsprechenden Behandlung gesund zurückzuerhalten. Aber das erst nach der offiziellen Praxisübernahme Mitte bis Ende 2014, so die Krankenschwester.


Stück Kindheit bewahren
Viele Geschichten weiß Günter Geier zu erzählen, der als Puppendoktor auch die ein oder andere Reminiszenz aus längst vergangenen Kindheitstagen bewahrte. So brachte ihm eine ältere Dame ihre Puppe, "der in der Nachkriegszeit der Bauch von einem Soldaten aufgeschlitzt wurde - auf der Suche nach Wertsachen", so Geier, der der überglücklichen Besitzerin bald darauf ihre "Lisa" wohlbehalten zurückgab. In über fünf Jahrzehnten sammelte der Altendorfer auch rund 4700 "Krankenscheine": Briefe, in denen kleine und große Kinder Dr. med. Pupp um Hilfe baten. Wie Katharina B., die ihm ihre "Erna" mit den Worten vorstellte: "Sie ist ein altes Mädchen und begleitet mich seit über 40 Jahren. Haben Sie noch ein Bett frei?" Natürlich fand sich ein Plätzchen, und der kleine Liebling "gesundete" - wie bald auch zahllose Spielgefährten, die mithilfe von Steffi Simon wieder auf die Beine kommen sollen.


Mit Autos gespielt
War Geiers Nachfolgerin früher eigentlich ein ausgesprochener Puppenfan? "Nein, ich habe als Kind vor allem mit Autos gespielt", gesteht die 34-Jährige. Nicht anders als mittlerweile ihr fünfjähriger Sohn Pepe und ihre achtjährige Tochter Zoë. "Jenny war eine Ausnahmeerscheinung, meine einzige Puppe, die inzwischen aber leider verschollen ist", sagt Steffi Simon, um sich dann aber auch schon wieder den Patienten zuzuwenden, die Robert Lukowiak und Barbara Blöcker in die Seußlinger "Notaufnahme" brachten. "Gleich anfangs lernte ich, wie man eine Puppe behandelt, deren Beine locker sind", erinnert sich Geiers Assistentin an ihren ersten Einsatz im Oktober zurück. "Und bis heute werde ich mit immer neuen Problemen konfrontiert, die man nach und nach einzuschätzen lernt. Wie in der Notaufnahme, wo du morgens nicht weißt, was auf dich zukommt."

Ja, gewisse Parallelen sind nicht von der Hand zu weisen. Dementsprechend prädestiniert ist die 34-Jährige für ihre künftige Profession. Aber vieles muss Steffi Simon eben auch noch lernen - wie das Modellieren von Füßen und anderen Transplantaten, was Geier zufolge kein Kinderspiel ist. In jedem Fall: Wir bleiben am Ball und berichten weiter.